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SPIEL DES TAGES : Viele Ausfälle, keine Einfälle

MÜHLHEIM. Die SG Sehlem hat ihre Führungsposition nach dem 2:0-Auswärtssieg bei der auf eigenem Platz immer noch tor- und sieglosen SpVgg. Mülheim/Brauneberg gefestigt.

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Für die SG Sehlem war es ein besonderes Spiel. Denn erstmals reisten die Salmtaler als Tabellenführer nach Mülheim. So verwunderte es niemanden, dass Trainer Rudi Roth-Noss von Beginn an den Vorwärtsgang einlegte. Bei Frühherbst-Wetter hatten die Gäste bereits früh ihre erste Chance, als Thomas Keich aus der Drehung Mülheims Keeper Andreas Jakobs prüfte (8.). Danach machte der Klassenbeste das erste Mal ernst: Mario Haier erzielte aus abseitsverdächtiger Position das frühe 1:0 für die Gäste (11.).

So waren die Gastgeber gezwungen, ihr Heil in der Offensive zu suchen. Ein schwieriges Unterfangen, waren doch fünf Stammspieler auf Eis gelegt. Lediglich der angeschlagene Detlev Hesse lichtete das Lazarett des Tabellenzehnten und wurde im zweiten Abschnitt eingewechselt.

Augenscheinlich war, dass es die Haas-Elf versäumte, aufzurücken. So hatte es der Spitzenreiter relativ leicht, sein gewohntes Spiel aufzuziehen ohne dabei sonderlich gestört zu werden.

"Aggressiver! Beißen!". Die Forderungen von Mülheims Coach Haas bezogen sich vor allem auf die Defensivabteilung, die erhebliche Mühe mit Haier, Axel Esch und Keich hatte. Das Bemühen von Mülheims Rumpfelf war durchaus erkennbar, kaschieren konnten sie die zahlreichen Ausfälle und die wenigen Einfälle jedoch nicht. Zu wenig Durchsetzungsvermögen im Angriff, zu wenig Anspielstationen im Mittelfeld waren die Konsequenz. Auch wenn die Spielvereinigung besser ins Spiel kam, waren die Sehlemer die stärkere Mannschaft, weil sie die durchdachtere, reifere Spielanlage besaß.

Die Kabinenpredigt von Ralf Haas fiel hart, aber herzlich aus. Dieser forderte, "mehr Herz zu zeigen. Ihr könnt doch Fußballspielen. Wir dürfen uns die Butter so nicht vom Brot nehmen lassen. und müssen jetzt mehr riskieren."Haas meinte damit die Einwechslung der beiden Offensivkräfte Jakobs und Detlev Hesse, die den zu oft allein gelassenen Thorsten Kien unterstützen sollten. Tatsächlich kam mehr Bewegung ins Mülheimer Spiel, doch die Ungenauigkeiten beim Abschluss blieben. Wie lange sollte die Torflaute noch anhalten? Nicht nur diese Frage beschäftigte die Verantwortlichen bei den "Blauen", sondern auch das Defensivproblem. Zu unkonzentriert und zu weit weg standen die Verteidiger, so dass sich immer wieder gefährliche Situationen anbahnten. Als Sehlem unverständlicherweise einen Gang zurückschaltete und die Gastgeber sich anschickten, den Ausgleich zu machen, erwischte es sie eiskalt.

Keich setzte sich geschickt auf der linken Außenbahn in Szene, und Daniel Esch schob mutterseelenallein zum entscheidenden 2:0 ein (65.). Es war bezeichnend, wie es die Mülheimer erwischte. In ihrer größte Druckphase traf es sie mitten ins Herz. Die Roth-Elf zelebrierte nicht den technisch ansprechenden Hurra-Fußball, sondern spielte effektiv. Mit wenigen Stationen wurde das Mittelfeld überbrückt und die Spitzen bedient. Freilich hatte die Haas-Elf jetzt mehr vom Spiel, zwingende Chancen blieben allerdings Mangelware; Zimmermanns Geschoss entschärfte der neue Keeper Alwin Lorig großartig. Derselbe Spieler traf anschließend aus der Nahdistanz nur Keeper Lorig, der wieder in der richtigen Ecke war (75.,79.). Vielleicht lag der feine Unterschied in der Qualität der Abwehrverbände, weil die Rot-Weißen mit Libero Jörg Kronauer einen umsichtigen Abwehrchef hatten.

Zwei Minuten vor Schluss traf Marco Ertz nach einem Konter das leere Tor nicht.

Abschließend konstatierte Mülheims Trainer Haas ernüchternd: "Natürlich bin ich enttäuscht. Wir haben zu wenig nach vorn gespielt. Außerdem fehlte uns die ordnende Hand im Mittelfeld. Jetzt hoffen wir, dass die Spieler, die verletzt sind, bald wieder kommen". Sein Pendant Rudi Roth-Noss war zwar mit dem Ergebnis zufrieden, "aber nicht mit der spielerischen Leistung. Ein Kompliment an die Abwehr, die sicher stand. Jetzt kommen die schweren Gegner. Dann wird sich zeigen, ob wir zu Recht oben stehen."


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