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Unterm Strich – Die Kulturwoche

Kachelmann im Theater, Hesse in der Schweiz, Kraftwerk im Moma, Campino im Keller
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Der Preis für die gefährdetste Bühne der Woche geht diesmal nach Berlin ans Grips-Theater. Die legendäre Kinder- und Jugendbühne steht nach Aussage ihres Gründers Volker Ludwig mit dem Rücken zur Wand, die Insolvenz des überschuldeten Hauses sei ohne zusätzliche Zuschüsse „unvermeidlich“. Dagegen sieht der Berliner Senat „keine akute Insolvenzgefahr“.

Akut sind dagegen die Fusionspläne für die SWR-Rundfunkorchester Stuttgart und Baden-Baden. Dagegen wurden binnen einer Woche mehr als 13.000 Unterschriften gesammelt, darunter die von Promis wie Sänger Thomas Quasthoff.

Während bei den staatlichen Kulturinstitutionen das Schließungsgespenst umgeht, locken freie Bühnen zunehmend mit provokantem Zeitgeschehen. Wie etwa das Mannheimer „Felina-Areal“-Theater, das den Wettkampf um das erste Kachelmann-Theaterstück für sich entschieden hat. Morgen hat dort „Kachelmanns Rashomon“ Premiere, das den Fall des Fernseh-Moderators aus verschiedenen Warten aufrollt. Die letztliche Wahrheit, das haben die Autoren schon mal klargestellt, haben sie nicht anzubieten.

„Die Wahrheit wird gelebt, nicht doziert“, sagte dermaleinst der kluge Hermann Hesse. Zu seinem 50. Todestag im Sommer legt seine Wahl-Heimatstadt Bern ein Programm mit Lesungen, literarischen Spaziergängen und Ausstellungen auf, das am Montag vorgestellt wurde. Infos: www.kunstmuseumbern.ch

Hesse ist bis heute einer der bekanntesten deutschsprachigen Autoren in den USA – nicht nur wegen der Band Steppenwolf, die sich nach seinem Roman benannte. Aber noch bekannter ist Kraftwerk. Die Düsseldorfer Pioniere der Elektro-Musik sorgten mit ihrem Synthesizer-Sound sogar dafür, dass ihr Bandname neben „Kindergarten“, „Bratwurst“ und „Blitzkrieg“ den Eingang in den US-Wortschatz gefunden hat. In dieser Woche wurde ihnen eine einmalige Ehre zuteil: Sie durften acht Abende hintereinander im New Yorker Museum of Modern Art, kurz Moma, dem Tempel der Hochkultur, konzertieren und ihre acht letzten Alben vorstellen.

Derweil feierte eine andere Düsseldorfer Combo am Dienstag ihren 30. Geburtstag in Bremen, wohin man 1982 mangels Auftrittsmöglichkeiten auswandern musste. Campino und die Toten Hosen sind ruhiger geworden, die Fans nicht. Für 200 war im Keller des Jugendzentrums Platz, ein paar Tausend hätten gerne Tickets für das Jubi-Konzert gekauft. Dieter Lintz

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