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Kommentar: Herausforderung für uns alle

(Trier) Für gute Pflege im Alter muss jeder einen Beitrag leisten - ein Kommentar von Rainer Neubert. Dossier zum Thema: Pflege

14.09.2014
Rainer Neubert
Werden alte Menschen in Deutschland auch in der Zukunft einen würdevollen letzten Lebensabschnitt haben? Um diese Frage mit einem klaren "Jein" zu beantworten, muss man kein großer Pessimist sein. Immer mehr immer Ältere bei gleichzeitig immer weniger jungen und berufstätigen Menschen - die demografische Entwicklung lässt Schlimmes befürchten. Im Jahr 2030 werden voraussichtlich 28,5 Millionen Menschen in diesem Land leben, die älter als 60 Jahre sind. Das sind 7,3 Millionen mehr als im Jahr 2009.
Aber es wächst nicht nur kontinuierlich der Anteil der betagten und hochbetagten Männer und vor allem Frauen. Weil mit zunehmendem Alter auch wesentlich mehr Menschen von Krankheit, Demenz und Pflegebedürftigkeit betroffen sind, steigt der Druck im System.
Bis 2030 wird die Zunahme der Pflegebedürftigen um mehr als eine Million auf 3,5 Millionen geschätzt. Die Zahl der derzeit 1,5 Millionen Demenzkranken steigt jedes Jahr um 40 000.
Von einer großen Herausforderung für die Gesellschaft sprechen wegen all dieser Prognosen die Soziologen der Universität Trier. Ihnen kann nicht widersprochen werden. Denn nach Einschätzungen der Bundesagentur für Arbeit fehlen in den nächsten Jahren 150 000 Pflegekräfte in Deutschland. Vor allem wenig besiedelte Regionen wie die Vulkaneifel und der Hunsrück werden enorme Probleme bekommen. Wegen der weiten Entfernungen und der damit verbundenen hohen Kosten wird die ambulante Krankenpflege zu einem für Anbieter und möglicherweise auch Hilfsbedürftige kostspieligen Unterfangen.
Aber zumindest die Politiker auf Landes- und Bundesebene erkennen nach Jahrzehnten der überwiegenden Ignoranz endlich, dass es höchste Zeit ist, mehr zu tun, als über eine dezente Anhebung des Beitrags zur Pflegeversicherung oder eine Fünf-Euro-Pflege-Bahr-Zulage zu sprechen. Der Pflegebegriff muss auf neue Füße gestellt werden, damit zum Beispiel die altersdementen und körperlich wenig beeinträchtigten Menschen nicht durch das Raster fallen. Pflege wird zum Statussymbol, wenn sich nur noch gut betuchte eine gute Betreuung leisten können.
Dem Pflegeberuf mehr Ansehen und der Ausbildung noch mehr Qualität zu verleihen ist eine Sache. Letztlich wird er aber nur dann attraktiv, wenn er besser bezahlt wird. Finanziert werden muss das von der Gesellschaft insgesamt, über den Beitrag zur Pflegeversicherung, vielleicht auch über Steuereinnahmen.
Zum Glück ist die Zukunft in unserer Region nicht nur düster. Familiäre und soziale Strukturen funktionieren hier noch besser als in städtischen Großräumen. Jeder von uns sollte dazu beitragen, dass es so bleibt.
r.neubert@volksfreund.de

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