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Von blühenden Landschaften und verbrannter Erde

Dieter Lintz zieht eine Bilanz der wichtigsten kulturellen Ereignisse der Woche.
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Das Weimarer Kunstfest, eines der ambitioniertesten Festivals im Lande, ist am Wochenende mit dem „Buchenwald-Konzert“ eröffnet worden. Es erinnert an die 56.000 Toten im nahe Weimar gelegenen KZ. Gespielt wurde ein Quintett des Komponisten Constantin Regamey, das 1942 im besetzten Warschau nur unter Lebensgefahr uraufgeführt werden konnte. Bis zum 9. September dauert das Kunstfest, in dessen Mittelpunkt der Komponist Franz Liszt steht.
 
Nach jahrelanger Sanierung geht das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe mit neuen Räumen und einem neuen Konzept wieder an den Start. Die Sammlung Antike umfasst 650 Exponate, die Schau zur Renaissance bietet 250 Kunstwerke auf. „Eine Reise in die Vergangenheit und rund um den Erdball“ verspricht Direktorin Sabine Schulze.
 
Wenig Erfreuliches lässt sich aus der deutschen Theaterlandschaft vermelden. Wieder einmal machen Alarm-Nachrichten die Runde. So ist die Zukunft des Theaters Altenburg-Gera akut gefährdet, falls kein neuer Haustarifvertrag mit Gehaltseinbußen für die 300 Mitarbeiter zustande kommt. Man werde „unternehmerisch entscheiden“, kündigte der Aufsichtsrat an.
 
In Münster ist der neue Intendant Ulrich Peters stinksauer, weil ihn die Kulturdezernentin gleich zum Start seiner Amtszeit mit dem Ansinnen überrascht hat, er müsse 1,9 Millionen Euro einsparen. Das sei „eine absurde Situation“, sagt Peters und kündigt für den Fall der Umsetzung an, Tanztheater und Schauspiel schließen zu müssen.
 
Sein Kollege  Uwe Eric Laufenberg, in Köln aus ähnlichen Gründen fristlos gekündigt, hat einen finalen Sieg gegen die Stadt errungen: Die Verwaltung nimmt die offenbar rechtsfehlerhafte Kündigung zurück und zahlt nach Informationen der Lokalpresse über 200.000 Euro Abfindung. Das Opernhaus ist trotzdem so ziemlich im Eimer.
 
Da beruhigt es doch, dass wenigstens in Bayreuth zum Ende der Saison die Sonne scheint. Ein letzter „Parsifal“ schloss die Serie ausverkaufter Vorstellungen ab. Künstlerisch gab’s eher unspektakuläre Kost – was sich im nächsten Jahr mit dem „Ring“ von Frank Castorf ändern dürfte. Es soll ums Thema „Erdöl“ gehen. Was auch dabei herauskommt: Eine Auszeichnung haben die Festspiel-Chefinnen schon sicher. Sie werden mit dem Bayerischen Kulturpreis 2012 ausgezeichnet. Wofür auch immer.

Dieter Lintz
 

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