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Unterm Strich – Die Kulturwoche

Geehrte, Eingesperrte, Aufgeführte und Bestreikte
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Der deutsche Theatermacher und Komponist Heiner Goebbels erhält den wohl höchstdotierten Theaterpreis der Welt. Die norwegische Jury erkannte ihm diese Woche den mit 330.000 Euro dotierten „Internationalen Ibsen-Preis“ zu. Der 59-Jährige sei „ein wahrhafter Erneuerer und einer der großen Kreativen unserer Zeit“, befanden die Experten. Kulturfreunde aus der Region können das in Luxemburg überprüfen: Goebbels gehört zu den regelmäßigen Gästen des Grand Théâtre.

Und gleich noch eine Ehrung: Marie-Luise Scherer, die Meisterin der literarischen Reportage, bekommt den Kunstpreis des Saarlandes 2012. Von der 73-jährigen ehemaligen Zeit- und Spiegel-Autorin stammt der in Journalistenkreisen gerne (und bisweilen neidvoll) zitierte Ausspruch „Zwei gute Sätze an einem Tag sind ein Glück.“

In Europa ehrt man Künstler, in China sitzen sie ein. Am Dienstag lasen Schriftsteller in mehr als 40 Ländern aus den Werken von Liu Xiaobo. Der Literat und Friedensnobelpreisträger ist seit vier Jahren inhaftiert, nachdem er sich in der Charta 08 für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt hatte. Zu seinen Unterstützerinnen gehörte bei einer Veranstaltung in Berlin Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller.

Früher warf Franz Xaver Kroetz mit Theaterstücken nur so um sich. Wenn heute ein Kroetz uraufgeführt wird, ist das ein rares Ereignis. Dennoch lag sein Stück „Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind“ zehn Jahre in der Schublade, bevor sich das Münchner Cuvilliés-Theater am Samstag an eine Aufführung herantraute. Das dürfte mit dem Thema zusammenhängen: Kroetz lässt fünf „Kinderschänder“ zu Wort kommen, angelehnt an den Fall Pascal in Saarbrücken. 8Kroetz zeigt jämmerliche, selbstgerechte Täter, die ihr Verhalten schönreden wollen. Kein leichter Stoff – „ein kaum auszuhaltender Blick in Abgründe“, schrieb die Kritik.

Ansonsten fielen deutsche Theater diese Woche allenfalls dadurch auf, dass etliche ausfielen: Der Verdi-Streik lähmte Bühnen von Düsseldorf bis Berlin, von München bis Worms. An anderen Häusern war man klüger und verzichtete angesichts der ohnehin sehr angespannten Lage darauf, an dem Ast zu sägen, auf dem man selber sitzt.

Last but not least das Geburtstagskind der Woche: Michael Haneke, der Filmregisseur mit der radikalen Ästhetik und der eisigen Poesie, der preisgekrönte Werke wie „Die Klavierspielerin“ und „Das weiße Band“ drehte, wird heute 70. Ein Österreicher, der deutsche Filme dreht und in Frankreich verehrt wird: Das kommt wirklich selten vor.

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