Datum: 18. Januar 2013

Blass, zart und feurig

Winfried Simon

Kenner beurteilen den Wein nicht nur nach Geruch und Geschmack. Zuerst schauen sie auf die Farbe. Und da gibt es, ebenso wie beim Geschmack, unzählige Varianten – von weißlich-hellgelb bei einem sehr jungen Rivaner bis dunkelrot-bläulich bei einem kräftigen Merlot.

Allein die Farbpalette der Roséweine ist äußerst vielfältig. Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für solche Weine, die äußerlich mal zart, mal feurig daherkommen: Rosé ist ein Wein mit hell- oder blassrötlicher Farbe, hergestellt aus Rotweintrauben. Diese Trauben werden bei der Verarbeitung zum Wein wie Weißweintrauben behandelt. Die Farbstoffe, die bei den meisten Rotweinsorten in der Beerenschale sitzen, werden dabei nicht so sehr herausgelöst wie beim eigentlichen Prozess der Rotweinherstellung.
 
Weißherbst ist dem Rosé in der Herstellung sehr ähnlich. Er darf aber nur aus einer Rebsorte hergestellt werden, ein Verschnitt mehrerer Sorten ist im Vergleich zum Rosé verboten. Die Rebsorte muss auf dem Etikett angegeben sein.
 
Beim Rotling, von dem manche fälschlicherweise annehmen, es handele sich um eine Rebsorte, werden rote und weiße Trauben zusammen gepresst. Das Resultat ist ein roséfarbener Wein.
 
Der Blanc de noirs (deutsch: „Weißer aus Schwarzen“) ist die französische Bezeichnung für einen aus roten Trauben gekelterten weißen Wein. Die Machart des Blanc de noirs ist die gleiche wie bei Rosé und Weißherbst. Das Ziel ist jedoch weißer Wein. In Deutschland werden dafür zumeist Trauben der Sorte Spätburgunder verwendet. Das Kunststück, einen „Weißwein“ aus Trauben mit dunkler Beerenhaut zu machen, gelingt nur, wenn man die Trauben nach der Lese sehr schnell abpresst, damit die Farbstoffe keine Zeit haben, aus der Schale in den Most überzutreten.
 

© volksfreund.de | Alle Rechte vorbehalten