magazin/auto

Haute Couture in Blech

(TRIER) Im TV-Fahrbericht dieser Woche das französische Kompaktmodell DS4 2.0 BlueHDi. Dossier zum Thema: Automodelle

04.11.2017
JÜRGEN C. BRAUN
TRIER "Ist das ein Citroen?", fragt der Nachbar? "Nein, ein DS", antworte ich. "Also doch ein Citroen?". "Nein, ein DS. Aber ein Auto mit Citroen drin. Also historisch und gedanklich", erkläre ich. "Aha", sagt der Nachbar und guckt etwas verständnislos, aber durchaus interessiert. Denn, und damit wären wir schon beim ersten Punkt: Es ist die Optik, die den durchaus Auto-affinen Mann von Nebenan zu dieser Annahme gebracht hat. Und da geht es schon los mit den kleinen, aber feinen Unterschieden.
Denn die Fahrzeuge in der Erbfolge des genialen Konstrukteurs André Citroen rühmten sich schon immer einer gewissen Exklusivität und avantgardistischer Formen und Funktionen. Das gilt auch für DS Automobiles, die neue exklusive französische Marke mit dem André-Citroen-Gen. Wir fuhren das Kompaktmodell DS 4 mit dem 180 PS starken 2.0 BlueHDi Diesel.
Eine markante, wuchtig und doch nicht überladen wirkende Front, dazu Schweinwerfer, die sehr weit außen angebracht sind. Dazwischen ein Kühlergrill mit dem kalligraphisch ungewöhnlichen und dominanten "DS"-Emblem fallen beim ersten Augenkontakt auf. Dazu kurze Überhänge, weiter heruntergezogene Chassis-Teile, ein knackiges Heck. Die DS (ja, dieses Auto ist weiblich, weil von La Déèsse" - "Die Göttin" abgeleitet) wirkt sportlich und dynamisch. Ungewöhnlich, aber nicht geschmacklos. Eine Französin eben, gelungene Haute Couture in Blech.
Derlei Hang zur Extravaganz setzt sich auch im Interieur fort. Weiches, gut verarbeitetes Nappaleder (Die Ausstattung nennt sich Performance Line), passende Ziernähte, Alu-Pedalerie, alles andere als eine trostlose "Plaste-Wüste" rund um das Cockpit und in der zweiten Reihe. Was als Erstes auffällt, wenn man das Fahrzeug betritt, ist der durch die sehr weit nach oben gezogene Windschutzscheibe lichtdurchflutete Raum. Man fährt quasi wie im Wintergarten. Angenehm, wohltuend.
Gemeinsam mit dem nicht überfrachteten Instrumententräger eine ebenso handwerklich durchdachte und Komfort-orientierte Lösung. Die Bedienung der einzelnen Elemente (Navi, Klimatisierung, Multimedia, Telefon-Freisprecheinrichtung) ist leicht und verständlich in einzelnen Schritten hinterlegt, Kein Buch mit sieben Siegeln.
Wer Erzeugnisse aus der Geschichte des Doppelwinkels immer mal wieder gefahren hat, der stellt sich auch im Umgang mit einer DS gedanklich erst einmal auf eine Luftfederung (Hydropneumatik) ein. Aber derlei Reminiszenzen gehören der Vergangenheit an. Das Fahrwerk unseres französischen Kompaktmodells offenbart eine gewisse Nonchalance, passt sich Unebenheiten im Belag unmerklich an und schluckt klaglos, was Frost oder Wartungsarbeiten Federn und Dämpfern so alles anbieten und antun.
Was nicht bedeutet, dass man es mit einem Geradaus-Langeweiler zu tun hat. Denn zum modifizierten Fahrwerk gehören auch McPherson-Federbeine an der Vorderachse und ein verformbarer Querträger an der Hinterachse. Das ermöglicht schnelle, aber richtungstreue, flotte Kurven-Durchfahrten mit hohem Spaßfaktor. Der Selbstzünder bietet kraftvolle 400 Newtonmeter Drehmoment bei 2000 Umdrehungen. Die Sechsgang-Automatik bringt die Kraft punktgenau und sanft, aber kompromisslos auf den Asphalt.
Auch in punkto Räumlichkeit muss sich die DS4 nicht verstecken. Für die Passagiere hinten wie vorn ist komfortables Reisen mit hoher Beinauflage, aber auch entsprechender Kopf- und Ellbogenfreiheit angesagt. Der Kofferraum variiert je nach Konfiguration des Gestühls zwischen 385 und 1021 Litern.
Extra: DS4 PERFORMANCE LINE

Ausführung: fünfsitziges Kompaktfahrzeug L/B/H: 4,28 / 2,05 / 1,50 Meter Kofferraum: 385 - 1021 Liter Motor: Vierzylinder Turbo-Diesel Leistung: 180 PS Hubraum: 1,997 Liter Max. Drehmoment: 400 NM bei 2000 U/min Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h Getriebe: 6-Gang Automatik Verbrauch: (DS / TV) 4,4/5,0 Liter DS4 Performance Line Pakt: 1 610,- € bis 2 800,- € Preis: ab 30 390 Euro