ausallerwelt/meinung
Datum: 10. August 2012 | Mehr aus diesem Ressort: Standpunkt
Autor: Isabell Funk Chefredakteurin Kommentare: Kommentare zeigen Drucken  E-Mail

Der Spitzensport und seine politische Dimension

Es war höchste Zeit, dass das Bundesinnenministerium völlig untaugliche Überlegungen verworfen hat, deutschen Spitzenathleten ein Demokratiebekenntnis abzufordern. Denn welcher Sportler würde sich einem solchen Bekenntnis verweigern, wenn davon seine finanzielle Förderung, seine Karriere abhängen? Über die innere Haltung eines Menschen sagt ein rein symbolischer Akt gar nichts aus.
Dossiers zum Thema: Kolumnen

Podcast
Fotostrecke
Die ist im übrigen Gott sei Dank auch Privatangelegenheit und staatlicher Kontrolle entzogen.

Hierzulande müssen die Sportbünde beurteilen, ob ihre Athleten förderwürdig und damit auch charakterlich geeignet sind, ihre Disziplin nach außen hin zu vertreten.

Die Diskussion um eine schon länger in Erwägung gezogene staatliche Extremismusklausel war aufgeflammt, als die Ruderin Nadja Drygalla wegen ihrer bekannt gewordenen Beziehung zu einem Neonazi vorzeitig das Olympische Dorf verließ.

Im Besonderen wie im Allgemeinen hätte die anschließende Debatte verlogener nicht sein können. Im Falle Drygalla verdichten sich mittlerweile die Anzeichen, dass neben lokalen Sportfunktionären und Landesbehörden sehr wohl auch höhere Kader von ihrer Liaison wussten. Hätten sie also Zweifel an Drygallas rechtsstaatlicher Integrität gehabt, hätten sie die Sportlerin gar nicht erst nach London reisen lassen dürfen.

Denn zwischen Sportlern und Deutschem Olympischen Sportbund soll es ja bereits eine Vereinbarung mit einem Bekenntnis zu demokratischen Grundsätzen geben. Die Spitzenfunktionäre sind sich also sehr wohl über die politische Dimension des Sports im Klaren. Sonst hätte es die Aufregung um Drygallas Partnerschaft und das jetzt einsetzende Schwarze-Peter-Spiel, wer wann was gewusst hat oder hätte wissen müssen, ja gar nicht gegeben.

Aber sehen wir es einmal positiv: Sport trägt mehr zur Völkerverständigung bei als jeder Regierungsakt. Darauf weisen seine Funktionäre auch zu Recht und mit Stolz hin. Spitzensportler sind bei internationalen Wettkämpfen Repräsentanten und Botschafter ihres Staates und prägen sein Gesicht im Ausland. Vielen, besonders jungen Menschen, sind sie Vorbild. Ihr Auftritt hat also hohes politisches Gewicht. Daher ist es blanker Unfug zu behaupten, Sport sei politisch neutral - wie es der Vizepräsident des Internationalen olympischen Komitees, Thomas Bach, tut.

Als ich kürzlich während der Fußball-EM meinen neunjährigen fußballbegeisterten Neffen fragte, warum ihm denn ein Erfolg der deutschen Elf so wichtig sei, wo es doch auch andere gute Mannschaften gebe, sagte er ganz schlicht: Weil Deutschland mein Land ist. So hätten alle hiesigen Fans geantwortet. Genauso wie Menschen anderswo mit ihren Sportidolen mitfiebern. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Und natürlich ist es ein politisches Statement.

Isabell Funk Chefredakteurin

 

 



Das könnte Sie auch interessieren:



Kommentare via facebook





Anmeldung
Benutzer: Passwort:
Login merken

Sie haben noch keinen Login? Hier kostenlos registrieren.
Haben Sie Ihr Passwort vergessen?