Lebensmittel oder Abfall? Auf den Spuren der Mülltaucher
Im Schutz der Dunkelheit macht sich Hanna Poddig auf den Weg zur Container-Jagd. Der Strahl ihrer Taschenlampe leuchtet in das Innere einer Mülltonne hinter einem Supermarkt. Mit Handschuhen fischt sie Lebensmittel aus der Tonne.
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Trier. Hanna Poddig, 23 Jahre alt, ist "Vollzeit-Aktivistin" und Mülltaucherin. Sie besorgt sich ihr Essen und ihre Kleidung aus den Müllcontainern. Leute wie sie nennen sich Containerer oder Mülltaucher. Der Trend kommt aus den USA, und es gibt ihn schon seit 15 Jahren, dort werden sie Dumpdiver oder Freegans genannt. Die Containerer beschaffen sich die Lebensmittel aus den Müllcontainern der Supermarktketten, ohne dass Not dahinter steckt. Viele Menschen glauben, dass sie arm und mittellos sind.
Doch die Taucher tun es aus politischen Gründen und protestieren dagegen, dass Lebensmittel in großen Mengen weggeworfen werden, während gleichzeitig viele Menschen verhungern. Sehr oft werden die Nahrungsmittel, zum Beispiel eine Palette Sahne, in die Tonne geworfen, obwohl nur ein Sahnebecher geplatzt ist. Denn für den Konzern ist es billiger, die Palette zu entsorgen, statt die restlichen Becher zu säubern.
Auch wenn die Lebensmittel kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind, werden sie weg-geworfen. Bis zu dem angegebenen Datum garantiert der Hersteller, dass die ursprünglichen Produkteigenschaften wie etwa die Cremigkeit eines Joghurts erhalten bleiben. Nach Ablauf des Datums kann das Lebensmittel also durchaus noch verzehrt werden. Was den Unterschied zum Verbrauchsdatum ausmacht.
Nicht nur Supermärkte und Lebensmittelläden, sondern auch die Verbraucher in den Industrie-staaten werfen jedes Jahr mehr als 220 Millionen Tonnen Essen weg (20 Millionen Tonnen in Deutschland). Dann kommen die Containerer ins Spiel, meistens finden sie Obst. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Eier oder Fisch nehmen sie nicht mit.
Hanna Poddig lebt schon seit vielen Jahren so, denn sie braucht für die Lebensmittel kein Geld auszugeben. In einer Nacht kann sie Lebensmittel finden, die einen Einkaufswert von 20 Euro haben, und davon zwei Tage leben. In ihrem Buch "Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein" beschreibt sie das Mülltauchen. Viele Menschen finden, dass die Mülltaucher den Bedürftigen, die von der Tafel abhängig sind, das Essen wegschnappen. Doch auch die Tafeln sind vorsichtig mit Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.
Die Gesetzeslage in Deutschland besagt, dass die Lebensmittel so lange Eigentum des Besitzers sind, bis sie auf der Mülldeponie landen. Deshalb können sich die Dumpdiver durch das Mülltauchen strafbar machen. Lena Groß, Berufliches Gymnasium an der BBS Gewerbe und Technik Trier
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