meinung
11.11.2017
Ralf Päßler Trier

Mentalität der jungen Leute macht Mut

Politik

Zur Berichterstattung über die Jamaika-Verhandlungen:
Es geht um viel. Wie wird Deutschland zukünftig regiert? Welche Partei bekommt welche Posten? In den verschiedenen Interviews kann man schön erkennen, wer sich hier positioniert, und dass das gerade für die kleinen Parteien ein Überlebenskampf ist. Mir kommt es vor, dass früher alles sozialer ausgerichtet war, es wurde mehr darauf geachtet, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer größer wurde. Maßnahmen zur Unterstützung von Schlechtergestellten kann man sich nach dem Einnahmeplus sicherlich leisten. Sicherlich geht es uns im Vergleich zu anderen Ländern gut, wir haben eine funktionierende Demokratie. Dennoch werden Bürger, die Existenzängste haben, zu "Wutbürgern" oder "Frustwählern". Sozial bedeutet auch (laut Wikipedia), "anderen zu helfen und eigene Interessen zurückzustellen".
Warum staffelt man das Kindergeld nicht nach Einkommen oder passt eine Rentenerhöhung nicht an die Rentenhöhe an, will heißen, wer viel Rente hat, bekommt weniger Erhöhung, um den Unterschied zwischen Arm und Reich etwas abzumildern und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken? Eine Ungleichbehandlung entsteht auch dadurch, dass Menschen mit weniger Einkommen eine nicht so hohe Lebenserwartung oder ihre Kinder schlechtere Bildungschancen haben; man könnte Abhilfe schaffen.
Das nächste große Einsparpotenzial: Jahr für Jahr werden Milliarden Euro verschwendet, Parlamente werden immer größer, was zu einem enormen finanziellen Aufwand führt.
Ich glaube, der Großteil der Wähler, die nun die "falschen" Parteien wählen, tun das aus Protest. Doch eines sollte die Politik nicht machen: diesen Wählern vorwerfen, falsch gewählt zu haben. Wo bitte ist die professionelle Außendarstellung, die man von unseren Volksvertretern erwarten kann? Es geht nicht darum, etwas zu verhindern, sondern sich um die Belange der Bürger zu kümmern.
Wenn sich die Politiker nicht ernsthaft mit den Sorgen und Nöten der Bürger beschäftigen, sondern lieber von schwarzen Nullen sprechen, kommt es zu einer Abwärtsbewegung. Wobei ich bezweifle, dass wir nicht für die roten Zahlen der anderen Länder in der EU mithaften.
Viele Jugendliche machen mir Mut mit ihrer sozialen Einstellung, und es bleibt zu hoffen, dass wir von der Mentalität wegkommen, immer mehr nach sich zu schauen und die anderen beiseitezuschieben. Früher war alles viel besser, zumindest gab es weniger Veröffentlichungen von Missständen, da die digitale Welt nicht vorhanden war, und das ist auch etwas, was zum Politikwandel führt. Was aber nicht heißt, dass derjenige, der die schlechte Nachricht verbreitet, auch der Schuldige ist.
Ralf Päßler
Trier