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Eine MPU steht an - was ist zu tun?

Mit einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (Kurzform: MPU) beurteilt eine akkreditierte Begutachtungsstelle die Fahreignung eines Kraftfahrers. Dies geschieht nach dem Entzug der Fahrerlaubnis.

02.11.2016
Gesetzlich heißt die MPU "Begutachtung der Fahreignung", was den Sachverhalt wesentlich besser trifft. Im Anschluss an die Untersuchung, die aus mehreren Teilen besteht, erstellt der Sachverständige ein Gutachten, aus dem hervorgeht, ob der Antragsteller in Zukunft körperlich wie auch geistig in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen. Aufgrund dieses Gutachtens entscheidet die Fahrerlaubnisbehörde dann, ob sie den Führerschein zurück gibt oder dieser weiterhin entzogen bleibt. Weitere Informationen, was eine MPU genau ist, stehen in dem Artikel: "MPU - was ist das?"

 

Anordnung einer MPU - die gesetzlichen Grundlagen

Zur Anordnung einer MPU können mehrere Gründe führen. Nach schwerwiegenden Alkoholdelikten und entsprechendem Führerscheinentzug ordnet die Fahrerlaubnisbehörde eine Untersuchung an. Auch bei Verkehrsdelikten im Zusammenhang mit Drogenkonsum ist meist eine MPU fällig. Verkehrssünder, die eine entsprechende Anzahl an Punkten im Verkehrszentralregister in Flensburg haben, fordert die Behörde ebenso zur MPU auf wie solche, die trotz Führerscheinentzug weiterhin Auto fahren. Welche weiteren Delikte zur Anordnung einer MPU führen können, ist hier nachlesbar. In all genannten Fällen, nämlich zum Beispiel bei Drogen- oder Alkoholmissbrauch oder Gewalttätigkeit, erhebt die Behörde Zweifel an der Fahrtauglichkeit. Rechtsgrundlage für den Führerscheinentzug sind die §§ 2 und 3 der StraßenVerkehrsGrundordnung (StVG). Der Artikel "Was ist die MPU bzw. der Idiotentest" beschreibt auch die Durchführung einer MPU.


Wie wichtig ist die Vorbereitung?

Die Vorbereitung auf eine MPU ist wichtig. Ohne Vorbereitung klappt es meist nicht so einfach mit der Wiedererlangung der Fahrerlaubnis. Da die Vorbereitung so zentral ist, hat sich natürlich auch ein entsprechender Markt von Anbietern entwickelt. Dabei handelt es sich meist um eine ganz gezielte Vorbereitung auf die Untersuchung, obwohl die Kursbezeichnung häufig etwas anderes impliziert. Die Kurse heißen "verkehrspsychologische Beratung" oder "verkehrspsychologische Therapie". Auch gibt es Kursanbieter, die mit Schauspielunterricht werben. Warum das garantiert eine Sackgasse ist, erläutert der Artikel "Schauspielunterricht bringt nichts für die MPU".


Einen seriösen Anbieter für die Vorbereitung finden - einfacher als gedacht!

Verkehrspsychologische Beratungsstellen und auch ausgebildete Verkehrspsychologen grenzen sich scharf von manchmal zweifelhaften Anbietern ab. Diesen Angeboten fehlt häufig das fachlich fundierte Veränderungskonzept, das auch Interventionsschritte enthält. Unqualifizierte Beratung kann die Zeit ohne Führerschein zusätzlich in die Länge ziehen. Qualifizierte Anbieter sind in Suchmaschinen meist gut platziert. Auf deren Seiten finden sich keine abwertenden Begriffe, wie Idiotentest, auch in Werbeanzeigen sind sie eher selten zu finden. Das Angebot ist transparent und die Seiten sind reichlich mit Informationen gefüllt. Welche Kriterien noch wichtig sind bei der Auswahl des richtigen Vorbereitungskurses ist hier zusammengestellt. Die Gutachterstellen selbst dürfen keine Kurse zur Vorbereitung anbieten. Dort finden jedoch regelmäßig Informationsveranstaltungen statt, die den Betroffenen ein wenig die Angst vor dem Test nehmen sollen.


Kritik an der MPU

Schon seit Langem gibt es auch Kritiker, welche die MPU stark ins Kreuzfeuer nehmen, wie zum Beispiel der ADAC. Das Gutachten ist sehr subjektiv, da vieles von der Beurteilung des Gutachters abhängt. Meist haben die Kandidaten nicht sehr viel Zeit, über die richtige Antwort nachzudenken. Eine gründliche Vorbereitung auf die MPU ist elementar und hilft meist, mit einem positiven Gutachten zu bestehen. Eine falsche Antwort während des psychologischen Gespräches, das etwa 20 oder 30 Minuten dauert, kann die Chance auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zunichtemachen. Mangelnde Einsichtsfähigkeit ist der häufigste Grund dafür. Zum einen leugnen die Betroffenen häufig ihre Sucht. Zum anderen fehlt die Einsicht, dass ein Autofahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss nicht mehr in der Lage ist, richtig zu reagieren und beispielsweise einem Kind, das plötzlich auf die Straße rennt, auszuweichen. Die Problematik, die hierbei in der Kritik steht, ist folgende: Die Gutachter sind meist nicht in der Lage zu unterscheiden, ob es sich bei einem Kandidaten um einen notorischen Verkehrssünder handelt, der nach vielen Delikten erwischt wurde, oder ob es sich tatsächlich um einen Ausrutscher handelt. Häufig kommt es vor, dass Personen, die sich gut auf die Untersuchung vorbereiten, auch bestehen. Diese Personen können drogensüchtig sein oder dem Rechtssystem gegenüber negativ eingestellt. Harmlose Personen, die vielleicht wirklich nur dieses eine Mal unter Alkoholeinfluss Auto gefahren sind und unvorbereitet in die Untersuchung gehen, fallen oft durch. Hätten sie sich vorbereitet, wären die Chancen gestiegen, den Test zu bestehen.


Fazit

Die MPU ist deshalb so schwer zu bestehen, weil sie auf psychologischer Basis erfolgt. Dabei steht nicht nur das Verhalten des Betroffenen auf dem Prüfstand, sondern vor allem die Einsichtsfähigkeit, dass überhaupt ein Problem vorliegt. Viele der Kandidaten haben Suchtprobleme, die natürlich mit einer entsprechenden Therapie zu behandeln sind. Denn die Anordnung einer MPU erfolgt nicht aufgrund von Kleinigkeiten, sondern aufgrund von massiven oder wiederholten Verstößen im Straßenverkehr. Der Begriff "Idiotentest" rührt übrigens daher, dass die Behörden früher eine MPU angeordnet haben, weil jemand mehrfach durch die Führerscheinprüfung gefallen ist. Das ist heute nicht mehr der Fall.