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Katholische kirche

Zum Leserbrief "Unterhalb der Gürtellinie platziertes männliches Gehirn" (TV vom 9. Januar):
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Ich denke, Frau Fischer liefert in ihrem Leserbrief den besten Beweis dafür, wie notwendig eine gute, religionsunabhängige, sexuelle Aufklärung in den Schulen ist, die es in ihrer Schule offenbar noch nicht gab. Aus religiöser Sicht scheint sie auch nicht zu bedenken, dass Jesus sich zu allem, was ihm wichtig erschien, geäußert hat. Zur gottgegebenen, menschlichen Sexualität hat er nie auch nur ein Wort gesagt, was doch bedeuten muss, dass er kein Problem damit hatte und sie als Mensch vielleicht sogar selbst gelebt haben könnte. Das Gegenteil ist jedenfalls nicht zu beweisen. Die sich dann im Laufe der Jahrhunderte in unserer katholischen Kirche entwickelte Sexualfeindlichkeit wurde bekanntlich von anderen, teils heidnischen Religionen übernommen und hat nicht das Geringste mit Jesus und dem Evangelium zu tun. So sind Versuche, die ganz normale menschliche Sexualität in den Geruch von "Sündenfalle” zu bringen, nicht unbedingt ernst zu nehmen, denn Gott wird sie doch, sicherlich bewusst und gewollt, als Bereicherung des Menschseins gegeben und geschenkt haben. Um sie leben und genießen zu können, ist eine neutrale Aufklärung in den Schulen eine gute, ja nicht selten dringend notwendige Sache, bei der vor allem die Empfängnisverhütung eine wichtige Rolle spielen muss, was ja auch die beste Möglichkeit ist, späteren Schwangerschaftsabbrüchen vorzubeugen. Nach einer guten Aufklärung kann davon ausgegangen werden, dass jeder halbwegs normale Mensch, auch ohne religiöse Regulierungsversuche, gottgewollt mit seiner gottgegebenen Sexualität umgehen kann und in aller Regel auch umgehen wird. Josef Berens, Rommersheim Die Suche nach Gott kennt viele Wege. Der Weg kann individueller Natur oder im Befolgen einer Lehre bestehen. Hermann Hesse hat dies in seinem Werk "Siddartha" wunderbar beschrieben. Weil der individuelle (direkte) Weg zu Gott sich dem Einfluss der Mächtigen (Kirche oder anderen Regierenden) entzog, war ihnen dieser Weg stets suspekt. Er wurde geduldet, wenn er in einer Einsiedelei oder hinter Klostermauern stattfand. Die Kirche bekämpfte auch nicht jeden individuellen Weg zu Gott. Nur der am besten zum Erfolg führende Weg - über (hingebungsvolle) sexuelle Erfüllung - wurde verdammt und gleichzeitig alle Hinweise, wie dies gelingen könnte. Inwieweit das Erschaffen der sexuellen Lust und die Möglichkeit der Befriedigung ein Fehler der Schöpfung war, kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht der Schöpfer bin. Ich bin mir sicher, dass aus gesundheitsförderlichen Gesichtspunkten heraus die sexuelle Befriedigung sehr empfehlenswert ist. Dass die Menschen dadurch eine Zeit lang glücklich und friedfertiger werden, mag für die Mächtigen bedenklich sein. Wir können auch auf Ersatzbefriedigungen (viel essen, Naschen, Tabak, Alkohol und andere Drogen) ausweichen, in der Regel hat auch dies ungewollte Nebenwirkungen. Wir haben die Wahl. Günter Schumacher, Trier


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