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Datum: 17. Dezember 2012 | Mehr aus diesem Ressort: Auszeit
Autor: Helge Patzak Kommentare: Kommentare zeigen Drucken

Trash-Talk mit Giganten

„In your face!“ – der Klassiker unter den unzähligen Versuchen, den Gegner beim Basketball verbal zu demütigen. Trash-Talk ist ein Phänomen, das sich, wie sollte es anders sein, über den „Großen Teich“ in diversen deutschen Sportarten etabliert hat. Muhammed Ali, der Urvater des Trash-Talks, sagte bereits in den frühen 70er Jahren, dass er „der Größte“ sei.
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Die Definition des Begriffs besagt, dass man den Gegner durch abfällige und spöttische Aussagen einzuschüchtern versucht. Dass dabei gern übersteigerte Bildsprache eingesetzt wird, erklärt sich von selbst.
 
Genau das ist meinem Gegenspieler gelungen: Es trug sich bei meinem ersten Bundesligaeinsatz für Trier gegen Bayreuth zu (übrigens in der aktuellen Saison die beiden Überraschungsteams!). Ich bemühte mich beim Defensivrebound, den mir überdimensional und gigantisch anmutenden Gegenspieler vom Korb fernzuhalten. Nachdem ich ihn, noch grün hinter den Basketball-Ohren, vorsichtig mit Ellbogenstößen traktierte, packte er mich beim Sprint in die Offensive am Nacken, und seine Hand, tellergroß, drohte, mir rabiat den Kopf vom Hals abzutrennen. Als dann eine bärengleiche Stimme zu mir sprach und mir versicherte, dass ich zum Frühstück verputzt würde, war es um mich geschehen. Ich war mir sicher, nie wieder einen Fuß auf das Basketball-Parkett zu setzen und mich fortan dem Golfen zu widmen.
 
Kaum traute ich mich nach dem Spiel aus unserer Kabine, verdunkelte derselbe Gigant den Kabinentrakt und erwartete mich mit zorniger Miene. Als er dann schon fast sanftmütig entgegnete, dass mir aufgrund meiner furchtlosen und physischen Spielweise eine vielversprechende Zukunft im Profibasketball bevorstünde, legte ich die Golfplanungen wieder ad acta.
 
Mein erster Kontakt mit Trash-Talk ist noch heute präsent und hat sich mit keinem Geringeren zugetragen als mit dem damaligen Nationalspieler Marc Suhr (2,15 Meter groß und 120 Kilo schwer), meinem späteren Mannschaftskollegen, mit dem ich 1998 den ersten Trierer Pokalsieg feiern durfte. Mittlerweile erhält man sogar Anleitungen zum richtigen Trash-Talk im Internet (www.wikihow.com/Trash-Talk). Der Tipp, sich solch gewaltiger Sprache zu bedienen, dass der Widersacher die Worte erst gar nicht versteht, lässt mich zu dem Entschluss kommen, dass Reden zwar Silber, aber Schweigen doch Gold ist.

In seiner Kolumne „Auszeit“ blickt der frühere Trierer Bundesliga-Spieler Helge Patzak (38) hinter die Kulissen des aktuellen Basketball-Geschehens.
 


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