Autor: Max Henning SchumitzOrt: Hermeskeil/TrierDruckenE-Mail
Acht Kerzen vertreiben die Dunkelheit
Taja Bakal geht in die fünfte Klasse des Gymnasiums in Hermeskeil. Sie ist eine Freundin von Leseratte Lucky. In der Schule basteln die Kinder für Weihnachten, und Lucky hat in den vergangenen Wochen viel über das Fest erfahren. Aber nicht alle feiern den Heiligen Abend. Taja erzählt warum.
Podcast
Fotostrecke
Leseratte Lucky und Taja Bakal freuen sich auf Chanukka, das jüdische Lichterfest. TV-Foto: Max Henning Schumitz
Hermeskeil/Trier. "Wir feiern kein Weihnachten", sagt Taja zu Lucky. "Weil wir Juden sind, feiern wir nicht die Geburt Christi. Aber wir feiern fast gleichzeitig Chanukka, das jüdische Lichterfest", erzählt die Elfjährige. Lucky schaut Taja neugierig an. Er will alles über Chanukka wissen. Also erzählt Taja ihm ausführlich, wie und warum die Juden in der ganzen Welt Chanukka feiern. "Das Fest dauert acht Tage und beginnt am 25. des Monats Kislew", sagt Taja. Das sei im jüdischen Kalender der neunte Monat, der je nach Mondstand zwischen Mitte November und Anfang Dezember beginnt. Gefeiert werde die Befreiung des salomonischen Tempels durch Judas Makkabäus im Jahr 164 vor Christi Geburt.
"Um die Menora - einen Leuchter - anzuzünden, brauchten die Priester ein spezielles Öl", erklärt Taja weiter. Das Öl, das sie noch im Tempel fanden, hätte normalerweise nur für einen Tag gereicht. Um neues herzustellen, hätten die Priester acht Tage gebraucht. "Wie durch ein Wunder hat das Öl dann aber doch für acht Tage gereicht", erklärt Taja.
"Morgen, am 21. Dezember, fängt das Chanukka-Fest an. Das erste Licht zünden wir schon am Abend vorher an", erklärt Taja. Vorher versammelt sich die Familie am Chanukka-Leuchter, der im Fenster stehen muss, und spricht ein Gebet. Danach rufen sich alle "Happy Chanukka" zu. In den folgenden sieben Tagen wird dann immer eine weitere Kerze hinzugefügt und angezündet. "Aber warum hat der Chanukka-Leuchter dann neun Lichter?", fragt Lucky. "Mit dem Licht rechts außen - dem Schamesch oder Diener - werden die übrigen Lichter von links nach rechts angezündet", erklärt Taja.
Chanukka sei aber vor allem ein fröhliches Fest, das die Juden mit ihren Familie und in der Region in der Synagoge in Trier feiern. Es wird getanzt, die Kinder spielen mit dem Dreidel - einem vierseitigen Kreisel, auf dem vier Buchstaben des hebräischen Alphabets stehen - um Süßigkeiten, und zum Essen gibt es in Öl gebackene Speisen. "Ich mag besonders die Sufganiot", sagt Taja. "Das sind Krapfen. Und meine Mutter macht immer eine leckere Ente." "Das würde mir auch schmecken", sagt Lucky. "Dann komm doch vorbei und feier mit uns Chanukka", schlägt Taja vor. Lucky freut sich schon darauf, mit Taja zusammen einen schönen Abend zu verbringen und lädt sie im Gegenzug ein, Weihnachten doch mal bei ihm vorbeizuschauen.
Extra
Die jüdische Gemeinde Trier singt jedes Jahr zu Beginn des Lichterfests das selbst gedichtete Chanukka-Lied: "Vor einer langen Zeit, da waren wir bereit für ein Wunder, das uns auch noch heute Freude bringt. Deshalb nun stehen wir hier und feiern allesamt gemeinsam das Fest von Chanukka. Das erste Licht ist heut, das zünden wir mit euch. Dann wird der Saal erfüllt von warmem Kerzenschein. Mit dem Sewiwon (Kreisel) macht das Spielen Spaß. Auf Latkes (Kartoffelpuffer) freuen wir uns schon das ganze Jahr. Unser Fest heißt Chanukka, und es geschah, der Tempel wurde eingeweiht. Wir spielen, lachen, tanzen acht Tage lang und zünden die Kerzen jeden Tag. Wir wünschen chag sameach (frohes Fest) und betea won lachem (wir wünschen guten Appetit). Lechaim (Prost) an alle, die in Trier versammelt sind. Wir zünden nun die Kerzen und essen Sufganiot (Krapfen) mit euch zusammen - es ist jetzt Chanukka." itz
Was spielst du am liebsten? Worüber kannst du lachen? Was macht dich richtig sauer? Erzähle es den Kindern auf der Kinderseite des Trierischen Volksfreundes im Wochenendjournal! Wie das funktioniert, erfährst du hier. mehr...