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Autor: Von unserem Redaktionsmitglied Sarah-Lena Gombert Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken

Ein Tor zwischen Krieg und Frieden

In vielen historischen Bauten der Welt werden Führungen für Einheimische und Touristen angeboten. So auch in Triers Wahrzeichen, der Porta Nigra. Doch wer bei der Erlebnisführung der Touristinformation einen trockenen geschichtlichen Vortrag erwartet, der irrt.
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Das schwere Tor fällt zu. Es ist kühl hier, hinter der meterdicken Außenmauer. Die Besuchergruppe, die eben noch auf dem lauten, sonnigen Vorplatz der Porta stand, ist allein. Aber nicht lange. „Ihr könnt stolz sein, euch fortan Diener des römischen Imperiums nennen zu dürfen!“ Rau, spöttisch und gebieterisch klingt die Männerstimme, die durch das Halbdunkel im Inneren der Porta Nigra hallt. Kurz darauf hört man das rasche Klatschen von Ledersandalen auf dem nackten, abgetretenen Stein der Wendeltreppe. Dann wieder diese Stimme: „Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet.“ Ein mulmiges Gefühl macht sich breit.

Allein die Wegbeschreibung der Dame am Schalter der Touristinformation hatte schon ein wenig stutzig gemacht: „Gehen Sie doch zu dem großen Stahltor gleich neben der Porta, da holt Sie ein Römer ab!“ Dazu ein wissendes Grinsen.

Plötzlich steht da ein merkwürdig gekleideter Mann vor der Gruppe, mit goldenem Brustpanzer und roter Tunika. „Ich bin euer Zenturio“, sagt der Namenlose. „Und ihr seid nun meine Soldaten.“ Dann erklärt er den Touristen, dass sie keinesfalls zur Unterhaltung hier seien. „Ihr seid die neue Wachmannschaft, die die Stadt Treveris von diesem Tor aus vor den Germanen beschützen muss.“ Es folgt eine Einführung in die Kriegskunst. Warum ist Pech ein gutes Mittel, um Belagerer abzuwehren? Woher werden die ungewaschenen Barbaren angreifen? Der Zenturio deutet gen Trier-Nord: „Von dort aus droht Gefahr, von dort beobachten die Eindringlinge gierig unseren römischen Wohlstand!“ Darum hätten die Römer die Porta Martis, benannt nach dem römischen Kriegsgott, mit ihren 132 Fenstern auch ans nördliche Ende Triers gebaut.

Dann geht es weiter: „Ihr werdet noch lernen, was es heißt, bei der Legion zu sein!“ Um seinen Zuschauern einen Schrecken einzujagen, legt sich Thom Nowotny, wie sich der Schauspieler nennt, der natürlich kein echter Zenturio ist, mächtig ins Zeug: Hinab in die Keller der Porta führt er die Gruppe.


Kälte macht sich breit, die sommerlich bekleideten Touristen klagen schnell über Gänsehaut. Der lose Sandboden knirscht unter den Schuhen. Das elektrische Licht geht aus, und Fackelschein tanzt gespenstisch über die rohen Steine. Geruch von Petroleum liegt in der Luft. Aus versteckten Lautsprechern dröhnen dumpfe Töne. Hier unten, abgeschnitten von der Außenwelt, versetzt in eine längst vergangene Zeit, verrät der launische Zenturio seiner Gruppe dann sein großes Geheimnis. Denn ein gewöhnlicher Zenturio ist er keineswegs. Ob man ihm glauben kann?

Die szenische Führung, die aus der Feder von Regisseur Alexander Etzel-Ragusa stammt, ist spannend, die Zeit vergeht wie im Fluge. Wer eine trockene und nüchterne Museumsführung vermutet, liegt eindeutig falsch. Nebenbei, fast schon unbemerkt, schmuggelt der hagere Mann mit den schwarz geschminkten Augen wissenswerte Eckdaten über die Geschichte des Trierer Denkmals, der ganzen Stadt, der europäischen Geschichte in sein Schauspiel. Lateinunterricht gibt es gleich dazu: „Seque!“ (Folge mir!) ruft der Zenturio, wenn er durch die Gänge schreitet.

Als Architekt erklärt er den Besuchern, wie die Porta im Mittelalter zur Simeonskirche umgebaut wurde. In der Rolle des kauzigen Hausmeisters referiert er nonchalant über die vielen Heiligsprechungen, an die die verwitterten Reliefs, die aus den Kirchenzeiten der Porta stammen, noch heute erinnern: „Man kommt einfach kurz nach Trier, und – schwupps – ist man heilig gesprochen!“ Wer sich das alles merken will, muss gut zuhören.

Für Kinder ist die Erlebnisführung jedoch nicht geeignet: „Ich habe mich schon gefürchtet“, sagt die zwölfjährige Saskia Lehnert. Ohne ihre Mutter wäre sie nicht mitgegangen. Und auch wer mit dem Gehen Probleme hat, sollte aufgrund der Treppen von der Führung Abstand nehmen.

„Die Reaktionen der Zuschauer sind völlig unterschiedlich“, sagt Thom Nowotny. Der 44-Jährige mit Stoppelbart und Pferdezopf ist einer von insgesamt sechs Schauspielern, die den zwielichtigen Zenturio mimen. Wie viele Vorstellungen er schon gegeben hat, weiß er nicht. „Mehr als tausend“ seien es bestimmt. Kein Wunder: In der Hochsaison gibt es bis zu sechs Führungen pro Tag. Aber auch im Winter, wenn sich nur hart gesottene Touristen auf die zugige Porta wagen, macht er keine Pause. „Im Winter ist das ganz schön kalt, mit Tunika und Sandalen herumzulaufen.“

Die schönsten Ziele der Region stellt die Volksfreund-Redaktion immer freitags auf der Seite „TV-Tagestour“ im Lokalteil vor. Dabei geben wir alle Informationen und Tipps zu lohnenden Sehenswürdigkeiten, tollen Fahrrad- und Wandertouren sowie zahlreichen weiteren Freizeitaktivitäten zu Land, zu Wasser oder in der Luft.

Service

Das Geheimnis der Porta Nigra – Ein Monument zwischen Krieg und Frieden

Führungszeiten: April bis Oktober: freitags 15 Uhr, samstags 13.15 und 15 Uhr, sonn- und feiertags 11.30 und 14 Uhr, mittwochs (ab Juli) 15 Uhr. November/Dezember: Samstage im Advent jeweils 15 Uhr. Andere Termine für Schulklassen, Betriebe, größere Gruppen nach Absprache.

Eintrittspreise: Erwachsene zahlen 11,50 Euro. Kinder (6 bis 14 Jahre) sowie Studenten und Schüler zahlen 7,50 Euro. Familien (Eltern mit maximal vier Kindern) zahlen zusammen 27 Euro.

Tipps: Die Führung dauert rund 75 Minuten und ist aufgrund der vielen Treppen in der Porta nicht für gehbehinderte Menschen geeignet. Für Kinder unter 12 Jahren ist die Führung nur in Begleitung eines Erwachsenen zu empfehlen, da sie stellenweise sehr gruselig ist.

Kontakt:Touristinformation Trier, An der Porta Nigra, 54290 Trier, Telefon 0651/978080, E-Mail: info@erlebnisfuehrungen.de, im Internet unter www.erlebnisfuehrungen.de




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