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Datum: 26. Oktober 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Miguel Castro Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Schiffweiler Drucken

Gondwana - das Praehistorium

Das Museum Gondwana im Saarland entführt Besucher in die Epochen der Ur-Kontinente und Dinosaurier.
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In sein Maul würde der Inhalt eines kompletten Einkaufswagens locker hineinpassen. Derzeit sind es die Reste eines Triceratops, der vor dem Tyrannosaurus Rex (T-Rex) am Boden liegt. Keiner wagt das Festmahl des gefräßigen Raubtiers an einem Bachlauf zu stören. Plötzlich hebt der T-Rex seinen Kopf, seine Zuschauer überragt er um eine Armeslänge. Ein furchterregendes Gebrüll erfüllt den Raum, das Raubtier dreht ruckartig sein massiges Haupt hinüber zur Besuchergruppe - jeder zuckt zusammen. Und das, obwohl sich hinter der bräunlich-schuppigen Haut des zähnefletschenden Dinos, in einem der Austellungsräume des Gondwana-Museums im saarländischen Schiffweiler nur eine Maschine versteckt, ähnlich einem Industrieroboter. Die echt wirkende Gestaltung des Körpers, die Umgebung - am engen Bachlauf muss jeder Besucher des Gondwana vorbei - und die Geräuschkulisse sorgen für Gänsehaut, mulmiges Gefühl und Nervenkitzel. "Unheimlich", sagen drei elf bis 13 Jahre alte Mädchen aus Zweibrücken und Frankfurt.

"Das ist noch ein Junges. Ein ausgewachsener T-Rex war doppelt so groß", erzählt Silvia Grosse. Für die Leiterin der Besucherbetreuung ist der hungrige Kerl das "Schätzchen", die Lieblingsfigur im vielfältigen Angebot des Museums. Grosse tritt näher heran, lacht. Der T-Rex brüllt.

2008 eröffnete das Gondwana auf dem Gelände eines einstigen Kohlebergwerks, auf 2400 Quadratmetern gehen Besucher auf Tuchfühlung zum Planeten Erde und dessen Bewohnern - aus der Zeit, bevor die ersten Menschen auf der Bildfläche erschienen. Eine "museale Erlebnisstätte" sei das Gondwana, sagt Grosse: Geschichte zum Erleben, Hören und Anfassen - die täuschend echt wirkenden Dinosaurier-Figuren sind allerdings für Besucherhände tabu.

Überhaupt ist das Museum alles andere als nur ein Dino-Park, lädt vielmehr junge und nicht mehr ganz so junge Geschichtsinteressierte zu einem wissenschaftlich fundierten und begleiteten Spaziergang durch längst vergangene Epochen der Erdentwicklung ein. Start ist das Kambrium: Vor 500 Millionen Jahren entwickeln sich aus ersten Urzellen größere Lebewesen in den Meeren. Tiere fangen an, Skelette und Schalen zu besitzen. Seeskorpione erreichen eine Länge von bis zu drei Metern.

Weiter geht es über die Silur- und Devonzeit zur Epoche des Karbons, allerdings ist auch diese Ära schon 300 Millionen Jahre vorbei. Riesige Insekten und Tausendfüßler bevölkern große Wälder. Danach geht es durch ein nur scheinbar trockenes Flussbett weiter zu Trias und Jura. Die ersten Dinosaurier geben sich die Ehre, erst noch klein, später riesig - und nicht immer so gefährlich wie der Tyrannosaurus: In einer Vitrine steht ein einzelner Oberschenkelknochen eines pflanzenfressenden Apatosauriers - so hoch wie ein Mensch. Der dazugehörige Koloss konnte eine Länge von bis zu 21 Metern erreichen.

Am Ende der Entwicklung, in der vergleichsweise erst vor 70 Millionen Jahren zurückliegenden Kreidezeit, wartet der T-Rex im letzten Raum auf die Besucher - wer sich an ihm vorbeiwagt, erlebt in einem 3D-Kino den visuell und optisch beeindruckend umgesetzten Aufprall eines Meteoriten auf die Erde und das Ende des Zeitalters der Saurier.

Das alles und mehr an spannenden Infos zur Geschichte der Erde vermitteln die Macher des Museums mittels Texttafeln, Bildern, Replikationen von Fossilien und Saurierknochen und vor allem mehreren von Künstlern gestalteten Räumen, in denen Besucher exemplarisch jeweilige Epochen mit allen Sinnen erleben können: ein Karbonwald, ein donnernder Wasserfall am Übergang von Perm zu Trias, der Bachlauf mit dem Tyrannosaurus oder gespenstische Stille im Kreide-Schnee von Südostaustralien - wer hier genauer hinschaut, entdeckt Dinos, die sich vor der Kälte in einen Baumstamm geflüchtet haben. Echt ist nur das Wasser, ebenso eine schwarzglänzende Schabe, die Museums-Mitarbeiter Werner Müller den Besuchern gerne präsentiert - eine Schabe, deren identische Vorfahren schon vor 300 Millionen Jahren existierten. Die Erlebnisräume stellen eine Annäherung an die Vorzeit dar, "so könnte es ausgesehen haben", sagt etwa Grosse im Karbonwald.

Noch ist mit dem Ende der Dinos auch Schluss mit dem Rundgang. Eine Erweiterung wird die Entwicklung der Menschheit einbeziehen. Geplant ist auch, die Dinos zum Laufen zu bringen. Rund um das Gondwana sollen sich auf dem ehemaligen Werksgelände zudem weitere (unabhängige) Freizeitangebote ansiedeln, etwa eine Rodelbahn. Im Museum lässt ein neueröffneter großer Indoor-Spielplatz Kinderherzen höherschlagen.

Die Ausstellung sei europaweit einzigartig, sagt Grosse, Besucher kämen auch aus den Niederlanden, Belgien und der näheren Umgebung. Eine von ihnen ist die sechsjährige Juliane. Auch sie hat den Rundgang gemeistert, jetzt steht sie vor dem T-Rex. Das Mädchen betrachtet den brüllenden König längst vergangener Raubtiere, den Blick nicht abwendend. "Angst habe ich nicht."

 



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Das Museum Gondwana im Saarland entführt Besucher in die Epochen der Ur-Kontinente und Dinosaurier.
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