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Das Straßenbahn- und Busmuseum Luxemburg

(Luxemburg) Als Romain Rech den Hebel umlegt, geht ein Ruck durchs Abteil. Die Fahrgäste rutschen in ihren Sitzen ein Stück nach vorn, einige halten sich an den Lehnen fest. Mit einem Rattern setzen sich die 13 Tonnen der Tram mit der Nummer 26 in Bewegung.
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"Ich weiß noch genau, wie ich mit der Straßenbahn durch die Groussgaass gefahren bin", sagt Yvon Diederich. "Zum Ein- und Aussteigen hatten wir unsere ganz eigene Technik", ergänzt Henri Wilmes. "Wir wussten, an welchen Stellen die Wagen langsamer waren. Da sind wir dann einfach während der Fahrt in der Kurve abgestiegen."

Die anderen Insassen nicken, einige schmunzeln. Die zwölf Männer - alle im Anzug, die meisten mit Schlips - sitzen in einer Tram des Straßenbahn- und Busmuseums der Stadt Luxemburg. Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, führt wenige Meter vor die Museumshalle und wieder zurück. Am Steuer steht Museumsleiter Romain Rech. In Luxemburg selbst fahren heute nur noch Busse.

Die letzte Straßenbahn hat ihren Betrieb 1964 eingestellt. Rechs Fahrgäste können sich daran noch gut erinnern. Gemeinsam besuchten sie das Lycée de Garçons, eine Oberschule für Jungen auf dem Limpertsberg, die sie 1959 abgeschlossen haben. Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Schule stiegen die meisten von ihnen in eine Tram.

Im Gegensatz zu den Museumsbesuchern kann sich Rech nicht mehr an die Straßenbahnen erinnern. "Ich war eineinhalb Jahre alt, als die letzte Bahn gefahren ist. Meine Eltern haben mich oft in einer Tram mit in die Stadt genommen. Das weiß ich aber nur aus Erzählungen", sagt Rech. "Die Schienen habe ich aber immer noch vor Augen. Sie lagen noch lange danach auf den Straßen." Schon als kleines Kind haben ihn große Fahrzeuge fasziniert. "Damals wollte ich Lokomotivführer werden", sagt er. Als der heute 49-Jährige alt genug dafür war, gab es jedoch einen Einstellungsstopp bei der Luxemburgischen Eisenbahngesellschaft. Als dieser aufgehoben wurde, war Rech zu alt. Den großen Maschinen blieb er dennoch treu. "Stattdessen wurde ich Busfahrer. Ich habe den Busführerschein gleich mit 21 Jahren gemacht", erzählt Rech. 25 Jahre lang saß er am Steuer, seit drei Jahren ist er nun für das Straßenbahn- und Busmuseum verantwortlich.

Auf 553 Quadratmetern erklärt er dessen Besuchern die Geschichte der Luxemburgischen Verkehrsbetriebe von 1875 bis heute. Selten sind sie so gut informiert wie die Abschlussklasse von 1959. Die ehemaligen Schüler des Lycée de Garçons kennen sich aus. Immer wieder stellt Rech Fragen, die die Gruppe mühelos beantwortet. Mit Anekdoten hält er die Männer bei Laune - wenn er etwa erzählt, dass der Arbeitstag der Pferde, die die Wagen zogen, als sie noch nicht elektrisch waren, bereits nach acht Stunden beendet war. Die Fahrer mussten hingegen noch zwölf Stunden ran. Rechs Arbeitstag ist früher beendet. Häufig hat er Klassen zu Gast. Auch wenn heute nur noch wenige Schüler davon träumen, Lokomotivführer oder Straßenbahnfahrer zu werden, für den Museumsleiter ist es jedes Mal ein Erlebnis, am Ende der Führung eine Tram aus dem Museum zu steuern. 



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