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Devise: Das Glas ist halb voll!

Man soll ja immer das Gute sehen. Das sehe ich auch so. Das Gute am Nein aus Mainz für den Wittlicher Rathausneubau ist: Endlich haben unsere Verwaltung, unser Stadtrat und unser Bürgermeister wieder Zeit, sich um andere Dinge zu kümmern.
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Wie oft haben die im Stadtrat und sonst wo über den künftigen repräsentativen Verwaltungsbau mit gläsernem Sitzungsaal beraten, diskutiert, Bilder geguckt, Zahlen gelesen, abgestimmt? Ungefähr Milliuuuuunen Mal. Ein Wunder, dass trotzdem die Säubrennerkirmes noch stattfinden konnte!

„Laaaaaang kann dat nimmie gutgeeeeh’n“, haben die Wittlicher schon befürchtet. Wäre jetzt nichts dazwischengekommen, wäre es jetzt richtig losgegangen. Überstunden über Überstunden wären angesichts der Bearbeitung der herausfordernden Fragen angefallen: Wie wird der Sozialraum eingerichtet? Welche Kaffeemaschine (Filter, Pads, Kapseln?), welche Energiesparlampe kommt wohin, welche Gardinen, Türklinken werden gebraucht, was passiert mit den Stempelkissen, wer bekommt die Büros in Süd/Südwestlage? Wer wird zuerst gegrüßt, wenn einem Rodenkirch und Holkenbrink gleichzeitig über den Weg laufen und vielleicht sogar noch Bürgermeister Schmitz? Wer putzt wann die Fenster im Sitzungssaal und wie? Wer bekommt den besten Parkplatz im verwaltungseigenen Parkdeck? Dürfen da auch Mitarbeiter von Wittlich-Land rein und am Ende ganz normale Bürger? Alles offene Fragen und das für eine Verwaltung!

Bürgermeister Joachim Rodenkirch hat am frühesten Lunte gerochen, dass er sich dank Mainz wieder um anderes kümmern kann. Er hat sich in letzter Zeit schon umorientiert: eine Elektrotankstelle eingeweiht, Gesundheitstag in der Verwaltung mitgemacht, Bauernmarkt in Boxtel verkleidet besucht, der MS-Selbsthilfegruppe zum Jubiläum gratuliert, Kindergarten eingeweiht, Wellingborough besucht, Sportler geehrt, Grußworte gesprochen und die Aufklärungsinitiative zur Früherkennung von Schlaganfallsymptomen „begrüßt“. Da hat er gehört: „Ein Schlaganfall kann jeden treffen.“ Auf dem Foto vor dem „Testen Sie ihr Risiko“-Bus lacht er. Welches Gesicht er in Mainz gemacht hat, davon gibt es kein Foto. Eigenartig, denn auch unser Innenminister ist sonst immer für einen Schnappschuss zu haben. Aber vielleicht hat ja auch das sein Gutes.



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