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Autor: Von unserem Redaktionsmitglied Sarah-Lena Gombert Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Robertville/Belgien Drucken

Auf dem Grund des Sees liegen spannende Geschichten

Mondlandschaft dort, wo sonst das kühle Badewasser lockt: Der Stausee im ostbelgischen Robertville steht wegen Bauarbeiten an der Staumauer leer. Doch auf Freizeitvergnügen müssen weder Einwohner noch Gäste verzichten. Am Samstag, 3. Juli, wird die "alternative touristische Saison" eröffnet.
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Ein unwirklicher Anblick. Der Boden ist eine Kraterlandschaft mit zentimeterbreiten Rissen zwischen den ausgetrockneten Erdplatten. Der Auftritt ist zunächst hart, dann gibt der weiche Untergrund schnell nach. Im Hintergrund fahren Autos und Lastwagen über das dürre Gerippe der Brücke, die normalerweise bis wenige Meter unterhalb der Fahrbahn im Wasser verschwindet. Doch nicht in diesem Sommer.
 
In diesem Sommer ist der Stausee von Robertville in Ostbelgien leer. Es riecht nach Harz und Erde statt nach Wasser und Sonnenmilch.
 
Der Grund dafür sind Bauarbeiten am Robertviller Staudamm, der wenige Kilometer außerhalb des kleinen Ortes liegt. "Normalerweise haben wir Badegäste", sagt Pierre Heinen, der Mann mit dem netten französischen Akzent vom Fremdenverkehrsverein Robertville, einer kleinen Gruppe von Freiwilligen, die sich ehrenamtlich um die Vermarktung des Sees kümmert.
 
Wen es in diesem Jahr ins zweisprachige Robertville verschlägt, der muss zwar auf Badespaß verzichten. Doch was sich rund um das kleine Seebad im Stil der 20er Jahre tut, ist allemal eine Reise wert. Die offizielle Eröffnung der "alternativen touristischen Saison" ist am Samstag, 3. Juli, um 14 Uhr auf dem Gelände des Seebads Robertville - sowohl für Einwohner als auch für Gäste ein einmaliges Spektakel.
 
"Dass der See auf dieses Niveau gesunken ist, haben wir seit mittlerweile 25 Jahren nicht mehr erlebt", sagt Pierre Heinen. Er selbst, der hier aufgewachsen ist, kann sich nicht daran erinnern.
 
Die Strukturen, die die Wasseroberfläche frei gibt, sind bemerkenswert. Durch das alte Tal schlängelt sich der kleine Bach, die Warche, in seinem natürlichen Bett. An seinem Ufer, normalerweise meterhoch mit Wasser bedeckt, sprießen wieder die ersten Grashalme aus dem Boden.
 
Dass das Wasser weg ist, eröffnet in diesem Sommer sowohl geschichtlich Interessierten als auch Sportlern außergewöhnliche Möglichkeiten in Robertville. Pierre Heinen deutet auf einen Pfad inmitten der ausgetrockneten Erdkruste des Sees. Dort verlief noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts, als der See angelegt wurde, die alte Straße nach Malmedy. Alte Brückenpfeiler aus Bruchstein erinnern heute - wieder - daran.
 
"Während des Leerstands wird die Brücke wieder nutzbar sein", sagt Pierre Heinen. Ein Stück Vergangenheit wird lebendig. "Wir bieten geführte Joggingtouren (21. Juli) durch den See an, außerdem Wanderungen rund um Robertville." Mit viel Mühe haben die Mitarbeiter des Fremdenverkehrsvereins Wanderkarten erstellt. "Dreisprachig natürlich", betont Pierre Heinen, schließlich spricht man in Robertville nicht nur Deutsch, sondern vor allem Französisch und auch Niederländisch. Übrigens: Wanderer sollten sich unbedingt nach der verträumten Burg Reinhardstein erkundigen, die direkt bei Robertville liegt.
 
Eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Fotografien zeigt spannende Geschichten - die Arbeiten an der Staumauer und die Auswirkungen, die der See auf das Leben der Robertviller hatte und immer noch hat. Sie ist gleich neben dem Seebad zu sehen, Eintritt kostenlos.
 
Wer es etwa actionreicher mag, kommt ebenfalls in Robertville auf seine Kosten. Am Seebad haben die Ehrenamtler einen "Laser-Shoot"-Parcours mit alten Ölfässern und Holzbarrikaden als Schutzschilden eingerichtet, eine Art Paintball ohne Farbe, das mit Infrarot-Licht funktioniert: Zielen, Abdrücken, "peep" - der Gegner ist getroffen. Hier sind Reaktionsgeschwindigkeit und absolute Konzentration gefragt.
 
Mit einem Affenzahn saust die für dieses Jahr eigens eingerichtete "Tirolienne"-Seilbahn quer über das leere Wasserbecken - nicht geeignet für schreckhafte Gemüter.
 
Abgerundet wird das Jahresprogramm durch große Feste, wie das Seefest, "fête du lac", das am 9. Juli stattfindet. Im September soll der Tiroler Abend zur Mordsgaudi werden. "Wir wollen einfach zeigen, dass man in Robertville nicht nur Wassersport treiben kann", betont Heinen. Wenn nach dem Besuch des Sees noch Zeit bleibt, lohnt sich ein Abstecher ins benachbarte Städtchen Malmedy mit seiner pittoresken Altstadt oder dem Brauereimuseum Bellevaux, das die Kunst des belgischen Bierbrauens zeigt.
 
Die schönsten Ziele der Region stellt die Volksfreund-Redaktion freitags auf der Seite "TV-Tagestour" vor. 
 



Informationen: 
Lage: Robertville liegt bei Malmedy in Ostbelgien und ist aus Richtung Prüm über die B 265, Grenzübergang Losheimergraben, zu erreichen. Die Fahrt dauert von Prüm aus etwa eine Dreiviertelstunde. Der See mit Badestrand ist im Ort ausgeschildert.

Vorsichtsmaßnahmen: Wegen des niedrigen Wasserstands ist es absolut verboten, am Robertviller See die vorgegebenen Wanderwege zu verlassen. Wer sich hier auf Tour begeben will, sollte unbedingt an festes Schuhwerk denken.

Essen und Trinken: Möglichkeiten zum Einkehren gibt es in Robertville selbst oder auch in den umliegenden Ortschaften Malmedy, Bütgenbach und Waimes.

Termine: Alle aktuellen Veranstaltungen in Robertville, auch die Termine für geführte Jogging- und Wandertouren sowie die Öffnungszeiten der Laser-Shoot-Anlage und der Seilbahn, werden auf der Internetseite des örtlichen Fremdenverkehsvereins angekündigt: www.robertville.be

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen gibt es auch per E-Mail an info@robertville.be oder per Telefon unter 0032/80446475 
 



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