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Mensch ... Peter Löscher

Siemens-Spitzenmanager müsste man sein. Da wird keiner mit einem warmen Händedruck verabschiedet, da gibt’s den goldenen Handschlag. Zwischen neun und 15 Millionen Euro: In solchen Dimensionen schätzen die einschlägigen Experten Ihre Abfindung, weil Ihre Firma Sie unbedingt loswerden will.
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Erschrecken Sie jetzt nicht, aber stellen Sie sich einmal vor, man hätte Sie vor sechs Jahren nicht als Vorstandsvorsitzenden engagiert, sondern als, sagen wir, Leiter eines kleinen Siemens-Lagers in Heckhuscheid. Chef von fünf Mitarbeitern, zuständig für Bestellung und Auslieferung. Von den Angestellten haben Sie zwecks Einsparung erst einmal zwei rausgeschmissen. Trotzdem verschätzen Sie sich jedes Jahr mit der Kalkulation, weil Sie die Einnahmen zu hoch und die Ausgaben zu niedrig ansetzen. Andere Lager, die Sie dazumieten, erweisen sich als Flops, manche Ihrer Lieferungen kommen nicht rechtzeitig an, Sie müssen zeitweilig sogar Kapazitäten bei der Konkurrenz buchen. Und vom versprochenen Ertrag bleibt am Ende nur ein Bruchteil übrig.
 
Wissen Sie, was dann passiert: Irgendwann steht der Gebietsleiter in Ihrem Büro und setzt Sie wegen erwiesener Unfähigkeit freundlich, aber bestimmt vor die Tür. Als Dokumentation des guten Willens bietet er Ihnen an, ins Zeugnis reinzuschreiben, Sie hätten sich stets bemüht, den Anforderungen des Jobs gerecht zu werden. Wenn Sie dann wagen, das Wort „Abfindung“ in den Mund zu nehmen, fällt Ihr Gesprächspartner vor Lachen vom Stuhl.

Stopp! Höchste Zeit, dass Sie aus diesem Alptraum erwachen. Sie gehören schließlich nicht zum Fußvolk. Der Aufsichtsratsvorsitzende bittet Sie, wie sich das unter Topmanagern gehört, zu einem Gespräch über eine „einvernehmliche Trennung“. Das ist zwar auch nur ein Synonym für Rausschmiss, aber der Unterschied zum Heckhuscheider Lagerleiter liegt ungefähr bei der Höhe einer zweistelligen Millionensumme. Schließlich hackt ein Abzocker dem anderen kein Auge aus.

Und im Grunde sind Sie ja bescheiden. Wiedeking ging bei Porsche mit 50 Millionen, Esser bei Mannesmann mit 30 Millionen Euro. Und Ihr Siemens-Vorgänger Kleinfeld bekam schon knapp sechs Millionen allein dafür, dass er nach Ablauf seines Vertrages darauf verzichtete, direkt zur Konkurrenz zu gehen.

Ist doch kein Problem. Das holt der Konzern locker alles wieder rein. Schmeißt man halt noch irgendwo hundert Lagerarbeiter raus. Oder ersetzt ein paar Dutzend Bürojobs durch Praktikanten von der Uni. Ihr Nachfolger wird’s schon hinkriegen. 

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