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30.09.2017
Matthias Arnold

Fahrlehrerbranche im Wandel

(Berlin) Wer angehende Auto- und Motorradfahrer unterrichten will, muss sich auf eine aufwendige und teure Ausbildung gefasst machen. Doch der Beruf bleibt angesichts neuer Formen von Mobilität spannend.

Berlin (dpa) Der Berliner Fahrlehrer Walter Paulsen steht vor seinen acht Schülern in einem kahlen Raum. Ein Projektor wirft das Bild eines Verkehrsschilds an die Wand: "Eingeschränktes Halteverbot". Das kennt doch jeder. Doch der rote Balken auf blauem Grund führt auf der Abbildung von links oben nach rechts unten. "Ist das richtig oder falsch herum?", fragt Paulsen. Kurzes Schweigen. "Das ist so richtig", sagt dann die 32-jährige Anna. Stimmt. Es ist wie früher in der Fahrschule. Nur etwas schwieriger.
Die Frauen und Männer, die bei Walter Paulsen sitzen, können längst Auto fahren. Sie wollen Fahrlehrer werden und andere zu sicheren Verkehrsteilnehmern ausbilden. Diesen Berufswunsch haben immer weniger Menschen. Die Branche leidet unter Fachkräftemangel. 44 610 Fahrlehrer gab es Anfang dieses Jahres in Deutschland. Vor sechs Jahren waren es noch rund 10 000 mehr. Im Durchschnitt sind deutsche Fahrlehrer älter als 55 Jahre.
"Früher hat die Bundeswehr sehr viele Fahrlehrer ausgebildet", sagt Dieter Quentin, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Nach ihrer Zeit beim Bund machten viele Soldaten dann als Fahrausbilder auf dem zivilen Markt weiter. "Doch die Armee hat sich inzwischen fast vollständig aus der Ausbildung zurückgezogen", sagt Quentin - ein Grund für den Nachwuchsmangel.
Für die Ausbildung zum Fahrlehrer brauchen die Anwärter derzeit noch Führerscheine für die Auto-, Motorrad- und LKW-Klassen - auch dann, wenn sie später nur den normalen Autoführerschein anbieten wollen. Es gilt als sicher, dass diese Voraussetzung 2018 mit einer Gesetzesreform wegfallen wird. Ein wesentlicher Kostenfaktor im Rahmen der Ausbildung wäre dann beseitigt. Doch sie bleibt aufwendig.
"Erst mal kommen fünf unbezahlte Monate Theorie. Da werden unter anderem Pädagogik, Recht und Gefahrenlehre vermittelt", sagt Fahrlehrer-Ausbilder Paulsen. Es folgt die viermonatige Praxis-Zeit in einer ausbildenden Fahrschule. Hier fahren die angehenden Fahrlehrer zwar schon mit eigenen Schülern. Geld gibt es dafür aber nicht immer. In beiden Teilen stehen zahlreiche teure Prüfungen in Theorie und Praxis an.
Ausgebildete Fahrlehrer können sich einer sicheren Zukunft jedoch meist sicher sein. Denn die Zahl der Fahrschüler bleibt seit Jahren auf konstantem Niveau, auch wenn das eigene Auto vor allem in Städten für junge Menschen längst kein Statussymbol mehr ist. "Die Nachfrage bleibt, aber die Anforderungen ändern sich", sagt Verbandsvize Quentin. "Assistiertes Fahren, Digitalisierung: Das ist das Betätigungsfeld für die Fahrlehrerschaft der Zukunft."
Wer in dem fensterlosen Raum in Paulsens Berliner Fahrschule sitzt und seinen Fragen zu den Verkehrszeichen lauscht, ahnt davon nicht viel. Aber den Anwesenden ist die Entwicklung durchaus bewusst. "Die Autos haben sich verändert", sagt Paulsen. Seine Schüler müssen sich auf Elektromobilität, Fahrassistenz-Systeme und in Zukunft auch auf Autos, die teilweise autonom fahren können, einstellen.
"Die Umbrüche werden nicht von heute auf morgen kommen", sagt Quentin. "Aber man muss mit der Zeit gehen. In jedem Mittelklasseauto stecken schon heute unglaublich viele komplexe Assistenzsysteme, die keiner nutzt, weil sie keiner bedienen kann." Der Fahrlehrer der Zukunft muss all diese Entwicklungen verstehen und erklären können.
Extra: DIE WEITERBILDUNG ZUM FAHRLEHRER IST TEUER

(np) Voraussetzung für die Weiterbildung zum Fahrlehrer sind ein Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Führerscheine für Auto, Motorrad und LKW sind ebenso notwendig wie mehrjährige Fahrpraxis. Darauf weist die Bundesagentur für Arbeit hin. Die Weiterbildung dauert in Voll- oder Teilzeit fünf Monate bis zu einem Jahr. Das Mindestalter für eine Fahrlehrererlaubnis liegt bei 22 Jahren. Für die Weiterbildung fallen Kosten an, auch für die Prüfung müssen Teilnehmer eine Gebühr zahlen. Insgesamt kann die Weiterbildung mehrere Tausend Euro kosten. Auszubildende können allerdings Bafög beantragen.