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11.08.2017
Stefan Vetter
Wer wird Sieger? Das ist im Sport die Schlüsselfrage. Um den Zweit- oder gar Dritt- und Viertplatzierten wird in aller Regel weniger Aufhebens gemacht. Ganz ähnlich ist es in diesen Tagen auch in der Politik. Einmal mehr dominiert der Klassiker die Berliner Bühne, also das Kanzlerduell mit Angela Merkel und ihrem aktuellen Herausforderer Martin Schulz in den Hauptrollen. Die wahre Schlacht, weil für eine künftige Koalitionsbildung entscheidend, zeichnet sich jedoch um die Folge-Plätze ab. FDP-Chef Christian Lindner hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Auf Rang drei werde sich zeigen, "welche Botschaft von der Bundestagswahl ausgeht". Derzeit ist die Botschaft hier ziemlich diffus. Gleich vier Parteien rangeln um die "Bronze-Medaille". Und das mit annähernd gleich starken Sympathiewerten. Auf einen Stimmenanteil von jeweils etwa acht Prozent werden Linke, FDP, AfD und Grüne von den Demoskopen taxiert. Mal liegen die Liberalen hauchdünn vorn, mal die Linken.

Aber einen klaren Trend gibt es nicht. Klar ist nur, dass die AfD für eine künftige Regierungsbildung ausscheidet. Mit den Rechtspopulisten will niemand etwas zu tun haben, genauso wenig wie umgekehrt die AfD mit den "Altparteien". Ihr Lebenselixier ist Protest, das allerdings weniger wirkt, seit die Flüchtlingsbilder vom Mittelmeer kommen und nicht mehr von der deutschen Grenze. Für die FDP hingegen ist der dritte Platz von allergrößter Bedeutung. Dafür scheinen die Liberalen derzeit auch besonders gute Karten zu haben. Sollte sich der große Vorsprung für Merkel in den kommenden Wochen nämlich weiter verfestigen, kann die FDP auf eine Renaissance von Schwarz-Gelb hoffen. CDU-Wähler dürften dann auch taktisch wählen.

Das letzte Bündnis dieser Art mag vielen noch in unguter Erinnerung sein. Als "Wildsäue" und "Gurkentruppe" hatten sich Union und FDP wechselseitig beschimpft. Doch wenn es wieder rechnerisch reicht, wird für Merkel kein Weg an einer christlich-liberalen Koalition vorbeiführen. Politisch stehen sich Union und FDP jedenfalls immer noch am nächsten. Für eine schwarz-grüne Bundesregierung dagegen müssten die Grünen schon deutlich vor ihren kleinen Mitbewerbern landen.

Wie das gelingen kann, steht freilich in den Sternen. Zumal es sich gerade linke Grünen-Sympathisanten genau überlegen dürften, ob sie die Partei im September überhaupt noch wählen, nachdem Rot-Grün in Niedersachsen von einer Grünen "verraten" wurde. Und die Linkspartei? Sie hätte nur bei einer rot-rot-grünen Mehrheit die Chance zum Mitregieren. Es wäre wohl auch die einzige realistische Möglichkeit für die SPD, den Kanzler zu stellen.

Fazit: Nicht nur der Kampf um die Spitze ist in der Politik entscheidend. Gebraucht werden auch Koalitionspartner. Auf die Kleinen kommt es also an, ob bei der Bundestagswahl wieder nur eine große Koalition herauskommt oder eine ganz neue Konstellation. Der Ausgang der letzten Landtagswahlen lehrt, dass man dabei vor bunten Überraschungen nicht sicher sein kann. nachrichten.red@volksfreund.de