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Ein Stück Heimatgeschichte tief unter der Erde

(Fell) Der Bauhelm sitzt, die Jacke auch: Auf geht es mit der Tagestour des Trierischen Volksfreunds in das Besucherbergwerk Fell. Dorthin, wo Männer ihren Lebensunterhalt verdienten, und wo heute Fledermäuse schlafen.
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Ein leichter Schlag auf den Kopf, um zu prüfen, ob der Bauhelm auch richtig sitzt – und dann geht es ab in den Schlund der Grube „Hoffnung“. Der Tunnel, den die Besuchergruppe betritt, ist der Eingang zum Besucherbergwerk Fell, das sich im Noßerntal zwischen den beiden Gemeinden Fell und Thomm erstreckt.

Was bis vor Jahrzehnten noch ein wichtiger Wirtschaftsbetrieb für die Region war, ist heute zu einem Touristenmagneten geworden. Mehr als 230 000 Menschen haben sich nach Angaben des Betreibers das Besucherbergwerk seit seiner Eröffnung im Jahr 1997 schon angesehen.

Niemals wärmer als 13 Grad

Sobald man den Stollen betritt, wird es kühl. Hier, im Inneren des Bergs, wo früher die mit Schiefer beladenen Loren rollten, wird es niemals wärmer als 13 Grad – vor allem in den Sommermonaten merkt man den Temperaturunterschied enorm. Einen warmen Pullover sollte man also unbedingt mitbringen. Immerhin dauert die Führung eine gute Stunde.

Elias (3 Jahre) aus Remchingen bei Karlsruhe packt seine Mama fest bei der Hand und sieht sich mit großen Augen um. Die vor Nässe glänzenden Felsen in diesem schummrigen Licht – das ist kein alltäglicher Anblick für den Jungen, der mit seiner ganzen Familie Urlaub an der Mosel macht. Angst, nein, Angst hat er aber nicht.

Erster Eindruck im kleinen Museum

Einen ersten Eindruck dessen, was einen unter Tage erwartet, hat sich die Gruppe schon in dem kleinen Bergbaumuseum verschaffen können, das sich gleich links vor dem Eingang des Bergwerks befindet.

Bald hat die Gruppe die erste Station auf dem Rundweg erreicht. Tageslicht gibt es hier keines mehr, doch die Lampen an den Felswänden tauchen die Grube Hoffnung in ein angenehmes Zwielicht. „Hoffnung heißt diese Grube aus zwei Gründen“, erklärt Karl-Josef Schneider, einer von sechs Führern im Besucherbergwerk Fell.

„Die Männer hofften, hier viel Schiefer zu finden, damit sich die schwere Arbeit auch lohnt. Und sie hofften vor allem, abends wieder gesund nach Hause zu kommen – was nicht selbstverständlich war.“ Hier, bei der ersten Station, wartet auch die erste von vielen Puppen auf die Besuchergruppe. Die Puppen sollen die Arbeit der Bergleute veranschaulichen – vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Beliebtes Baumaterial auch bei den Römern

Das Besucherbergwerk gibt es seit 1997. Die beiden typischen Dachschiefergruben, die die Gäste besichtigen können, sind aber schon viel älter. Die Grube Hoffnung ist Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Die Grube „Barbara“, benannt nach der Schutzpatronin der Bergleute, seit 1908.

„Schiefer wurde hier schon viel früher abgebaut“, erklärt Schneider. Bereits die Römer hätten Schiefer für ihre Bauten benutzt – allerdings nur für die Wandverkleidung, nicht für das Dach. „Der Grund dafür ist einfach: Schiefer, der über Tage abgebaut wird, wird schnell rissig und ist deshalb nicht für Dächer geeignet.“

Die Männer und Jungen, die hier in den Gruben gearbeitet haben, kamen vor allem aus Fell und Thomm. „Darum gab es auch die sogenannten Suppenjungen in den Dörfern“, sagt Schneider. Suppenjungen waren Kinder, die früher aus der Schule heimgeschickt wurden, um ihren Vätern im Bergwerk etwas zu essen vorbeizubringen. Viele von ihnen arbeiteten später selbst im Bergwerk.

Schrämen, Abkeilen und Bohren

Und die Arbeit war alles andere als leicht: Der Schiefer wurde unter Tage durch Schrämen (Meißeln) und Abkeilen und durch Bohren und „Schießen“ (Sprengen) abgebaut. Die Steine wurden dann in möglichst großen Blöcken nach über Tage gefördert.

Dort wurden die großen Platten in kleine Blöcke zerlegt („geköpft“), die dann in dünne Platten gespalten wurden. Mit der Schieferschere wurden die Platten in Form gehauen und kamen als Dachschieferplatten (bekannt als „blauen Leien“) in den Handel.

Die ersten Takte des Steigerlieds

Es ist dunkel, stockfinster. Man sieht die Hand vor den Augen nicht, nachdem Schneider das Licht ausgeschaltet hat. Ein bisschen mulmig wird einem schon zumute, hier, tief im Inneren des Bergs. Auch die anderen Besucher sind jetzt ganz still geworden.

Doch nach wenigen Augenblicken flackert in einer Ecke der großen Halle, die wegen ihrer Höhe auch „der Dom“ genannt wird, ein rotes Licht auf. Damit wird ein Sonnenaufgang simuliert, wie Schneider später erklärt. Zeitgleich ertönen die ersten Takte des Steigerlieds.

Und das Leben, das die Männer führten, die hier, tief im Berg, Tag für Tag Schiefer abbauen mussten, ist mit einem Mal viel plastischer geworden. Die Besuchergruppe macht sich nach diesem eindrucksvollen Programmpunkt weiter auf. „Ich freue mich schon wieder ein bisschen auf das Tageslicht“, sagt jemand.

Winterquartier für Fledermäuse

In den Wintermonaten ist das Besucherbergwerk geschlossen. Nicht nur, weil es dann zu kalt ist. Sondern auch, um die Fledermäuse, die hier überwintern, zu schützen.

Die Führung endet mit einem kleinen Anstieg: Die Gruppe geht den Berg hinauf – diesmal über Tage – zurück zum Eingang des Bergwerks. „Die Führung war toll“, sagt eine Mutter. Auch für Kinder sei sie sehr gut geeignet, „weil sie auch nicht zu lang ist.“ Außerdem: Wann darf man schon mal so einen schicken Bauhelm tragen?



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