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aus unserem Archiv vom 19. April 2006
Autor: Von unserer Mitarbeiterin
EVA MÜLLER
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Eine ver-Schmit-z-te Stadt

TRIER. Händchen haltende Jungs oder sich küssende Mädchen werden gerade im ländlichen Raum selten gesichtet. In Trier allerdings hat sich eine lebendige Schwulen- und Lesbenszene etabliert.

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Hella von Sinnen, Dirk Bach, Klaus Wowereit und Guido Westerwelle sind Menschen im Licht der Öffentlichkeit und stehen offen zu ihrer Homosexualität. Die ersten beiden zeigen sich bunt, schräg und durchgeknallt, letztere hingegen treten als seriöse Politiker ins Licht der Öffentlichkeit.

"Anders" feiern und leben

"Anderssein" dieser Art scheint somit gesellschaftlich in allen Bereichen akzeptiert. In Großstädten gibt es mit Partys und Treffs unzählige Angebote für Schwule und Lesben, unter sich zu sein. Im ländlichen Raum sind die Möglichkeiten allerdings meist geringer. Die Stadt Trier ist da eine Ausnahme. Das beweist zum einen der Christopher-Street-Day (CSD), der seit einiger Zeit auch in Trier schrill und bunt gefeiert wird. Seine Anfänge nahm er in Großstädten wie Köln, das für seinen CSD bekannt ist.

Inzwischen machen auch alle mit bei dem Trierer Straßenfest, bei dem ursprünglich auf die noch immer währenden politischen und gesellschaftlichen Probleme Homosexueller sowie auf das nach wie vor aktuelle Thema Aids hingewiesen wird.

Dann gibt es im Sommer auf dem Kornmarkt so einiges zu erleben: Travestiekünstler, Livemusik, Essen, Trinken, aber auch Vorträge und vor allem ungezwungene Fröhlichkeit.

Doch nicht nur an einem Tag im Jahr sind Homosexuelle in Trier aktiv, sie leben ihr "Anderssein" das ganze Jahr über: "Schmit" – schwule Männerinitiative Trier – heißt ein Verein, der vor fast 13 Jahren gegründet wurde. Damals war das weibliche Pendant noch nicht vertreten. Partys haben aber inzwischen bewirkt, dass heute alle zusammen feiern – Schwule, Lesben und Heteros. Weil es einfach mehr Spaß macht.

"Schmit" ist Anlaufstelle für alle Homosexuellen und arbeitet mit zahlreichen Vereinen zusammen: darunter der regionale Aids-Beratung, "Huk" (ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche), "Gayliens" (Jugendgruppe für schwule und bisexuelle Jungs), "Women love women" (offene lesbische Gruppe), die "Vätergruppe" (Selbsthilfegruppe für schwule und bisexuelle Väter), das "Rosa Telefon" (Beratungstelefon), die "Gayfarmer" (schwule Vereinigung grüner Berufe wie beispielsweise Landwirte, Winzer oder Gärtner) sowie die Schwulen- und Lesbenbeauftragten politischer Parteien.

Ihre Aufgaben und Ziele sind zum einen die Aufklärung der Menschen, die Förderung des eigenen homosexuellen Selbstverständnisses, aber auch die Förderung von Bildung und Kultur.

Rosa Sitzung und "Homosella" Kultur

So sorgt das Laien-Theater "Schmit-Z-Family" regelmäßig für lebhafte Unterhaltung. In der Karnevalszeit gibt es eine närrische rosa Sitzung und im Herbst die schwul-lesbischen Kulturtage "Homosella". Zudem ist die Kneipe "Schmit-Z" immer gut besucht und schafft eine einladende Atmosphäre, in der Schwule und Lesben unter sich sein und Erfahrungen austauschen können.

Heute zählt der Verein bereits über 170 eingetragene Mitglieder. "Schmit" finanziert sich durch Mitgliederbeiträge, Spenden, Café und Kneipe, Feten und durch das Theater.

Der Erfolg von "Schmit-Z" sowie des Christopher-Street-Days sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass die Menschen in einer Stadt mitten im ländlichen Raum doch sehr tolerant und offen mit dem Thema Homosexualität umgehen – "und das ist auch gut so", wie Wowereit damals bei seinem Amtsantritt als Berlins Bürgermeister betonte.


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