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Der Mensch steht im Mittelpunkt der Beratung

Pflegestützpunkte helfen kostenlos und trägerneutral - Ziel ist immer ein möglichst eigenständiges Leben

Was tun im Pflegefall? Es gibt zwar die Möglichkeit, sich selbst zu informieren. Lotse bei der Suche nach einer bestmöglichen Versorgung sind die 135 Pflegestützpunkte im Land. 20 davon gibt es in der Region Trier. Dossier zum Thema: Pflege

18.09.2014
Rainer Neubert
Wenn es um Pflege geht, ist Klaus Duplang ein alter Hase. Der gelernte Sozialpädagoge und Pflegeberater weiß nicht nur, mit welchen Fragen die Hilfesuchenden oder deren Angehörige von ihm und seinen Kollegen in den landesweit insgesamt 135 Pflegestützpunkten Antworten erhoffen. Er kennt auch die sozialpolitische Entwicklung, die aus den Beratungs- und Koordinierungsstellen (Beko) 2009 eben jene Pflegestützpunkte werden ließen, die seitdem als zentrale Anlaufstellen in Fragen der Pflege gelten.
"Rechnerisch hat jeder Stützpunkt 1,5 Stellen", sagt Duplang, der gemeinsam mit einem Kollegen für eine von vier dieser Beratungsstellen in Trier verantwortlich ist. "Unser Hauptziel ist die Hilfe aus einer Hand in allen Fragen, die mit Pflege und Betreuung zu tun haben. Wir kommen ins Spiel, wenn irgendetwas nicht mehr klappt und für das Leben in der vertrauten Umgebung Hilfe notwendig ist."
500 Beratungsgespräche pro Jahr sind der Durchschnitt je Pflegestützpunkt. Es geht dabei zum Beispiel um Hausnotruf, Essen auf Rädern, hauswirtschaftliche Hilfen, häusliche Krankenpflege, Krankentransporte, Schwerbehindertenausweis oder gesetzliche Betreuung. Fast immer geht auch um die Finanzierungsmöglichkeiten über Pflegeversicherung, Krankenversicherung oder Sozialhilfe. Die Beratung ist kostenlos und trägerübergreifend.
"Wir fahren zu den Beratungen inzwischen sogar in neutral gestalteten Autos und schreiben auf neutralem Briefpapier", sagt Duplang, der sein Gehalt von der Caritas bekommt.
Immer geht es in den Gesprächen darum, einen individuellen Versorgungsplan zu erarbeiten. Die Fachkräfte machen sich in den Beratungen im Büro, zu Hause oder im Krankenhaus ein Bild vom Hilfe- und Unterstützungsbedarf sowie der Wohnsituation der Betroffenen. Diese entscheiden letztlich aber selbst, welche der regional verfügbaren Hilfsangebote sie in Anspruch nehmen möchten. Auch bei Problemen mit Anbietern von Pflegeleistung oder mit Pflegeeinrichtungen stehen die Fachleute helfend zur Seite.
Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit den für die ambulante Pflege zuständigen Sozialstationen und Pflegediensten. Das bestätigt auch Susanne Hoellen, Pflegedienstleiterin der Ökumenischen Sozialstation Trier. "Wir arbeiten wunderbar mit den Pflegestützpunkten zusammen. Die Menschen, die zu uns kommen, sind in der Regel gut vorbereitet, wenn sie bei einem Pflegestützpunkt waren."
Die gelernte Krankenpflegerin mit Hochschulabschluss berichtet, dass Altersvergesslichkeit und Demenz eine immer größere Rolle spielen. "Die Menschen werden älter und hilfsbedürftiger." So genüge es längst nicht, sich nur um die körperlichen Hilfestellungen zu kümmern. "Unsere Mitarbeiter sind auch für die seelischen Belange der Patienten da. Wir wollen die Menschen stärken, das gilt auch für die Angehörigen." In der Regel gut sei die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, besonders wenn es um Leistungen der Behandlungspflege gehe. Kranken- und Pflegekassen bieten zudem eigene Beratungsangebote, wenn es um das Thema Pflege geht (siehe unten).
Einig sind sich die Mitarbeiter von Pflegestationen und Pflegestützpunkten in ihrem Bemühen, den hilfsbedürftigen Menschen ganzheitlich beizustehen. Klaus Duplang: "In den Pflegestützpunkten helfen wir auch bei Antragstellungen und vermitteln Hilfen. Oft begleiten wir die Menschen längerfristig."
Zwar ist die Mehrzahl der Hilfesuchenden im Seniorenalter. Eine umfassende Beratung erhalten aber auch junge Menschen, die wegen einer Krankheit oder nach einem Unfall so eingeschränkt sind, dass sie nur mit Unterstützung eigenständig leben können. Lediglich wenn es um Kinder geht, gibt es auch nach Einschätzung von Klaus Duplang eine kompetentere Anlaufstelle in der Region. "Dann verweisen wir in der Regel auf das besonders auf Kinder abgestimmte Angebot des Vereins Nestwärme."

