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Mankell ehrt Miles, Castorf malträtiert Kleist, Paris liebt Matisse, Clooney unterstützt Schwule

Was für eine Kombination: Kult-Krimiautor Henning Mankell schreibt eine Hommage an den Kult-Jazzer Miles Davis – in Form eines Theatermonologs. „Miles oder die Pendeluhr aus Montreux“ handelt von der Freundschaft des legendären Trompeters mit einem Taxifahrer.
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Das Theater Bielefeld wird das Stück in der kommenden Saison erstmals in Deutschland zeigen – das wurde am Mittwoch bei der Vorstellung des Spielplans bekannt.

In der Berliner Volksbühne erblickte vergangenes Wochenende der Kleist-Klassiker „Die Marquise von O.“ das Licht der Welt – genauer gesagt: das, was Regisseur Frank Castorf davon übrig gelassen hat. Kleists Novelle erscheint als eine Art Rahmenhandlung, in die Castorf diverse freie Assoziationen über die Hohlheit der bürgerlichen Gesellschaft einfügt. Dazwischen laufen immer wieder ein Pferd, ein Hund und ein Huhn über die Bühne. Da darf man sich schon so richtig darauf freuen, was dem Regisseur alles so einfällt, wenn er in Bayreuth den nächsten „Ring“ inszeniert.

Im Staatstheater Schwerin hat man ganz andere Sorgen. Dort erlebt die Belegschaft zurzeit, was passiert, wenn der öffentlichen Hand das Wasser tatsächlich bis zum Hals steht und man sich nicht frühzeitig auf die veränderte finanzielle Situation eingestellt hat. Am Dienstag stellte Intendant Joachim Kümmritz den Sanierungsplan vor. Fast jeder vierte der 320 Mitarbeiter soll entlassen werden, reduziert werden alle Ensemble-Sparten, das Orchester, die Technik und die Verwaltung. Aufsichtsrat und Stadtrat müssen nun endgültig entscheiden.

Nach vorne blickt dagegen die Komische Oper Berlin. Der neue Intendant Barrie Kosky stellte am Mittwoch sein Programm vor. Mehr Uraufführungen, aber auch mehr Operetten will der neue Chef bieten, dessen Ziel es ist, „die in Deutschland übliche Trennung zwischen seriöser Musik und Unterhaltung aufzubrechen“. Dabei wirft der Aus8tralier eine eherne Tradition des Hauses über Bord: Künftig soll nicht mehr jede Produktion in Deutsch gesungen werden.

Ganz traditionell französisch geht es dagegen im Pariser Centre Pompidou zu: 90 Gemälde und Zeichnungen von Henri Matisse sind dort seit Mittwoch zu sehen – allerdings in einer ungewöhnlichen Konstellation. Gezeigt werden Werke, in denen sich Matisse zu unterschiedlichen Zeiten mit dem gleichen Thema befasst. Sie sind in der ganzen Welt verstreut, für diese Werkschau kommen sie aus Museen von New York bis Moskau.

Weltweite Freunde hat auch die Musik von Robert Sherman. Nie gehört? Oh doch. Mit seinem Bruder Richard komponierte er die unsterblichen Filmmusiken zu Mary Poppins, Dschungelbuch, Tschitti Tschitti Bäng Bäng oder Aristocats. Mehrfach wurde er Oscar- und Grammy-gekrönt, seine Kinoerfolge landeten als Musicals im Theater. Am Montag ist der 86-Jährige in London gestorben.

Sensationelle Besetzung am vergangenen Samstag in einem kleinen Theater in L.A. Auf der Bühne: George Clooney, Brad Pitt, Kevin Bacon, Jamie Lee Curtis, Martin Sheen. Das Stück: ein Plädoyer für die Homo-Ehe. Der Hintergrund: das Eheverbot für Schwule in Kalifornien. Am Ende gab es Ovationen für den demonstrativen Akt. 

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