«Rei», ruft Karate-Lehrerin Katrin Hoffmann. 14 Schüler stehen ihr in weißen Jacken und Hosen und mit verschiedenfarbigen Gürteln in einer Turnhalle gegenüber. Alle lassen sich auf die Knie nieder und verbeugen sich voreinander. Jetzt kann das Kampfsport-Training beginnen!
«Rei ist Japanisch », erklärt der neunjährige Kacper Kowalczyk. Wenn er das Wort im Training hört, verbeugt er sich vor seiner Lehrerin. Seit drei Jahren ist Kacper ein Karateka. So werden die Schüler genannt. Nach der Begrüßung wärmen sich alle auf. «Danach kommt der beste Teil vom Training», findet Kacper. Denn dann stehen oft die Katas auf dem Programm. Eine Kata ist eine festgelegte Abfolge von Bewegungen, die man hintereinander macht. Dabei tun die Schüler so, als ob sie gegen jemanden kämpfen.
Die heutige Kata heißt Taikyoku Shodan. Wieder stellen sich alle in einer Reihe auf und machen auf Kommando einen Schritt nach links. Dabei strecken sie den Arm nach unten. Mit dieser Bewegung würden sie im Kampf zum Beispiel einen Tritt abwehren. Anschließend gehen die Karateka einen Schritt nach vorn und machen einen Stoß mit der Faust.
Danach kommt das Kihon. Dabei werden Grundtechniken geübt. Beim Zugucken sieht das einfach aus. «Aber es ist echt anstrengend», sagt Kacper, «weil der ganze Körper am Schluss der Bewegung angespannt ist.» Tatsächlich schauen alle konzentriert geradeaus. Trainerin Katrin korrigiert in ruhigem Ton, wenn zum Beispiel das hintere Bein nicht richtig durchgestreckt ist.
Kacper macht im Training auch ein paar Partner-Übungen mit der sieben Jahre alten Jule Greven. Kacper tritt geradeaus, Jule wehrt den Tritt mit dem rechten Arm ab. Das sieht gefährlich aus. «Ist es aber nicht», erklärt Trainerin Katrin, «denn bei allen diesen Übungen lernt man, den richtigen Abstand zum Partner zu wahren. Oder den Angriff vor dem Partner zu stoppen.»
Als Kacper klein war und aus Polen nach Deutschland kam, konnte er noch nicht gut Deutsch. In der Schule haben ihn Mitschüler deswegen oft geärgert und ihn sogar mal gehauen. «Deswegen wollte ich etwas machen, um mich verteidigen zu können», erzählt er. Jetzt wird er in Ruhe gelassen. Auch wenn er seine Karate-Technik in der Schule noch nie anwenden musste. «Aber ich fühle mich jetzt sicherer», sagt er.
Jule wollte eigentlich zum Ballett-Unterricht. «Aber das war langweilig. Beim Karate ist mehr los», findet sie. Zu Hause macht sie sich gern einen Spaß und lauert ihrem Vater im Dunkeln auf. Dann überrascht sie ihn mit einem Karate-Angriff. Das ist aber gar nicht so leicht. Denn ihr Vater macht auch Karate und ist richtig gut .
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