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Fast wie auf einem fliegenden Teppich

(Stuttgart) Die schönsten Autos sind meist Coupés. Das zeigt auch das neue Coupé der Mercedes-Benz E-Klasse, das bereits bei den Händlern steht. Dossier zum Thema: Automodelle

15.04.2017
Michael Kirchberger
Stuttgart Coupés waren schon immer besondere Automobile. Der Verzicht auf Türen im Fond zeigt, dass die Rückbank eher als Ablage für kleine Einkäufe oder Handtaschen genutzt wird. Dennoch sind Coupés stets teurer als ihre viertürigen Brüder. Bei der E-Klasse von Mercedes-Benz beträgt der Preisunterschied zur Limousine 6000 Euro.
Das neue E-Klasse-Coupé ist ab 49 051 Euro zu haben. Dafür gibt es einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 184 PS/135 kW und 300 Newtonmeter Drehmoment, eine auf 4,83 Meter gestreckte Karosserie, eine breitere Spur und einen kürzeren Radstand, was die Agilität und damit das Fahrvergnügen steigern soll. Für die Basis version nennt Mercedes 6,0 Liter Super als Normverbrauch.
Der Silhouette des Coupés wohnt eine ganz besondere Magie inne. Schlanke vordere Säulen tragen das Dach, und die rahmenlosen, elektrisch voll versenk baren Seitenscheiben kommen ohne Mittelsäulen aus. Sicken und Kanten finden sich kaum mehr im Gewand. Die klare Linie gehört zur neu ausgerufenen Design-Philosophie von Mercedes-Benz. Dadurch wird das Spiel von Licht und Schatten weicher, die Karosserie scheint zu schweben. Genau das ist zumindest optisch auch erwünscht.
Doch der Wagen vermittelt durchaus auch ein schwebendes Fahrgefühl. Außer der serien mäßigen Stahlfederung bietet Mercedes-Benz auch ein aktives Fahrwerk mit adaptiver Dämpferregelung und eine Luftfederung an. Der Vergleich mit einem fliegenden Teppich liegt nahe.
Die erste Generation des Coupés, die Baureihe W 144, die 1968 erschien, gab es ausschließlich mit Reihensechszylindern. Damit grenzte sie sich klar von der Limousine ab. Um Verbrauch und Schadstoffausstoß zu reduzieren, bietet Mercedes für das neueste E-Klasse-Coupé vorwiegend Vierzylindermotoren an. Erst einmal kommt nur im E 400 Coupé ein V6 zum Einsatz. Ihn soll später der neu entwickelte Reihensechs zylinder ersetzen, der wie der Diesel zur neuen Motorenfamilie von Mercedes-Benz gehört. Alle Aggregate sind mit dem neun stufigen Automatikgetriebe kombiniert. Das Spitzenmodell bekommt auch den Allrandtrieb 4Matic serienmäßig.
Der neu entwickelte 2,0-Liter-Diesel im 220d leistet 194 PS/143 kW und verbraucht nach der Norm 4,0 Liter Treibstoff. Das entspricht einem CO-Ausstoß von 106 g/km. 400 Newtonmeter Drehmoment gibt er bei 1600 U/min ab. Diese Version kostet 50 575 Euro - das sind 1525 Euro mehr als beim Basismodell.
Gleich 54 740 Euro verlangt der Hersteller fürs Coupé E 300 mit dem kräftigeren 2,0-Liter- Benziner, der 245 PS/180 kW und 370 Nm Drehmomentspitze anbietet. Sein Normverbrauch liegt bei 6,4 Litern. Der 3,0-Liter-V6 bringt es auf 333 PS/245 kW und 480 Nm. Nach der Norm verbraucht er 8,1 Liter Super. Mit dieser Motorisierung kostet das Coupé ab 64 807 Euro. Das kernige Arbeitsgeräusch der Vierzylinder-Benziner passt nicht ganz zum gediegenen Gesamteindruck des E-Klasse-Coupés. Der neue Dieselmotor scheint fast die bessere Wahl zu sein.
Präzise und sportiv kommt hingegen das Fahrverhalten daher. Das Kurvenhandling hat dank des gekürzten Radstands gewonnen, der gute Geradeauslauf ist ge blieben. Assistenzsysteme unterstützen das halbautonome Fahren. Auf Wunsch hält das Coupé selbsttätig die Spur, stoppt im Stau und fährt wieder an, wenn es weitergeht. Der Wagen lässt sich außerdem per Smartphone-App vollautomatisch einparken, was sich wegen der langen Türen in engen Parklücken als segens reiche Unterstützung erweist.