Pflegefall - was tun?

Eine Handlungsanleitung für den Fall der Fälle:

Pflegebedürftigkeit kann in allen Lebensabschnitten auftreten. Nach der Definition des Sozialgesetzbuches sind damit Personen erfasst, die wegen einer Krankheit oder Behinderung bei der Ernährung, der Mobilität, der Körperpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.
 
 
Das sollten Sie in einem solchen Fall tun:

 
  • Grundsätzlich finden Sie an dem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe kompetente und gut vernetzte Ansprechpartner, die Sie kostenlos und unabhängig umfassend beraten können. Die Beratung findet entweder im Büro des Pflegestützpunkts, bei Ihnen Zuhause oder zum Beispiel in einem Krankenhaus statt. 
 
 Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt darüber hinaus auf seiner Internetseite zum Thema Pflege (www.wege-zur-pflege) folgende Vorgehensweise für den Pflegefall: 

 
  • Setzen Sie sich mit Ihrer Kranken-/Pflegekasse in Verbindung. Selbstverständlich kann das auch ein Familienangehöriger, Nachbar oder guter Bekannter für Sie übernehmen, wenn Sie ihn dazu bevollmächtigen. 
 
  • Wenn Sie einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse gestellt haben, beauftragt diese den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung Ihrer Pflegebedürftigkeit. 
 
Führen Sie ein Pflegetagebuch darüber, bei welchen Verrichtungen geholfen werden muss (zum Beispiel beim Waschen, Anziehen, Essen) und wie viel Zeit diese Hilfen in Anspruch nehmen. Diese Angaben sind wichtig für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. 
 
  • Bitten Sie Ihre Pflegeperson, bei der Begutachtung durch den MDK anwesend zu sein. 
 
  • Sofern Sie es bereits einschätzen können, teilen Sie Ihrer Pflegekasse bei der Antragstellung mit, ob Sie zu Hause oder in einem Pflegeheim gepflegt werden möchten. 
 
  • Versuchen Sie einzuschätzen, ob die Pflege längerfristig durch Ihre Angehörigen durchgeführt werden kann und ob Sie ergänzend oder ausschließlich auf Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgreifen müssen. 
 
  • Ist Ihre Pflege zu Hause nicht möglich, so können Sie sich von Ihrer Pflegekasse über geeignete stationäre Pflegeeinrichtungen informieren und beraten lassen. 
 
  • Bitten Sie Ihre Pflegekasse, Ihnen zum Kostenvergleich eine Liste der zugelassenen ambulanten Pflegedienste beziehungsweise stationären Pflegeeinrichtungen zu geben und Sie über niedrigschwellige Angebote zur Entlastung bei der Versorgung zu informieren und beraten.
 
Informationen erhalten Hilfesuchende und Angehörige auch beim Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit unter 030/3406066-02. Privat Versicherte können sich an ihr Versicherungsunternehmen wenden. red

 

Interessante Internetlinks:
pflegestuetzpunkte.rlp.de
pflegelotse.de
nestwaerme.de