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Datum: 25. August 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Sarah-Lena Gombert Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Föhren Drucken

Alles Banane im Sturzflug

„Warum bin ich eigentlich nicht wandern gegangen?", frage ich mich, als die Tür des kleinen Flugzeugs aufgeht und der Wind vorbeizischt. Aber da spüre ich den Boden der Maschine schon nicht mehr. Wir fallen bereits.
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Eine knappe Stunde zuvor hatte ich noch feste Erde unter den Füßen. Ich bin zum Föhrener Flugplatz gefahren, um dort den Fallschirmsportclub (FSC) Trier zu besuchen – und mit einem Fallschirm zu springen. Das geht natürlich für Anfänger nicht alleine, sondern nur zu zweit mit jemandem, der sich auskennt. Dafür gibt es beim FSC die sogenannten Tandem-Master, die eine spezielle Ausbildung absolviert haben.

Christian Neuleib sitzt unter einem Baum in der Nähe des Towers. Der 45-Jährige mit den langen braunen Haaren präpariert den Fallschirm, mit dem wir beide uns in Kürze aus einer Höhe von 3500 Metern in die Tiefe stürzen werden. Mir wird ganz flau, er lächelt freundlich. „Wir üben gleich noch ein bisschen, und dann geht es auch gleich los", sagt er mit beruhigender Stimme.

Gutes Zureden

Christian Neuleib ist seit vielen Jahren begeisterter Fallschirmspringer und hat auch als Tandem-Master schon viel Erfahrung. „Die meisten gönnen sich dieses Erlebnis zu einem besonderen Ereignis, wie beispielsweise einer Hochzeit, oder bekommen den Sprung als Geburtstagsgeschenk", erklärt Christian. Ohne sein gutes Zureden hätten viele sicher noch in der letzten Minute gekniffen – ich inklusive.

Doch ich bin gesprungen. Mein Herz schlägt wie wild, mein Atem wird hektisch, als wir das Flugzeug hinter uns lassen und mit 200 Stundenkilometern durch die Luft rasen. Was hatte Christian noch gesagt? Hohlkreuz machen und nach vorne gucken. Die Beine zusammen und nach hinten ziehen. „Wie eine Banane“, hat er gesagt. Und den Riemen gut festhalten. Krampfhaft klammere ich mich an die beiden Träger, die mich an meinen Tandem-Master binden. Was mir eben noch so furchtbar unbequem vorkam, gibt mir jetzt Sicherheit.

Atemberaubend

„Banane, Banane, Banane“, schießt es mir durch den Kopf. Die Luft in 3500 Metern Höhe pfeift scharf an meinem Gesicht vorbei. Zum Glück habe ich die Kunststoffbrille aufgesetzt, sonst würde ich mich jetzt gar nicht trauen, die Augen zu öffnen. Der Anblick, der sich uns bietet, ist atemberaubend. Am frühen Abend schlängelt sich die Mosel dunkelblau durch ihr Tal. Ungewöhnlich? Aus dieser Perspektive schon!

Während wir durch die Luft segeln, bleiben wir nicht unbeobachtet. Ein Vereinsmitglied bleibt immer am Boden, um von dort aus mit einem Fernglas die Springer zu beobachten. Wenn etwas schiefgehen sollte, kann er sofort Hilfe rufen. Wir kriegen davon nichts mit.

Weitsicht an einem klaren Abend

Am Horizont kann man an diesem klaren Abend sogar die Kühltürme von Cattenom sehen – doch um über Kernkraft nachzudenken, habe ich keine Zeit. Der freie Fall geht wahnsinnig schnell vorbei. Was angeblich 45 Sekunden sein sollen, kommt mir wie allerhöchstens zwei vor. „Das ist ganz normal“, hatte Christian mich vorgewarnt.

Dennoch: Als er mir auf die Schulter klopft – unser Zeichen dafür, dass der Fallschirm bald aufgehen wird – kommt das unvermittelt. Ich bereite mich innerlich auf ein ruppiges Bremsen in der Luft vor, und werde überrascht, wie erstaunlich sanft sich das anfühlt, wenn wir das Tempo verringern.

Pure Freude

Unser bunter Fallschirm hat sich schnell entfaltet, und nun segeln wir – im Gegensatz zu vorher – ganz ruhig und entspannt in Richtung Erde zurück. Durch vorsichtiges Ziehen an zwei Leinen, die mir Christian links und rechts vor die Nase hält, können wir uns in die Kurve legen und uns in der Luft drehen. „Das hält man anfangs noch nicht besonders lange aus", ruft er – und behält recht.

Nach einigen Umdrehungen signalisiert mir mein Magen, dass wir besser damit aufhören sollten. Dieses kurze Rebellieren bleibt die Ausnahme. Das Gefühl, das ansonsten während des langsamen Sinkflugs zurück zum Föhrener Flughafen in mir aufkommt, ist pure Freude. Freude darüber, dass ich mich tatsächlich getraut habe, zu springen. Und darüber, dass alles glattgelaufen ist. Bis jetzt zumindest. Wenige Meter über dem Boden kommt mir unsere Fallgeschwindigkeit doch wieder schneller vor.

Lachend zwischen Löwenzahnblumen

„Du musst die Beine jetzt nach vorne heben!“, ruft Christian. Also: Knie angewinkelt und Füße nach vorn. Auch mein Tandem-Partner nimmt eine Sitzposition ein. Und mit einem leichten Rums landen wir auf der Wiese. Laut lachend liege ich zwischen Löwenzahnblumen und Grashalmen.

Der Adrenalinstoß ist vorüber, stattdessen machen sich nun Endorphine in meiner Blutbahn breit. „Glaub mir“, sagt Christian, der ebenfalls lachen muss, „das Dauergrinsen wird dir noch ein paar Tage erhalten bleiben."Sarah-Lena Gombert
 

SERVICE
Der Fallschirmsportclub Trier, der seinen Stützpunkt am Flugplatz in Föhren hat, bietet Tandem-Sprünge und auch eine Ausbildung zum Fallschirmspringen an. Ein Tandemsprung kostet 200 Euro. Wer springen will, muss aus Sicherheitsgründen größer als 1,40 Meter sein und sollte nicht mehr als 90 Kilogramm wiegen. Für Minderjährige ist die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigen erforderlich.

Die Tandem-Master des Fallschirmsportclubs sind speziell ausgebildet. Die Ausbildung unterteilt sich in einen Automatikkurs (490 Euro) und einen Freifallkurs (250 Euro). Hinzu kommen Ausbildungssprünge. Gleich beim Flugplatz haben die Fallschirmspringer eine kleine Bar eingerichtet, in der man sich nach dem Sprung gemütlich zusammensetzen kann.

Weitere Informationen zu Tandem-Sprüngen, zur Ausbildung und zum Verein gibt es im Internet unter www.fallschirmsportclub-trier.de


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„Warum bin ich eigentlich nicht wandern gegangen?", frage ich mich, als die Tür des kleinen Flugzeugs aufgeht und der Wind vorbeizischt. Aber da spüre ich den Boden der Maschine schon nicht mehr. Wir fallen bereits.
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