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17.08.2017

Viagra aus der Apotheke?

In Großbritannien könnte das verschreibungspflichtige Medikament Viagra bald rezeptfrei verkauft werden.

Grund dafür ist der Antrag des Pharmakonzerns Pfizer an die britische Arzneimittelbehörde, die Verschreibungspflicht für Sildenafil (Viagra) aufzuheben.

Was ist Viagra?
Viagra ist der Produktname. Bei dem Präparat handelt es sich um den Arzneistoff Sildenafil, die zu einer Gruppe der vasodilatierenden (gefäßerweiternden) Substanzen zählt. Der Wirkstoff wurde bekannt, als das US-amerikanische Unternehmen Pfizer den Wirkstoff unter dem Namen Viagra als Mittel gegen Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auf den Markt brachte. Diese Wirkung wurde zufällig entdeckt, denn Sildenafil galt ursprünglich als Wirkstoff gegen Angina Pectoris und Bluthochdruck. Viagra wirkt, indem es das arterielle Blut in den Schwellkörper des Penis fließen lässt und eine Erektion auslöst, wenn der Mann erregt ist. Das Mittel ist kontraindiziert, wenn gleichzeitig nitrathaltige Medikamente eingenommen werden. Wird Viagra in Kombination eingenommen, kann das zu einem akuten lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen. Aus diesem Grund ist Viagra verschreibungspflichtig und setzt eine ärztliche Beratung voraus.


OTC Switch - Antrag von Pfizer zur Aufhebung der Verschreibungspflicht
Der Konzern Pfizer UK hat bei der Arzneimittelbehörde einen offiziellen Antrag auf OTC-Switch gestellt. Das bedeutet, dass Viagra aus der Verschreibungspflicht durch Mediziner entlassen werden soll. Der Antrag bezieht sich ausschließlich auf die Sildenafil Tabletten mit der Wirkstoffstärke von 50 Milligramm. Das Arzneimittel soll aus der Deklaration POM (Prescription only medicine - nur verschreibungspflichtige Medizin) genommen werden und unter die Deklaration P-medicine (Pharmy medicine - frei verkäuflich) fallen. Der Antrag von Pfizer erklärt, dass es sich bei der erektilen Dysfunktion um eine selbst-erkennbare Störung handelt, die oft vorkommt. Die Hälfte der Männer zwischen 40 und 70 leide an einer Form von Erektionsstörungen. Zahlreiche dieser Betroffenen erhalten keine Behandlung.

Als OTC-Medikament ist Viagra bereits in Neuseeland erhältlich. In Australien läuft ebenfalls ein Antrag auf diese Einstufung. Im Falle einer Deregulierung in Großbritannien sollen die Apotheker die Aufklärungspflicht übernehmen und mit Informationsmaterialien ausgestattet werden. Die Apotheker seinen in der Lage, die betroffenen Männer zu unterstützen und so zu helfen.
Der Konzern möchte sicher auch den Schwarzmarkt aufbrechen. Um den Kontakt zu Ärzten zu vermeiden, greifen viele betroffene Patienten auf die illegale Beschaffungsweise von Viagra. Bei Sildenafil handelt es sich um eines der am meisten gefälschten Arzneimittel. Zahlreiche Männer bedienen sich des Internets, um das Mittel zu erwerben.


Rezeptfreiheit für Lifestyle Medikamente wie Viagra?
Sicher handelt es sich bei Viagra um ein so genanntes Lifestyle-Medikament, das mittlerweile häufig eingesetzt wird. Wenn dieses Produkt in Apotheken ausgegeben wird, die gleichzeitig die Beratung übernehmen, ist das für viele Männer ohne Zweifel einfacher. Der Weg zum Arzt bleibt erspart und das Medikament ist wesentlich leichter zugänglich - ohne Arzttermin, Wartezeiten und eine als möglicherweise unangenehm empfundene Sprechstunde.

Apotheker verfügen darüber hinaus über eine fundierte Ausbildung und auch Apothekenhelfer besitzen medizinische Fachkenntnisse. Doch ändern diese Tatsachen nichts daran, dass es sich um die Abgabe eines Arzneistoffs handelt, der unter gewissen Umständen Nebenwirkungen hervorrufen kann.


Medizinische Indikationen nur durch Ärzte
So angenehm und sicher sich Viagra aus der Apotheke auf den ersten Blick anhört. Viagra ist ein medizinischer Wirkstoff, der erst dann von einem Arzt verschrieben wird, wenn dieser negative und gesundheitsschädliche Nebenwirkungen ausschließen kann. Das Arztgespräch ist erforderlich, um eine sichere Verschreibung zu garantieren. Ein Arzt hat in der Regel die Möglichkeit auf die Gesundheitsakte des Patienten zurückzugreifen und darüber hinaus oftmals eine durchaus detaillierte Vorstellung über den Gesundheitszustand des Patienten. Schließlich lassen sich viele Patienten über Jahre und Jahrzehnte vom gleichen Hausarzt behandeln.
Es bleibt ebenfalls fraglich, ob eine diskrete Beratung in Apotheken überhaupt möglich ist. Nur die wenigsten Apotheken werden die Rahmenbedingungen für einen abgelegenen Beratungsraum erfüllen. Ein Gespräch über Potenzprobleme am Tresen, an dem noch weitere Kunden auf Ihr Medikament warten, ist natürlich nicht im Sinne des Patienten. Auch bleibt unerwiesen, ob ein Patient sich einem Apotheker gegenüber gleichermaßen öffnet wie seinem behandelnden Arzt. Auch wenn ein Apotheker oftmals über vergleichbares Wissen verfügt und, genau wie ein Arzt, zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, existiert eine unterschiedliche Wahrnehmung der beiden Berufsbilder in der Gesellschaft.
Letztendlich bleibt folgendes: Nur ein Arzt darf eine vollständige Anamnese durchführen, um eventuelle Kontraindikationen festzustellen. Die Rezeptpflicht garantiert in den meisten Fällen, dass Männer zum Arzt gehen und sich anständig untersuchen lassen. Es stellt sich die Frage, ob der Kampf gegen den Schwarzmarkt nicht anders gewonnen werden kann. Denn sollte es möglich sein, den Abverkauf von gefälschten Präparaten über das Internet einzudämmen, bleibt dem Patienten keine andere Wahl – in diesem Fall die sicherste Variante.