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Datum: 04. September 2012 | Mehr aus diesem Ressort: Meinung
Autor: Ariane Arndt Kommentare: Kommentare zeigen Drucken  E-Mail

Aufgeschlagen – Neue Bücher: Paul Auster: Sunset Park

Der neue Roman des amerikanischen Autors Paul Auster spielt zeitlich wie örtlich mitten in der Finanzkrise. Seine Protagonisten Miles, Bing, Alice und Ellen besetzen ein Haus in Sunset Park im New Yorker Bezirk Brooklyn, – einen Katzensprung entfernt von der Wall Street, wo gerade das Lehman-Brothers-Chaos ausbricht.
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Der Rückzug ins Private

Konkret thematisiert werden die Ereignisse kaum. Doch ihre Auswirkungen sind allgegenwärtig. Die Hauptpersonen sind alle um die 30 Jahre alt. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben sie sich in ihren eigenen kleinen Kosmos zurückgezogen. Sie leben im Hier und Jetzt oder gar rückwärtsgewandt. Bing betreibt eine „Klinik für kaputte Dinge“, in der er scheinbar nutzlos gewordene Dinge wie Schreibmaschinen und Wählscheibentelefone repariert. Wenn Bing „von der Welt redet, bezieht er sich auf seine Welt, auf die kleine, begrenzte Sphäre seinen Lebens, und nicht auf die Welt als Ganzes, die zu groß und zu kaputt ist, als dass er in ihr etwas ausrichten könnte“, heißt es. Obwohl er eigentlich davon träumt, „aus den Ruinen einer gescheiterten Welt eine neue Realität zu schmieden“. Er rebelliert auf seine Weise. Denn „er geht davon aus, dass die Zukunft hoffnungslos verloren ist, und wenn die Gegenwart alles ist, was jetzt zählt, dann muss es eine Gegenwart sein, die vom Geist der Vergangenheit durchdrungen ist.“ Bing ist der Anführer der Hausbesetzer. Sie tun es heimlich, wollen nicht auffallen. Jeder hat einen rein privaten Grund, dort einzuziehen. Nicht, dass sie alle lediglich auf ihr eigenes Wohl aus sind. Sie sind intelligent, engagiert, kreativ, bereit für die Welt. Sie sehen die Krise, die Missstände. Sie leben mittendrin. Aber sie sehen keine Chance, ihnen etwas entgegensetzen zu können. So bleiben sie bei und unter sich – so lange, wie die Welt da draußen sie lässt.




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