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Einfach mal treiben lassen

(Bollendorf/Minden) Sportlich entspannen: Vorbei an idyllischen Wiesen und Wäldern führt eine Kanutour auf der Sauer Majestätische Bauten, historische Brücken, wildes Flusstal: Beim Kanufahren geht es auf rund 18 Kilometern von Bollendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) nach Minden auf dem Grenzflüsschen zwischen Deutschland und Luxemburg durch die Natur.
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Ruhig liegt sie da, die Sauer. Gemächlich windet sie sich das Tal entlang. Nur die Sonnenstrahlen tanzen auf der Wasseroberfläche. Dann: Ein großer Schubs – und ein rotes Boot nach dem anderen macht sich auf den Weg flussabwärts. Sanfte Wellen begleiten die Kanu-Karawane die Sauer hinunter Richtung Minden. Zweimal am Tag können die Kanuten in Bollendorf ablegen.

Kurz zuvor wurden dort am Campingplatz Altschmiede Paddel und – passend zum großen roten Kunststoff-Kanu Typ Canadier – dicke rote Schwimmwesten verteilt. „Für die, die auf dem Wasser etwas ängstlich sind“, erläutert Monika Richard, die gemeinsam mit ihrem Mann Carlo den Kanuverleih betreibt. Ein Muss sind die Westen aber nicht.

Nach ein paar Hundert Metern ist der Campingplatz außer Sichtweite. Hoch über dem Flüsschen taucht die Burg Bollendorf auf. Das Haupthaus blickt mit der weißverputzten Front und dem kleinen Rundturm von seinem erhabenen Felsen auf die Kanuten herab. Wie Papierschiffchen wirken die Canadier vor dieser majestätischen Kulisse. Die meisten Fahrer rudern ganz gemütlich den Fluss entlang. Oder lassen sich von der leichten Strömung treiben. Es geht aber auch sportlich: Zwischen einer Gruppe Jugendlicher ist ein Wettkampf entbrannt. Im Gleichklang schlagen die Paddel ins Wasser – wie Profis beim Rennen.

Die Boote haben schon etliche dieser Fahrten miterlebt. Wasser, Sträucher und Steine haben ihre Spuren auf der Oberfläche hinterlassen. An einigen Stellen ist die Farbe verblasst. Auf der Sauer ist das Kanu aber ein treuer Gefährte: Ruhig liegt es auf dem Wasser, problemlos lässt es sich auf dem Grenzflüsschen zwischen Deutschland und Luxemburg steuern.

Eingerahmt von Bäumen und Sträuchern liegt die Sauer vor den Kanufahrern. Die Natur scheint unberührt. Enten, Gänse und Schwäne tummeln sich auf dem Fluss. Felsen durchbrechen sanft das Wasser. Ganz ohne Spuren der Zivilisation geht es aber nicht: ein roter Luftballon treibt an der Oberfläche, ein altes Kanu ruht mit der Unterseite nach oben verkeilt im Gestrüpp des Ufers. Wege schmiegen sich in regelmäßigen Abständen an den Flusslauf. Fahrradfahrer und Wanderer begleiten die Kanuten ein Stück ihres Weges. Kleine Anlegestellen weisen auf die Orte hin, die sich meist hinter der dichten Wand aus Bäumen verbergen.

Zu nah ans Ufer sollen die Kanufahrer aber nicht steuern. „Aus Gründen des Naturschutzes“, sagt Carlo Richard. Eine kleine Pause auf den Felsen direkt im Wasser lassen sich ein paar Kanuten aber nicht nehmen.

Über kleinere Stromschnellen und unter fünf Brücken führt die Strecke hindurch. Jede anders als die vorherige: Schon von weitem ragt die überdachte Holzwanderbrücke bei Weilerbach über dem Fluss. Ganz anders dagegen die alte Stein-Autobrücke bei Echternach. Ihre niedrigen Rundbögen scheinen zum Greifen nahe.

18 Kilometer geht es so flussabwärts Richtung Minden – bis zu dem leuchtend roten Kajak, das kurz vor der Mündung der Prüm in die Sauer am linken Ufer das Signal zum Aussteigen gibt. Dort nimmt Willy Slegers die Kanuten nach rund drei Stunden in Empfang. Wenn die Fahrer den Kurs halten. „Sonst können es auch schon mal mehr als 20 Kilometer sein“, erzählt der sympathische Belgier, der schon seit 42 Jahren auf dem Campingplatz arbeitet, mit einem Augenzwinkern. Ein bisschen nass, aber bezaubert von der Natur geht es dann im Kleinbus zurück nach Bollendorf.


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