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Mensch ... Kastelruther Spatzen!

Da bricht aber eine Welt zusammen. Ist denn alles auf Erden Lug und Trug? Und ich dachte schon, es kann nicht mehr schlimmer kommen.
Podcast
Erst wird Herr zu Guttenberg als Plagiator entlarvt. Dann muss Jürgen Drews zugeben, dass er beim Schönheitschirurgen war. Und schließlich kommt heraus, dass Lance Armstrong alle Tour-Erfolge ergaunert hat. Ein Ereignis unfassbarer als das andere.

Aber da gab es im Meer der Täuscher und Betrüger immer noch eine Insel des Anstands: die deutschsprachige Volksmusik. Da, wo die Menschen noch echt sind, die Musik handgemacht, die Mädels fesch und die Jungs pfundig. Besonders die Musiker, die sich für uns Fans die Seele aus dem Leib spielen. Dachte ich jedenfalls.

Und nun das. Auf Ihren CD’s haben schnöde Studiomusiker die Spatzen-Hits eingespielt, irgendwelche Jazzer womöglich, die im Gegensatz zu den Volksmusikanten tatsächlich ein Instrument beherrschen. Und die Spatzen haben beim Video nur noch ein bisschen Trachten-Tralala dazu gemimt.

Das sei international so üblich, lässt Ihr Management ausrichten. Das spare Kosten, sagt Ihr Sänger Norbert Rier, der als einziger nicht gefaked sein soll. Also wenn ich das mal logisch übersetze: Wenn die Normalbesetzung spielt, geht so viel daneben, dass die Aufnahmen drei Mal so lange dauern und sich trotzdem schrottig anhören. Da nimmt man sich besser ein paar Miet-Spatzen.

Die letzten, die bei so was aufgeflogen sind, hießen Milli Vanilli. Denen wurden sofort die Lizenz und sämtliche Preise aberkannt, in Amerika bekam jeder Plattenkäufer Schadenersatz.
Harte Sitten in Übersee. Bei uns ist man da nachsichtiger, wie man an Stefan Mross sieht, diesem Trompeter, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Die Fans juckt’s eh nicht, ob da einer in echt trötet oder ob der Computerchip die Klänge einspült. Hauptsache, alle schauen treu aus der Wäsche. Wie hieß noch schnell einer der ersten großen Spatzen-Hits? „Wahrheit ist ein schmaler Grat“. Wohl wahr.

Die im Geistkirch-Verlag erschienene Kolumnen-Sammlung "Mensch ..." von Dieter Lintz kann zum Verkaufspreis von 12,80 Euro versandkostenfrei im Internet unter www.volksfreund-shop.de oder per Telefon unter 0651/7199-997 bestellt werden. Das Buch ist auch im Buchhandel erhältlich.

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