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Baden wie Kleopatra

(Bad Bertrich) Tagestour: Salz, Wildrosenöl oder Massage mit heißen Steinen – In der Vulkaneifel Therme werden die Sinne der Besucher angesprochen Die Vulkaneifel Therme in Bad Bertrich ist die einzige Glaubersalztherme Deutschlands. Was das Bad außer Salz auf der Haut noch bietet, hat sich TV-Redaktionsmitglied Juliane Renk angeschaut.
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Nein, die Dame, die in der Wanne ruht, ist nicht Kleopatra. Dennoch haben die 48-Jährige aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich und die ägyptische Königin eine Gemeinsamkeit: ihre Vorliebe für ein milchig schimmerndes Bad. Doch während luxuriöse Bäder für die Ägypterin zum Alltag gehörten, sind sie für die Moselanerin etwas Besonderes.

Atmosphäre

Kerzenlicht flackert und Klaviermusik ertönt, als Physiotherapeutin Petra Görgen rote Rosenblätter aus der Hand rieseln. Lautlos fallen sie auf das 34 Grad warme Badewasser. Der Gutschein für das Rosenblütenbad war ein Geschenk ihrer Schwester zum Geburtstag. Gemeinsam verbringen die beiden nun einen Tag in der Therme. Während die eine badet, schwimmt die andere im vier auf acht Meter großen Innenbecken. Dass das Wasser nicht salzig schmeckt, obwohl es Glaubersalz enthält, liegt daran, dass die Salzkonzentration gering ist. Das Nass in den Becken ist genau in dem Zustand, in dem es der Vitalquelle etwa 2000 Meter tiefer entspringt. Auch für Trinkkuren wird das Quellwasser verwendet. Unter anderem soll es bei Magen- Darmerkrankungen und Stoffwechselkrankheiten helfen. Bei der Salzmassage wird es dann plötzlich sichtbar. Besucher können sich mit den weißen Kristallen einreiben lassen. Verschiedene Anwendungen stehen bei Physiotherapeutin Petra Görgen auf dem Programm. Bäder, Salzmassagen, Massagen mit heißen Steinen, Seifenschaum, Fango, schmerzlindernde Massagen für Kopfschmerzgeplagte oder Sportler. In Kombination mit dem Rosenblütenbad bekommt man auch eine Gesichtsmaske mit spezieller Massage, deshalb hat sie bereits eine Massagekerze angezündet. Da die Therme zum Kurbetrieb der Stadt gehört, haben alle Masseure auch medizinisches Fachwissen, erklärt Görgen. Dies unterscheidet das Personal der Eifeltherme von anderen Häusern, die sich auf Wellness spezialisiert haben, und selten Kenntnisse von der Lage der inneren Organe mitbringen müssen. Während der Gast in der Badewanne ruht, arbeitet ein Mann eifrig. Seine Arbeitskleidung besteht lediglich aus einem Handtuch: Saunameister Günther Obels.

Schwitzen

Der 41-Jährige ist Herr über ein arabisch anmutendes Areal mit Dampfbad, Außenschwimmbecken und vier Saunen. In ihnen finden insgesamt etwa 100 Menschen Platz. Durch eine Glastür gelangt der Besucher in einen runden Raum. Dort schlägt ihm eine unglaubliche Hitze und Nebel entgegen – kein Zweifel, man betritt das Dampfbad mit seinen rund 50 Grad Celsius. Ein schwarzer, runder Kuppelhimmel, der mit kleinen Leuchten übersät ist, die die Farben wechseln, verleiht dem Raum eine besondere Atmosphäre. In die Wand eingelassene Nischen bieten sieben Ruheplätze. Der Saunameister muss für Ruhe sorgen, wenn es unter den Gästen laut wird und ist für die stündlichen Aufgüsse in der Schiefersauna zuständig. Gerade trägt er eine grüne Plastikgießkanne und lässt das Wasser auf die Fliesen in der Sauna und im Flur plätschern, um die Salzrückstände wegzuspülen. Dann kehrt er in den Saunavorbereitungsraum zurück, greift in ein Regal mit etwa 30 grünen Flaschen und zieht eine heraus. Er wird einen Pfefferminzaufguss herstellen. Die Dame liegt inzwischen eingehüllt in ein Handtuch auf der Liege. Petra Görgen gießt sich das Wachs der Massagekerze auf die Hand. „Keine Angst, das ist kein richtiges Wachs, das wäre viel zu heiß, sondern es sind Öle, die in die Haut einziehen“ erklärt sie.

Massage

Langsam massiert Görgen Beine, Füße, Hände und Rücken. Lässt sich immer wieder Wachs der Massagekerze mit Wildrosenduft in die Hand tropfen, bevor sie die Haut knetet. „Das riecht so gut und ich habe jetzt ein ganz heißes Gesicht, obwohl ich sonst immer friere“, sagt die Dame. Als die Physiotherapeutin aufhört, erntet sie Bedauern. „Das war ein ganz tolles Erlebnis, obwohl ich normalerweise nicht gerne bade, weil ich dazu keine Geduld habe“, sagt sie. Außerdem hat sie sich so entspannt, dass sie nur grob schätzen kann, wie viel Uhr es ist.Während die 48-Jährige ihren Gedanken nachhängt, lässt Petra Görgen bereits die nächsten Rosenblätter in die Wanne fallen.

Extra


Die Vulkaneifel Therme in Bad Bertrich ist im Mai 2010 eröffnet worden. Zwei Jahre hat der Bau der Anlage über zwei Etagen für rund 15 Millionen gedauert. Den Hauptanteil der Kosten hat das Land übernommen. 40 Menschen arbeiten in der Therme, zu der auch ein Restaurant und Ruhebereiche gehören. Rund 150 000 Gäste besuchen jährlich die Therme. Das Glaubersalz des Bades kommt aus der Vitalquelle. Der Chemiker Johann Rudolph Glauber entdeckte den Stoff. Glaubersalz ist chemisch Natriumsulfat, ein Gemisch aus Kochsalz und Schwefelsäure. jur Die Physiotherapeutin schüttet das warme Wachs in ihre Hand. Anschließend massiert sie es in die Haut der Dame ein. Auch Füße und Hände gehören mit zum Programm.

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