Wenn alle recht behalten wollen, kann es nur Verlierer geben
Längst über die Grenzen der Stadt hinausgeschwappt ist ein bereits monatelang andauernder erbitterter Streit in Traben-Trarbach (Landkreis Bernkastel-Wittlich), dessen Auslöser ein defizitärer ,,Wein-Nachts-Markt“ ist, über dessen wahre Gründe sich aber trefflich spekulieren lässt.
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Isabell Funk
Die Nachbarn des 5800 Einwohner zählenden Städtchens sorgen sich mittlerweile um den Ruf aller Mosel-Anrainer und das Image eines Touristengebiets mit einzigartigem Charakter.
Hinter vorgehaltener Hand wird geraunt, in Traben-Trarbach würden gerade alte Rechnungen beglichen – und das nicht mehr nur auf eigene Kosten. Was mit politischen Grabenkriegen innerhalb der führenden CDU begann, setzt sich in lokalen Verbänden fort und vergiftet die gesamte Atmosphäre.
Vorläufiger Höhepunkt ist die Drohung, den umtriebigen, aber bei der Verwaltung in Ungnade gefallenen Touristikchef Matthias Holzmann aus dem Amt zu zu werfen – nach dem Verbot von Holzmanns Dienstreise zur Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Verfügt hat es Bürgermeisterin Heide Pönnighaus und damit den Zorn des Hotel- und Gaststättenverbands auf sich gezogen. Der nämlich sieht die wirtschaftlichen Inter8essen von Hoteliers, Gastronomen, Winzern und Gewerbetreibenden beschädigt und fordert die Ausgliederung der Touristinformation in eine separate GmbH.
Von außen betrachtet wirken diese nicht enden wollenden Querelen mit zahlreichen Verästelungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen wie eine Provinzposse allererster Güte. Für Traben-Trarbach sind sie ein Drama, weil sie die ganze Stadt lähmen, die sich Stillstand beim besten Willen nicht leisten kann. Denn die Vorzüge der Stadt, die auf ihrer Homepage so blumig beschrieben werden, sind zugleich auch ihr Problem. ,,Treffpunkt voller Flair und Charme. Gleich einem rebenbegrenzten Amphitheater schmiegen sich Wald und Weinberge um das Doppelstädtchen links und rechts der Mosel“, ist da zu lesen.
Aber dieses Kleinod, das mit Natur, architektonischen Kostbarkeiten und Stadtgeschichte glänzt, ist hoch defizitär. Ihm fehlen der Platz für die Ansiedlung von Wohn- und Gewerbeflächen und damit zuverlässige Einnahmequellen. Traben-Trarbach braucht also ein schlüssiges Zukunftskonzept, es braucht Akteure aus Politik und Wirtschaft, die sich nicht gegenseitig ausbremsen, es braucht Innovationsgeist und Haushaltsdisziplin zugleich. Sich wieder zusammenzufinden und gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln mag in dieser aufgeheizten Stimmung und angesichts persönlicher Animositäten nicht leicht sein. Aber wenn alle recht behalten wollen, kann es nur Verlierer geben. Wer macht den Anfang und streckt die Hand aus?
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