meinung

Schauspieler, Traumtänzer, Debütanten und Gaukler

Zwei deutschsprachige Schauspieler sind am Mittwoch in Moskau mit einer der bedeutendsten Theater-Ehrungen der Welt ausgezeichnet worden. Klaus Maria Brandauer (69) und Martin Wuttke (50) erhielten den Stanislawski-Preis, benannt nach dem gleichnamigen begnadeten Regisseur und Theaterpädagogen, der gestern vor 150 Jahren geboren wurde.
Podcast
Die Mimen aus Wien und Berlin gelten nicht nur als Bühnengiganten, sondern sind einem breiten Publikum aus Kino und Fernsehen bekannt. So gab Brandauer „Mephisto“ und den Bösewicht in einem Bond-Film, Wuttke spielt seit fünf Jahren einen Tatort-Kommissar in Leipzig.
 
Tatort Rostock: Dort laufen die Endproben für eine Oper über das Leben von Marilyn Monroe. Der britische Komponist Kriss Russman hat „Happy Birthday, Mr. President“ geschrieben, das Volkstheater Rostock liefert am 27. Januar die szenische Uraufführung. Die Hauptrolle haucht Laura Parfitt. John F. Kennedy darf natürlich nicht fehlen, und am Ende ist die Heldin tot.
 
Bei Eric Gauthiers kurzen Tanzstücken unter dem Titel „Future 6“ überleben die meisten Figuren. Die neue Produktion seiner Dance Company wurde letztes Wochenende im Theaterhaus Stuttgart  frenetisch gefeiert. Das preisgekrönte private Ensemble hat für „Future 6“ international renommierte Choreografen wie Itzik Galili und Jiri Bubenicek ins Boot geholt. Ein Großteil des Programms ist am 21./22. Februar im Grand Théâtre Luxemburg zu sehen, wo Eric Gauthier seit Jahren zu den Stammgästen gehört.
 
Eher rare Besucher gab es dagegen vergangenen Sonntag im Berliner Theater am Kurfürstendamm. Bürgermeister Klaus Wowereit war da, die Verleger Friede Springer und Hubert Burda, Egon Bahr, Jürgen von der Lippe und sogar Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Dabei gab’s nur einen ordentlich abgekochten Boulevard-Altklassiker von Neil Simon. Aber bei „Gerüchte, Gerüchte“ spielte Tatort-Kommissarin und Burda-Gattin Maria Furtwängler ihre erste Theaterrolle. Keine große. Immerhin: Das Publikum warf rote Rosen auf die Debütantin, die Kritik lobte ihre Teamfähigkeit.
 
Prominenz spielt keine wesentliche Rolle in einem Buch, das dieser Tage im Fischer-Verlag erschienen ist. „Der Aldi-Äquator“ heißt es, und es handelt von einer Reise, die vier Freunde in einem alten Ford quer durch Deutschland führt, entlang der Grenze, die Aldi Nord und Aldi Süd trennt. Vom östlichen Bayern bis ins westliche Münsterland, von Filiale zu Filiale – ein schräges Reisetagebuch, das nicht bei Discounter-Läden stehenbleibt. Mal satirisch, mal philosophisch, mal platt. 660 Kilometer Skurrilität.
 
Justus Frantz schafft das auf weit kürzerer Strecke. Der umtriebige Musikus forderte gestern in der Kulturzeitschrift Bunte, man müsse Bundestagspolitikern Kulturkurse anbieten, „notfalls mit Zwang, sonst kommt kaum einer“. Na ja. Solange es wenigstens kein Justus-Frantz-Konzert ist. Sonst gäb’s noch eine Klage wegen Verletzung der Menschenrechte.
 

Das könnte Sie auch interessieren






Anzeige