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Festliche Stimmung in der frostigen Nordeifel

(Monschau) Ein lautes Gewirr von allerhand Sprachen, Abertausende Paar Füße, die im Gänsemarsch über das Kopfsteinpflaster drängen, blinkende Zipfelmützen – Weihnachtsmärkte können stressig sein. Den Markt in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Monschau sollte man trotzdem gesehen haben. Folgen wir dem Fluss!
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Leise gurgelnd schlängelt sich die Rur von ihrer belgischen Quelle durch das hohe Venn, ehe sie in einem kleinen Tal des Mittelgebirges die mittelalterliche Stadt Monschau von Südwesten her erreicht – die Stadt, deren Geschichte durch Wasser entscheidend geprägt wurde. Es ist kalt geworden in der Stadt, das sieht man auch dem Fluss an. Wie weiße Kissen sehen seine verschneiten Ufer aus. Die Wassertropfen an den letzten verdorrten Grashalmen sind zu funkelnden Eisperlen erstarrt.
Von einer hohen Steinmauer umschlossen fließt die Rur zunächst am Brauereimuseum entlang. Eigenes Bier wird in Monschau längst nicht mehr hergestellt. Doch die alten Kellergewölbe sind heute das ganze Jahr über für Besucher geöffnet. Und während der Weihnachtsmarkt-Wochenenden führen hier Laienschauspieler die Weihnachtsgeschichte im Wortlaut des Lukas-Evangeliums auf.

Lebende Krippe in der alten Bierbrauerei

Seit Jahren ist die „Lebende Krippe“ ein Publikumsmagnet des Monschauer Markts. Die recht einfach, aber liebevoll gestaltete Vorführung ist angenehm unaufgeregt und stimmt ihre Besucher auf besinnliche Weise auf das Weihnachtsfest ein.

Wir verlassen die Brauerei und folgen der Rur, stets im Schatten der Monschauer Burg, über die Stadtstraße vorbei am Handwerkermarkt und der Monschauer Glashütte, bevor es ins Zentrum geht. Dicht an dicht stehen nun die mit Schiefer gedeckten Häuser. Bald gelangen wir zu „Richters Eck“, dort, wo die evangelische Kirche steht – deren Eingang man nur über eine eigene Fußgängerbrücke quer über die Rur erreicht. Das Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert ist nicht nur wegen seiner Lage eine Besonderheit, sondern auch seine klassizistische Architektur sticht inmitten der zum Teil deutlich älteren Fachwerkhäuser hervor.

Rund um die Kirche befinden sich auch die ersten Buden des Monschauer Weihnachtsmarkts. Der typische Glühweingeruch, der Duft von Maroni und anderen winterlichen Köstlichkeiten ist in der winterlich kalten Luft besonders deutlich. Auch wenn wir uns auf der Rurstraße befinden, verlieren wir den Fluss für einige Meter aus den Augen, um ihm am Marktplatz wieder zu begegnen. Hier, auf dem alten Markt, zeugt der Weberbrunnen von der besonderen Bedeutung der Rur für die Stadt Monschau, die bis ins 19. Jahrhundert ihre hochwertigen und teuren Textilwaren weltweit exportierte. Das kalkarme Wasser eignete sich besonders zur Verarbeitung von Wolle.

Das imposante Monschauer Rote Haus, das heute ein Museum beherbergt, war Familiensitz der Scheiblers, einer der Tuchmacher-Dynastien der Stadt. Berühmt ist die über drei Etagen gebaute Wendeltreppe, in der 21 kleine Szenen an die verschiedenen Stationen der Tuchherstellung erinnern. Auch der Weberbrunnen am Marktplatz illustriert verschiedene handwerkliche Schritte, die zur Herstellung der Tuche nötig waren. Einheimisch war an den Monschauer Tuchen vor allem das Wasser – denn für die Stoffe setzte man bereits im 18. Jahrhundert auf besonders feine spanische Wolle.

Gleich hinter dem Marktplatz drängt sich das alte Aukloster an den Fluss. Während die Kirche noch für katholische Messfeiern genutzt wird, dient der Kreuzgang heute häufig als Raum für Kunstausstellungen – so auch momentan für eine fantasievolle Märchenausstellung. Skurril geformte Charaktere mit großen Glubschaugen lassen vor allem Kinderherzen höher schlagen.
Gleich hinter dem Aukloster, ein wenig versteckt, finden wir die letzten Buden des Weihnachtsmarkts. Hier bieten Händler französische Spezialitäten an – eine Hommage an Bourg-Saint-Andéol, die Partnerstadt Monschaus. Das Partnerschaftskomitee serviert hier einen von Einheimischen besonders geschätzten Glühwein, dessen Grundwein aus Frankreich stammt.


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