Es war einmal ein Weihnachtsstern. So könnte dieser Tage die Geschichte vieler Weihnachtssternbesitzer beginnen. In der Adventszeit kauft man sich die festliche Zimmerpflanze ja so gerne wie man die Märchenbücher zur Hand nimmt.
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Kathrin Hofmeister. foto: privat
Was mir an den Erzählungen besonders imponierte: In ihnen ließen sich schon zu Grimms Zeiten Missstände anprangern, mit denen man sich sonst um Kopf und Kragen geredet hätte.
Die Zimmerpflanze also, so weiß wie Schnee oder so rot wie Blut saß, noch nicht wie die Königin in Schneewittchen am Fenster, sondern noch auf einem Verkaufstisch im Eingangsbereich eines Supermarktes. Und weil es ein modernes Märchen ist, pfiff der Wind nicht ums Haus, sondern geradewegs durch die vollautomatischen Flügeltüren. Als Gartenzwerg kann man noch so oft warnen: Weihnachtssterne vertragen keine Zugluft. Der Käufer, nennen wir ihn Hans im Glück, nimmt einen voll erblühten Weihnachtsstern in Empfang und überdachte, wie ihm doch alles nach Wunsch ginge. Man muss annehmen, er ist mit acht Wochen Blühdauer zufrieden. So lange hält eine voll erblühte Poinsettie in etwa ihre Farbe. Frischere erkennt man an den aufspringenden unscheinbaren Blüten im Zentrum.
Der kritischste Teil der Geschichte: Der Weihnachtsstern hätte fachmännisch eingepackt werden müssen. Bei Minustemperaturen transportiert man ihn sogar besser im wohltemperierten Fahrerhaus als im Kofferraum. Ist doch vorhersehbar, dass ein kalt gestellter Weihnachtsstern die Blätter hängen lässt oder gleich ganz abwirft. Meist mit zwei, drei Tagen Verzögerung. Am Ende schiebt man sich die Schuld noch selber in die Schuhe. Dabei liegt es gar nicht an Pflegefehlern. Aber wenn man reklamieren wollte – keine Chance. In solchen Läden erzählen die einem in puncto Pflanzen doch Märchen.
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