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Datum: 22. November 2012 | Mehr aus diesem Ressort: Meinung
Autor: Salka Schwarz Kommentare: Kommentare zeigen Drucken  E-Mail

Wer bietet das Du an?

Bietet man die Du-Anrede nun jemandem an oder bittet man darum, zur Du-Anrede überzugehen? Ist das eine Wortklauberei oder ein himmelweiter Unterschied?
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Gewöhnlich wird niemand etwas dabei finden, ein Angebot einfach mit einem „Nein danke, das möchte ich nicht“ abzulehnen, wohingegen kein höflicher Mensch eine Bitte ohne Begründung ausschlagen würde. Denn eine Begründung kann man von dem erwarten, der ein Ansinnen ausschlägt.
 
Bittet man daher um die Du-Anrede? Oder bietet das zukünftige Duzen derjenige, der in der Situation der Ranghöhere ist, dem in der Situation Rangniederen an? Hierarchien sind gewiss ausschlaggebend, wenn es um die heikle Duz-Anfrage geht, doch ausnahmsweise geschlechtsneutral. Vielmehr zählt das Alter. Und das hat historische Gründe. Früher war es allein Männersache, das Risiko einer Ablehnung auf sich zu nehmen, da eine solche Unternehmung nur zu leicht dem guten Ruf einer Dame hätte schaden können. Im „Buch der Etikette“ von 1957 liest man: „Das Du zwischen den Geschlechtern kann nur vom Herrn ausgehen, der es in höflicher Form vorsichtig erbitten muß – nach Möglichkeit jedoch erst dann, wenn er gewiß sein darf, keiner peinlichen Ablehnung zu begegnen.“ Abgeleitet aus dieser alten Regel ist es heute egal, ob der Mann aktiv wird oder die Frau. Und daher ist es mal eine Bitte und mal ein Angebot – und doch jeweils als ein Vorschlag zu verstehen.
 
Prinzipiell gelten auch in dieser Frage wieder die üblichen Hierarchien: Bei ungefähr gleichem Alter sind Männer und Frauen gleichrangig, wobei nicht ein paar Jahre, sondern Generationsunterschiede ausschlaggebend sind. Es ist heute vollkommen in Ordnung, wenn eine Frau einen älteren Mann daraufhin anspricht; erst recht, wenn sich beide gut kennen. Umgekehrt könnte der Mann die Frau, sogar nach alter Schule, ebenfalls um das Du bitten – wenn er sicher sein kann, dass die Frau sich darüber freut. Einmal mehr kommt es auf den Kontext an, ob das Du als ein Angebot, als Bitte oder Vorschlag verstanden werden soll. Der Tonfall und die Wortwahl sind entscheidend dafür, wie der Antrag beim Gegenüber ankommt.
 
Zu bedenken ist freilich, dass die Du-Anrede eine Entscheidung fürs Leben ist. Zurücknehmen geht nicht – es sei denn, man will mit demjenigen aus gutem Grund absolut nichts mehr zu tun haben. Wer sich dessen bewusst ist, geht mit Feingefühl und Sensibilität vor und wählt eine geschickte Formulierung, die auch eine Rückzugsmöglichkeit offen lässt, ohne dass es peinlich wird.
 
Aus Salka Schwarz: „Renaissance der Höflichkeit. Fragen zur Etikette im 21. Jahrhundert“
 



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Donnerstag, 20.06.2013 | Archiv | ePaper Newsletter Registrieren Login | Auto Immo Stellen | Service

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