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Gesellschaft

Zum Artikel "Südseekönig oder Negerkönig: Streit um Sprache in Kinderbüchern" (TV vom 12./13. Januar):
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Wenn jetzt literarische Texte gleich welchen Genres "überarbeitet" werden, ist das so, als würde man sich mit Farbe und Pinsel an Bilder von Picasso oder Pollock heranmachen oder Werken von Schönberg oder Hindemith noch ein paar Noten hinzufügen. Auch das könnte mit der Begründung geschehen, Kinder würden sie so besser verstehen. Und was kommt nach Astrid Lindgren und Otfried Preußler? Goethe? Shakespeare? Die Bibel? Nein! Da erheben sich selbst ernannte Tugendwächter der deutschen Sprache in unglaublicher Anmaßung über die Originalität eines literarischen Werkes, weil es mit ihrem "modernen" Weltbild nicht vereinbar ist. Das mit den Kindern ist nur vorgeschoben. Wenn meine Kinder etwas nicht verstanden haben, habe ich es ihnen erklärt und nicht das Original verändert. Das Ganze ist ein Skandal, dessen Vorkommen ich im Land der Dichter und Denker für undenkbar gehalten hatte. Frieder Zimmermann, Oppenheim Der Begriff "Neger" stammt aus der Ethnologie. Negroide sind Dunkelhäutige mit breiter Nase und großen Lippen. In anderen Ländern ist der Begriff "Neger" ein Kompliment für die Person. Im letzten Jahrhundert wurden in Deutschland schon zweimal Bücher politisch korrekt verändert. Jetzt will man dies wieder tun, und eine Bundesministerin befürwortet es. Da stellt sich mir die Frage, welch Geistes Kind sie ist. Oder hat sie in der Schule nicht aufgepasst? Zuerst werden Kinderbücher politisch korrekt gemacht, und was folgt dann? Kommt das Kinderlied "Zehn kleine Negerlein" auf eine Liste mit der "Mundorgel" jugendgefährdender Schriften? Ist der Begriff "Hexe" nicht abwertend für ein Mädchen? Muss es nicht heißen "kleines Mädchen, das auf einem Besen reitet"? Darf man die Spieler des 1. FC Kaiserslautern noch die "Roten Teufel" nennen? Und was ist mit unserm singenden Dachdeckermeister Ernst Neger? Siegfried Wieck, Thalfang Was ist eigentlich diskriminierend am Begriff "Neger", und weshalb soll man das Wort durch "Afroamerikaner" ersetzen? In meiner Stadt in Deutschland kenne ich schwarzhäutige Menschen, die noch nie in Amerika waren. Sagen wir da lieber "Farbige", auch wenn wir sie dann noch von Gelb- und Rothäuten unterscheiden müssten, um nicht missverständlich zu sein? Abgesehen davon kämen wir mit "Neger" mit zwei Silben aus, während "Afroamerikaner" sieben Silben benötigt und dann noch ein paar mehr, um zu erklären, dass er mit der zweiten Worthälfte gar nichts zu tun hat. Auf der Suche nach dem behaupteten diskriminierenden Charakter des Worts habe ich im Duden Herkunftswörterbuch nachgeschlagen: nichts. Das Wort kommt - wie in den meisten europäischen Sprachen ähnlich - aus dem Lateinischen: niger = schwarz. Solange nicht jemand den abwertenden "Nigger" daraus macht, müsste das doch in Ordnung sein. Oder kann mir jemand etwas anderes erklären? Prof. Dipl.-Ing. Horst Thomas, Flörsheim


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