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Keine Mails nach 18.00 Uhr: Strategien gegen Jobstress

(Hamburg (dpa/tmn)) Arbeiten von neun bis fünf Uhr? Das war gestern. Heute schuften viele erst stundenlang im Büro und beantworten am Feierabend noch dienstliche E-Mails. So etwas sorgt für Stress, der auf Dauer ungesund ist. Doch was können Arbeitnehmer dagegen tun?
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Höher, schneller, weiter - viele Arbeitnehmer haben das Gefühl, dass die Belastung im Job wächst. So sagte rund jeder Zweite (56 Prozent) in einer repräsentativen DGB-Umfrage, er sei starker bis sehr starker Arbeitshetze ausgesetzt - 4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Und 80 Prozent klagen über steigende Leistungsanforderungen im Job. Gehetzt fühlen sich Beschäftigte quer durch alle Bereiche der Arbeitswelt: In keiner Branche waren es weniger als 46 Prozent, bei den Vorgesetzten 64 Prozent. Generell gilt, dass die Arbeitsbelastung mit zunehmendem Einkommen wächst.

Die Gefahr besteht, von dem Stress krank zu werden. «Ein erstes Alarmsignal ist, wenn Sie nachts nicht mehr durchschlafen, sondern aufwachen und an die Arbeit denken», sagt Prof. Dr. Stephan Ahrens. Der Spezialist vom Psychosomatischen Fachzentrum Falkenried in Hamburg empfiehlt dreierlei:

Zeitmanagement hinterfragen: Was zu tun ist, bestimmt der Chef. Wie sie ihre Arbeit angehen, haben Mitarbeiter ein Stück weit aber selbst in der Hand. Sie sollten daher ihr Zeitmanagement kritisch hinterfragen. «Oft gibt es Verbesserungsmöglichkeiten», sagt Ahrens. Denn viele verbrächten zu viel Zeit mit unwichtigen Aufgaben - und ließen die bedeutsameren liegen. Der Experte rät, eine Woche lang ein Notizbuch zu führen. «Schreiben Sie für jeden Tag auf, was Sie gemacht haben und wie lange Sie dafür gebraucht haben.» Danach werde analysiert, welche Tätigkeiten zu viel Zeit kosten.

Grenzen setzen: Wenn die Arbeitsverdichtung steigt, wird es noch wichtiger, dass Arbeitnehmer zwischen Beruf und Freizeit klare Grenzen ziehen, sagt Ahrens. Er empfiehlt, mit dem Chef und den Kollegen Zeiten abzusprechen, an denen man für weder per Handy noch per E-Mail für den Job zu erreichen ist. «Machen Sie ab 18.00 Uhr Schluss mit beruflichen E-Mails.» Viele dächten zwar, dass sie sich das nicht erlauben könnten. In der Praxis sei eine ständige Erreichbarkeit aber längst nicht immer erforderlich.

Ausgleich schaffen: Viele Arbeitnehmer hätten auch das Problem, dass sie gedanklich nicht von der Arbeit abschalten können. «Man muss versuchen, nach Feierabend etwas anderes in den Kopf zu bekommen. Sonst frisst einen die Arbeit auf», erläutert Ahrens. Der beste Ausgleich zur Arbeit sei, sich dem Partner oder der Familie zu widmen. Gut sei auch, regelmäßig ein Hobby zu pflegen.

Welche Folgen übermäßige psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben, zeigen folgende Zahlen:

- 53 Millionen Krankheitstage pro Jahr gehen auf psychische Störungen zurück. Das ist eine Zunahme um 80 Prozent seit 1997.

- Weit mehr als jede dritte Frühverrentung - 41 Prozent im vergangenen Jahr - hat ihre Ursache in psychischen Störungen. Und: Die Betroffenen sind jung, im Schnitt erst 48 Jahre.

- Die jährlichen Behandlungskosten für psychische Erkrankungen summieren sich auf etwa 28 Milliarden Euro. Die Rentenversicherung gibt pro Jahr 1 Milliarde Euro allein für Rehabilitationsmaßnahmen aus - allerdings für alle Arten von Erkrankungen.

- Der Produktionsausfall durch psychisch ausgebrannte Mitarbeiter wird auf 26 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.


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