meinung

JUSTIZ

Zur Berichterstattung über den Vermisstenfall Tanja Gräff (TV vom 2. Februar) und zum Leserbrief "Viele Fragen offen" (TV vom 28. Januar):

04.02.2015
Zu den Merkwürdigkeiten bei der Aufklärung dieses Falles gesellt sich jetzt auch Seltsames in der Berichterstattung. Ein seit drei Jahren pensionierter Kriminalbeamter stellt in einem Leserbrief konkrete Fragen: 1. Er sagt, es gebe ein Phantombild von "Spitzbart", das entgegen anderslautender Behauptungen bis heute nicht veröffentlicht wurde. 2. Er sagt, Ermittlungen waren in Bezug auf "Spitzbart" völlig unzureichend. Im Bericht des Volksfreunds werden diese Dinge mitgeteilt und ebenso die Reaktion von Staatsanwalt und Chefermittler. Die Diskrepanz in den Aussagen, vor allem das Nicht-Eingehen der Behörde auf die konkreten Vorwürfe, schreien geradezu nach weiteren Recherchen. Zumindest hätte der Redakteur seinerseits konkret Fragen stellen müssen. Es dürfte doch einfach für die Behörde sein, nachzuweisen, wann und wo das Phantombild veröffentlicht wurde. Der Redakteur fragt nicht danach und lässt es einfach so stehen. Bedenklich finde ich einen weiteren Aspekt. Ein seit drei Jahren pensionierter Beamter erhebt schwere Vorwürfe, und die Spitze der Behörde weist dies als "haltlose Vorwürfe" und als "anmaßend und abwegig" zurück, ohne auch nur im Ansatz auf diese Vorwürfe einzugehen. Dies finde ich meinerseits als anmaßend. Um diesem unmöglichen Sachverhalt noch eins draufzusetzen, verbreitet der Redakteur Gerüchte, Hinterhältigkeiten ehemaliger Kollegen des Beamten und beteiligt sich an diesen Gehässigkeiten, indem er sie veröffentlicht, statt seine Arbeit zu machen und den Fragen und Ungereimtheiten nachzugehen. Oder weiß er es besser? Abschließend will ich nicht glauben, was einem so einfällt, wenn ich diese Affäre betrachte. Die Reaktion der Behörde hat eine klare Richtung, nämlich nach innen: Seht, was wir mit euch machen, wenn Internes nach außen getragen wird. Die Kollegen werfen dir die Verbreitung von Schwachsinn vor und haben Zweifel an deiner Zurechnungsfähigkeit. Eine tolle Behörde! Tolle Berichterstattung! Peter Musti, Konz Mit Befremden habe ich als jahrelanger Mitarbeiter im Kommissariat 11 des Polizeipräsidiums Trier (zuständig für die Bearbeitung von Schwerstkriminalität) die Ausführungen meines ehemaligen Kollegen Günter Deschunty zur Kenntnis genommen. Haben die Trierer Beamten eine Strafvereitelung im Amte begangen? Obwohl ich (Pensionierung nach schwerem Dienstunfall) mit dem Fall Tanja Gräff nicht unmittelbar betraut war, muss ich für meine ehemaligen Kollegen im K 11 in die Bresche springen. Günter Deschunty war Fahndungsbeamter und in Sonderkommissionen niemals mit echter, akribischer Ermittlungsarbeit beauftragt! Mir ist in den zehn Jahren K 11 nicht ein einziger Fall bekannt, in dem Ermittler "schludrig" gearbeitet haben. Genau das Gegenteil ist der Fall. Relevante Spuren wurden bis zum Exzess ausgewertet und bearbeitet. Der Leiter des Kommissariates, Bernd Michels (auch Soko-Leiter im Fall Tanja Gräff), hatte permanent "ein Auge" auf der Sachbearbeitung der zu überprüfenden Spuren. Der jetzige Leitende Oberstaatsanwalt in Trier, Peter Fritzen, selbst als Staatsanwalt langjährig zuständig für Kapitaldelikte, kann die vorliegende Ermittlungsarbeit der Beamten des K 11 sehr wohl einschätzen und beurteilen. Welches Motiv hat Günter Deschunty, um die Ermittlungsarbeit der Beamten des K 11 infrage zu stellen? Hat er sich bei Frau Gräff und deren Rechtsanwalt "zu weit aus dem Fenster gelegt"? Wurde seine Arbeit in der damaligen "SoKo Gräff" nicht ausreichend gewürdigt? Oder ist er tatsächlich "krank"? Ich hoffe, dass der Fall "Tanja Gräff", ein überaus dramatischer und emotionaler Fall, nicht zu einem "Fall Günter Deschunty" wird. Gerhard Reinert, Oberöfflingen Wenn man die Berichterstattung über das Verschwinden von Tanja Gräff über die Jahre hinweg verfolgt, befällt einen ein hohes Maß an Ratlosigkeit und Unverständnis. Ratlosigkeit angesichts der vielen Widersprüche, die sich in den Berichten angesammelt haben. Unverständnis dafür, dass die Öffentlichkeit so gut wie nichts Substantielles über Ermittlungsergebnisse erfährt. Wie will man dann von ihr Hilfe (die offenbar dringend nötig wäre) bei der Aufklärung von Tanjas Schicksal erwarten? Anstatt konkrete und zielführende Fragen zu stellen (eine Gelegenheit, die man auch in der XY-Sendung 2011 vor einem Millionenpublikum fast völlig versäumt hat, und wo man nicht wirklich den Eindruck hatte, es wäre den Ermittlern allzu viel an einer Aufklärung von Tanjas Schicksal gelegen), erfährt man fast nur mehr etwas über Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Eine Klärung des Falles - durch wen auch immer - müsste doch im Interesse aller sein. Seit längerem läuft die Online-Petition "Initiative für Tanja Gräff", die versucht, mit der Forderung nach Information und einer neu belebten Öffentlichkeitsfahndung zu einer Klärung von Tanjas Verschwinden beizutragen. Der Zulauf hält sich jedoch sehr in Grenzen. Wo sind Tanjas ehemalige Freunde, Studienkollegen und Weggefährten, die sie und ihre Familie auf diesem Wege noch unterstützen könnten? Vermisste haben keine Lobby. Ich würde ergänzen: Tanja Gräff schon gar nicht. Dr. Thomas Schnabel, Waidhofen/Ybbs (Österreich)

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