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aus unserem Archiv vom 08. Januar 2013
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Kunst

Zur Geschichte des Trierer Stadtmuseums Simeonstift:
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Im dem Bericht "Als Rembrandt und Dürer verschwanden" (TV vom 4. Dezember) wird die lobenswerte Initiative des Trierer Simeonstift zur Aufarbeitung der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit aufgezeigt. Dass dies aber nicht nur bloße Beschäftigung mit der vergangenen Geschichte ist, sondern direkt in die Gegenwart zielt, zeigt die abgebildete Skulptur von Kurt Zimmermann. Wenn man die Brustpartie samt Halsansatz, Kopf und Frisur mit der oben fast entblößten Frau in der Trie rer "Familie" von Hanns Scherl aus dem Jahr 1981-85 vergleicht, fallen die formalen Parallelen so stark ins Auge, dass man fast schon von einer kopierhaften Adaption sprechen muss. Schon 1995 wiesen die Kunsthistorikerinnen Flintrop und Kneer auf die eindeutige NS-Tradition des Werkes von Hanns Scherl hin. Nun lässt sich aber ein augenscheinlicher Vergleich mit einem anderen Werk stellen. In gar nichts unterscheidet sich die Familien-Plastik Scherls, der selber NSDAP-Mitglied und Oberscharführer der Hitlerjugend war, von der 45 Jahre vorher geschaffenen Skulptur Zimmermanns. Inhaltlich hält Scherls "Familie" in Trier auch weiterhin und mit dem Brustton der ideologischen Überzeugung das nationalsozialistische Gesellschaftsbild hoch. Hätten die Museen ihre "NS-Kunst-Giftschränke" vor 30 Jahren inspiziert, wären die deutschen Großstädte nicht mit einer solchen "postnationalsozialistischen" Kunsttradition übersät worden. Eine Tradition, die mit so vielen Steuergeldern bezahlt wurde, die heute für die Kulturförderung und Bildungsarbeit fehlen. Da ist Trier kein Einzelfall - von dem totalen Wittlicher Dämmerschlaf der NS-Kunst-Verleugnung und -Verehrung ganz zu schweigen! Norbert Küpper, Maler und Kunsthistoriker, Köln



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