Das sieht ja edel aus! Auf dem Tisch liegt eine kleine, grüne Schachtel. Sie ist reich verziert mit zartem Stoff und
kunstvollen Mustern. Vorsichtig lässt sich der Deckel öffnen:
In der Schachtel liegen einige Pinsel, ein flacher Stein und etwas, das aussieht wie ein schwarzes Stück Holz. Warum die Sachen so behutsam verstaut sind, weiß Irene Ellegiers. Sie legt noch ein Stück Papier dazu und sagt stolz: «Das sind meine vier Kostbarkeiten.» Die vier Utensilien sind die Werkzeuge für eine uralte Kunst: die chinesische Kalligrafie, also die Kunst des Schönschreibens.
Frau Ellegiers unterrichtet die Kunst in einem Museum in der Stadt Köln im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Denn Kalligrafie bedeutet viel mehr als bloß ein paar Zeichen aufs Papier zu malen. «Die Chinesen erfanden vor mehr als 4000 Jahren diese Schreibkunst», sagt Frau Ellegiers. «Und noch heute glaubt man in China, dass sich in den kunstvollen Schriftzeichen der Charakter des Schreibers erkennen lässt.» China ist ein riesiges Land in Asien.
Um solche Schriftzeichen zu malen, braucht Frau Ellegiers neben Papier und Pinsel natürlich auch eine Farbe . Bei der Kalligrafie benutzt man Tusche - das ist der kleine, dunkle Klotz aus der Schachtel. Er sieht ein wenig wie ein schwarzes Stück Holz aus.
Frau Ellegiers reibt die Tusche mit etwas Wasser vom Tuschestein. Schon hat sie eine pechschwarze Farbe, in die sie ihren Pinsel taucht. Anschließend fängt Frau Ellegiers an zu schreiben. Aber sie schreibt keine Buchstaben, wie wir sie benutzen, sondern zeichnet behutsam kleine Muster aus Strichen und Punkten. In China benutzt man nicht das Alphabet mit 26 Grundbuchstaben. «Dort gibt es viele Tausend verschiedene Schriftzeichen», erklärt sie.
Jedes Zeichen hat dort eine eigene Bedeutung. Viele sagen: Mindestens 3000 Zeichen sind nötig, um zum Beispiel eine Zeitung zu verstehen. Und in der Kalligrafie ist jedes Zeichen ein kleines Kunstwerk. Deshalb bemühen sich viele Chinesen ihr Leben lang, ihre Handschrift immer weiter zu verbessern.
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