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Hilfe ist Pflicht, Pflegevorsorge Kür

Manche Dinge verdrängen wir gerne. Dazu gehört die Tatsache, dass wir älter werden und eines Tages pflegebedürftig sein könnten und dann monatlich Tausende Euro brauchen, um uns das überhaupt leisten zu können.
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Zu diesen Dingen gehört aber auch die Möglichkeit, dass irgendwann einmal irgendjemandes Leben von uns abhängen könnte. Von uns und unserer Fähigkeit, Erste Hilfe zu leisten.
Solche Gedanken schieben wir lieber weg. Und leben sorglos im Heute. In der Hoffnung, dass all diese unangenehmen Dinge nicht passieren. Das ist auch eine gute Strategie. Solange nichts passiert.
Dummerweise lässt sich das Leben aber nicht planen. Und dann hat der Partner beim Fahrradausflug plötzlich einen Herzinfarkt. Oder der Sohn rutscht mit dem großen Küchenmesser aus. Oder die Oma verliert nach einem Sturz das Bewusstsein. Und dann schreien wir vor Verzweiflung. Weil wir keine Ahnung haben, was wir machen sollen, um ihnen zu helfen, bis der Notarzt da ist.
Meistens sind die Menschen, die Hilfe brauchen, nämlich nicht irgendwer. Nicht das anonyme Opfer eines Verkehrsunfalls, an dem wir dummerweise gerade vorbeikommen. Sondern die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen.
Nicht, dass das einen Unterschied machen dürfte: Wer einem Menschen in Not nicht hilft, macht sich strafbar. Hilfe ist Pflicht. Dennoch dürfte es für viele eine gute Motivation sein, Erste Hilfe zu erlernen oder das bereits vorhandene Wissen aufzufrischen. Angebote das zu tun, gibt es zuhauf. Und wer keine Zeit für einen Kurs hat, findet - zum Beispiel auf den Internetseiten der Hilfsdienste - schon mit wenigen Klicks detaillierte Informationen, die Leben retten können.
Keine Ausrede! Dieses Problem ist dafür einfach zu einfach zu lösen.
Das Problem der Pflegeversicherung hingegen lässt sich so leicht nicht lösen. Nicht nur, weil der Mensch unangenehme Gedanken dafür einfach viel zu gerne wegschiebt: Man kann eben niemanden zwingen, freiwillig vorzusorgen. Sondern auch, weil viele ja schon zu wenig Geld zum Leben haben, lange bevor sie ein Pflegefall sind. Die Versorgungslücke ist da. Und sie wird bleiben. Hier kann zwar jeder Einzelne sein Möglichstes tun. Doch gefordert ist die Politik. Im Fall der Pflegeversicherung und der Altenpflege überhaupt ist ein neues System nötig.
Und man sollte möglichst schnell darüber nachdenken, wie das aussehen könnte. Dann bräuchten diejenigen, die nicht so gut sind im Verdrängen, sich nicht mehr so viele Sorgen zu machen.
k.hammermann@volksfreund.de

 


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