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Datum: 31. Dezember 2012 | Mehr aus diesem Ressort: Aktuell
Autor: Von Peter Neitzsch, dpa Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Dresden (dpa/tmn) Drucken

Keine Berufserfahrung? Wie blutige Anfänger punkten können

Mindestens drei Jahre Berufserfahrung» - dieser Hinweis fehlt in kaum einer Stellenanzeige. Für Hochschulabsolventen ist das bei der Stellensuche ist das ein Problem. Denn sie haben diese Qualifikation nicht. Wie kommen sie trotzdem an den Job?
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Annette Schramm hat alles richtig gemacht: Praktika, Projekte und Ehrenämter neben dem Studium. Trotzdem hatte sie nach der Uni Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Schramm hat an der TU-Dresden Politik und Kommunikationswissenschaft studiert. «Ich habe über 40 Bewerbungen geschrieben und drei Einladungen zu einem Bewerbungsgespräch erhalten.» Eine Zusage für eine Stelle war nicht dabei. Ein Grund für die Absagen: die fehlende Berufserfahrung.

«Keine Berufserfahrung ist ein Totschlagargument», sagt Jürgen Hesse, Karriereberater und Buchautor in Berlin. Um dennoch an den Job zu kommen, sollten Absolventen selbstbewusst auf diese Anforderung reagieren. «Praktika, Uni-Projekte oder ein ehrenamtliches Engagement sind auch eine Art von Berufserfahrung.» Bewerber müssten genau schauen, welche Fähigkeiten sie schon im Studium erworben haben - und diese dann offensiv verkaufen.

Wichtig sei, in der Bewerbung einen persönlichen Bezug zu der Stelle herzustellen und zu zeigen: «Ich habe mich mit diesem Thema beschäftigt und traue mir das zu.» Viele Absolventen haben im Studium die kompliziertesten Aufgaben bewältigt. Ein Unternehmen von den eigenen Fähigkeiten überzeugen können sie jedoch nicht. «Darin sind viele Absolventen noch blutige Anfänger.»

Damit die fehlende Berufserfahrung nicht zum Fallstrick wird, hilft auch folgende Strategie: Bewerber sollten nicht den Umweg über die Personalabteilung gehen, sondern sich nach Möglichkeit direkt an den Chef wenden. «Personaler sind wie Schäferhunde, die die Herde bewachen», sagt Hesse. «Ein neues Schäfchen sollte unbedingt versuchen, direkt zum Schäfer vorzudringen.» Denn die Berufserfahrung sei in der Personalabteilung oft ein formales Kriterium. Haben Berufseinsteiger sie nicht, werden sie gleich aussortiert. Der Chef könne von diesem formalen Kriterium auch einmal absehen.

Nicht jeder Uni-Absolvent hat wegen mangelnder Berufserfahrung gleich große Schwierigkeiten. «Wie schnell der Berufseinstieg gelingt, hängt natürlich immer vom Fach ab», sagt Professor Gerhard Blickle von der Universität Bonn. Während Ingenieure oder Naturwissenschaftler oft sofort einen Job finden, sollten Geisteswissenschaftler mit einer «Sucharbeitslosigkeit» von einem halben Jahr rechnen.

Mangelnde Berufserfahrung mit einem Praktikum nach dem Studienabschluss nachzuholen, hält Prof. Blickle nicht für sinnvoll. Das geht nur, wenn das Praktikum gut begründet werden kann - etwa, weil es bei einem namhaften Arbeitgeber gemacht wird.

«Festanstellungen direkt nach dem Studium sind seltener geworden», stellt Karl-Heinz Minks, Absolventenforscher beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover, fest. Selbst bei Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern habe die private Wirtschaft mittlerweile die Vorteile von Zeitverträgen und Leiharbeit entdeckt.

Annette Schramm kam schließlich auf Umwegen zur Festanstellung. «Mein späterer Arbeitgeber hat meinen Blog gelesen und mich daraufhin angeschrieben», erinnert sie sich. «In meinem Twitter-Profil stand damals noch: ewige Praktikantin.» Das ist nun seit zwei Jahren Geschichte.



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