magazin/familie

Audio-Tour führt Touristen und Einheimische zu Affenkopf und Grüner Hölle

(Bollendorf) Natur und neueste Technik passen zusammen – das beweist die Hörwanderung Grüne Hölle. Die sieben Kilometer lange Strecke führt Wanderer durch den Bollendorfer Wald. Das Besondere: Mit Hilfe eines MP3-Players erfahren Naturbegeisterte an zehn Hörstationen, was sich hinter der Grünen Hölle verbirgt.
Podcast
Es knirscht unter den Wanderschuhen. Ringsherum knarzen die Bäume. Frische Waldluft strömt in die Nase – Naturidylle pur. Doch dann durchbricht ein walduntypisches Geräusch die Stille: Die Bollendorfer Wandermusikanten stimmen ein fröhliches Ständchen an – begleitet von Waschbrett und Teufelsgeige. Die Musik kommt aus einem winzigen Lautsprecher, der an einen iPod angeschlossen ist, und gibt dem Wanderer Kraft für die bevorstehenden sieben Kilometer durch das Felsenland Südeifel.

Der MP3-Player (iPod) liefert aber nicht nur die musikalische Begleitung auf der rund vierstündigen Tour, sondern sorgt auch für Orientierung. An zehn Hörstationen erklärt Marco Neises den Wanderern, was es an den jeweiligen Punkten zu sehen gibt. Der Radioreporter stammt selbst aus dem Eifeldorf und hatte die Idee zu der etwas anderen Wanderung. Die Intention: Neue Zielgruppen – vor allen Dingen Kinder – in die Natur zu locken und für das Wandern zu begeistern. Unterstützt wird Neises bei seinen Erklärungen von Bollendorfern, die von ihren Erfahrungen und Erlebnissen berichten. Allen voran Manfred Schmidt (Wanderführer) und Paul Colljung (Geschichtskenner), die sich in der Felsenlandschaft rund um ihr Heimatdorf bestens auskennen.

Felswand trägt
ein Affengesicht


Gleich an der zweiten Hörstation ist Fantasie gefragt. An einem Baum zeigt ein weißer Kreis mit einem lilafarbenen Kopfhörer und der Ziffer zwei dem Wanderer, dass es an dieser Stelle etwas Besonderes zu sehen gibt. Ein Klick auf den iPod, im Menü Stück Nummer zwei auswählen, und schon erzählt die Stimme von Marco Neises, woher der hoch in die Luft ragende Felsen vor den Wanderern seinen Namen hat. „Einige Menschen entdecken in diesem Felsen ein Affengesicht – einen Affen von der Seite“, erklärt Neises und wird dabei von im Hintergrund laufendem Affengeschrei begleitet.

An der Station „Grüne Hölle“, die der Hör-Wanderung ihren Namen gibt, wird es gespenstisch. Aus dem Lautsprecher knarzt es. Die in ein sattes Grün getränkten Felswände wirken bedrohlich. Mitten hindurch führt ein schmaler Weg. Was es mit der Farbe der Felswände auf sich hat – dazu hat Neises Felsen-Expertin Elke Wagner befragt: „Die Hölle ist so grün, weil hier ganz bestimmte Pflanzen wachsen“, erklärt sie. Weil der Luxemburger Sandstein Wasser aufnimmt, gedeihen auf ihm Algen, Moos und Flechten besonders gut. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen brauchen sie keine Erde oder Licht, sondern nur eine konstante Temperatur. Und die ist – das merken die Wanderer beim Gang durch die Hölle schnell – zwischen den Felswänden sehr niedrig.
Die vier Hör-Wanderer Beatrix und Klaus von Zedtwitz, Friederike Seiffe und Korbinian Krämer aus Köln hat der Temperatursturz in der Grünen Hölle nicht abgeschreckt. „Uns hat der Titel ‚Grüne Hölle‘ neugierig gemacht“, erzählt Beatrix von Zedtwitz. Ihre Erwartungen seien nicht enttäuscht worden. „Die Informationen werden ganz leicht verständlich vermittelt.“

Gipfelstürmer kommen an der Kreuzlay auf ihre Kosten. Am höchsten Punkt der Wanderung – 385 Meter über dem Meeresspiegel – können die Wanderer verschnaufen und die Aussicht auf die Burg Bollendorf genießen. Aus dem Lautsprecher gibt es die Informationen über die Geschichte des Gebäudes.

Dabei erfahren auch Marina Faber und ihr Mann Otmar noch etwas Neues über ihr Heimatdorf. Die beiden Bollendorfer sind auch mit dem Audiogerät unterwegs und überrascht, was es alles über ihr Zuhause zu berichten gibt. „Wir kennen die Gegend eigentlich schon sehr gut, weil wir oft wandern gehen. Diese kleinen Geschichten am Rande machen die Tour für uns wieder richtig interessant“, sagt Faber. So zeigt die Hör-Wanderung „Grüne Hölle“ nicht nur Touristen, sondern auch Einheimischen, welche Schätze die Felsenlandschaft Südeifel zu bieten hat.

Die schönsten Ziele der Region stellt die Volksfreund-Redaktion freitags auf der Seite „Tagestour“ vor.

Bilderstrecke zu dieser Tour, sowie Informationen zu allen bisher erschienenen Touren gibt es unter volksfreund.de/tagestour


Das könnte Sie auch interessieren






Anzeige