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Ein Fest für die Nase

(Merzig) D as ist zum Schreien schön", sagt eine Frau, nachdem sie den Rosengarten betreten hat. Wohin sie blickt, blühende Rosen in Weiß, Zartrosa, Rosa und kräftigem Pink.
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Sie greift nach einer Blüte und schnuppert an ihr. "Himmlisch" sagt sie. So verhalten sich viele. Fast jeder steckt instinktiv seine Nase in die Rosen.
Nicht von ungefähr nennt Gartenführerin Hannelore Engels diesen Bereich "den Garten für die Nase". In acht weiteren Abschnitten der Anlage, wie dem Tast- oder dem Klanggarten, sind andere Sinne gefragt. Egal, ob riechen oder tasten, wer den Garten der Sinne genießen möchte, sollte Zeit mitbringen. Schließlich lässt sich auf einer Bank im Schatten, unter einem Rosenbogen sitzend, auch der Nasengarten anders wahrnehmen. Knapp 50 Rosensorten blühen derzeit. Klar, dass das intensiv duftet. Doch die Menge allein machts nicht.
"Moderne Rosen haben kaum noch Duft, der unvergleichliche Duft kommt von den historischen Rosen", erklärt Engels. Damit meint sie Züchtungen, die vor 1870 gezogen wurden. Sie heißen Chapeau de Napoléon, Marie Louise oder Madame Lauriol de Barny, wie die 1868 von Trouillard gezüchtete Rose. Überhaupt sind die französischen Kreationen gut vertreten. In Merzig blühen sogar Sorten, die ebenfalls in Malmaison, dem berühmten Garten von Kaiserin Joséphine, die einst Napoleons Ehefrau war, wachsen.
"Die ältesten Pflanzen im Garten der Sinne stammen allerdings nicht aus Europa, sondern aus Kleinasien. Die Damaszener-Rosen sind uralt", erzählt Engels. Schon 1000 vor Christus kannte man sie auf einer griechischen Insel. Bekannt sind und waren sie für ihren außergewöhnlichen Duft. So tauchen sie sogar in der Erzählung von 1001 Nacht auf.
Im Rosengarten lohnt der Blick fürs Detail: Unter den knapp 50 Rosenarten verbergen sich einige Raritäten wie eine grün blühende, chinesische Rose.
Beim Betrachten der Blumen wird bereits ein anderer Sinn geweckt: Metallene Töne werden aus dem Klanggarten herübergetragen. An sieben Installationen kann man selbst Hand anlegen und so Geräusche erzeugen. Die hellen, metallenen Töne kommen von einem übermannsgroßen Glockenspiel, dessen einzelne Klangröhren durch Anstoßen zum Klingen gebracht werden können. Etwa zehn Meter davon entfernt hängt ein Metallbrett in einen Rahmen eingespannt. Wer mit dem Gummihammer zuschlägt, erhält dunkle Töne zurück. Nachdem Ohren, Augen und Nase schon gefordert worden sind, kommen im Tastgarten die Hände und der Gaumen zum Einsatz.
Der Woll-Ziest fühlt sich gut an. Seine Blätter und der Stängel sind weich wie ein Plüschtier, obwohl es sich um einen Bodendecker handelt. Doch da er mit weißen, weichen Härchen übersäht ist, ist er kuscheligweich. Da verweilen die Hände gerne. Bei der stacheligen Berberitze dagegen schwindet die Lust sie anzufassen schnell. Erholung bietet die Fetthenne. Das Dickblattgewächs lädt zwar keineswegs zum Streicheln ein, aber glatt und fleischig, siegt eindeutig gegen stachelig. Im Tastgarten wachsen auch eine Menge Kräuter, die nicht nur gut riechen. Hinter Myrrhis oder auch wildem Anis verbirgt sich ein nach Lakritz schmeckendes Kraut. Thymian, Salbei und Zitronenmelisse kann man ebenfalls kosten.
Müden Füßen nach und während der Tour kann ein Zwischenstopp im Wassergarten helfen. Die Füße oder Hände in die Becken zu stecken ist erlaubt. Außerdem sind fitte Beine für den Abschluss der Tour erforderlich. Denn nur 20 Minuten vom Garten der Sinne befindet sich einer der schönsten und bekanntesten Aussichtspunkte im Saarland: die Cloef in Orscholz. Bis zum Aussichtspunkt sind etwa fünf Minuten Fußweg durch den Wald zurückzulegen. Der Ausblick lohnt sich und ist einzigartig: die glitzernde Saarschleife, umgeben von tiefgrünen Wäldern.
Juliane Renk
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