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Gottes Werk und Teufels iPod

(Ernzen) Der TV testet vorab den neuen Audio-Guide, der Wanderer bei Ernzen durch dunkle Felsschluchten führt und die Erdzeitalter erklärt In das Vogelgezwitscher und das Knarzen der Bäume mischt sich für einige Besucher der Teufelsschlucht künftig ein weiteres Geräusch: ein hämisches, bedrohliches Lachen. Aus dem iPod.
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Es geht tief hinab, über schmale, von Blättern verdeckte Stufen. Die hohen Felsen schlucken das Tageslicht; Schritt für Schritt wird es dunkler. Ein Schauer läuft dem Wanderer über den Rücken. Binnen Sekunden wird es eisig kalt. „Einige scheinen hier schon dem Teufel begegnet zu sein“, sagt die Stimme, die aus dem Kopfhörer dringt. Dieser ist mit einem iPod verbunden: einem tragbaren Musikabspielgerät. Nur, dass in diesem Fall die Stimmen nicht Madonna oder den Rolling Stones gehören, sondern Elke Wagner und Marco Neises.

Von heute an führen die Archäologin und der Radioreporter jeden, der mehr über die zerklüfteten Felsformationen und die Geschichte der Region erfahren möchte, durch die Teufelsschlucht, das Landschaftsmuseum und die „Erdzeitschnecke“. Dazu haben sie Texte eingesprochen – nicht etwa im Tonstudio, sondern ganz authentisch, beim Wandern selbst. So sind sie fast hautnah dabei, führen den Blick des Besuchers und ziehen dabei den humorvollen Plauderton einer monotonen Vorlesestunde vor.

Die Erkundungstour startet am Besucherzentrum. Dort gibt's die bespielten iPods und Kopfhörer zur Ausleihe. Sprache wählen – Deutsch, Niederländisch oder Englisch, den ersten Titel ansteuern, los geht's. Flink lässt sich das Rädchen nach rechts und links drehen: entweder, um die Lautstärke zu verändern oder um das nächste Kapitel abzuspielen. „Narrensicher“, verspricht die Archäologin.

Es dauert nur wenige Sekunden, da meldet er sich auch schon persönlich zu Wort. Der Teufel. „Ich mach' euch gleich die Hölle heiß“, schallt es aus dem Kopfhörer, während der Wanderer den vielen Stufen hinab auf den Grund der von den Erdzeitaltern zerklüfteten Teufelsschlucht folgt.

Heiß? Von wegen! Im Sommer kann es zwischen den Wänden des Felsenlabyrinths bis zu 20 Grad kälter sein als vor dem Einstieg in die Unterwelt, weil sich die kalte Luft hier staut und mit dem Kondenswasser, das von den Wänden tropft, wie ein Kühlschrank wirkt. Wie ein Bad in einem Kaltluftsee, erklärt Neises.

Doch wie sind die Sandsteinfelsen entstanden? Das erklären die beiden Experten am nächsten Punkt. Neun sind es insgesamt: Erreicht der Wanderer eine der ausgewählten Stationen, spielt er das jeweilige Erklärungsstück ab – und erfährt zum Beispiel beim Betrachten der Felswand, dass hier früher der Grund eines urzeitlichen Meeres war. Die Geräusche des pfeifenden Windes und des knarzenden Holzes kommen aus dem iPod, umgeben den Hörer mit der Atmosphäre, wie sie hier vor vielen Milliarden Jahren herrschte.

Neises und Wagner begleiten den Abenteurer zu den verwitternden Baumriesen, die als Untote den Weg säumen, weiter zu den Wabenmustern im Gestein und zu den Aussichtsplateaus auf bemoosten Felsnasen.

Doch wer den Weg dorthin wirklich finden will, muss die Ohren spitzen – oder den Titel erneut abspielen. Und er muss mit festem Schuhwerk und wendig unterwegs sein, um die steilen und engen Pfade sicheren Schrittes zu meistern.

Hat der Teufel den Wanderer aus den tiefen Gefilden der Schlucht wieder ausgespuckt, wirbelt der Zeitenwanderer nach einem kurzen Fußmarsch mit dem „Radio Urknall“ durch die Erdzeitschnecke und damit in zehn Minuten durch 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte – mit kreischenden Flugsauriern und grölenden Urzeit-Echsen im Nacken. „Kino für die Ohren“, nennt Bruno Zwank das, Geschäftsführer der Naturerkundungsstation Teufelspark.

Zum Abschluss der Tour steigt der Besucher in der Ausstellung des Landschaftsmuseums in der Naturerkundungsstation in einen virtuellen Hubschrauber und fliegt zurück in die Eiszeit. Er lauscht schimpfenden Steinzeitjägern, schlüpft in ein Nomadenzelt, mahlt mit prähistorischen Werkzeugen Körner zu Mehl.

Bevor der Teufel ihn nach etwa drei Stunden mit einem hämischen Lachen in die Gegenwart entlässt. bec/jöl

Extra

Öffnungszeiten: Von heute an bis zum 1. November ist das Besucherzentrum wieder täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. In der „Teufelsküche“ gibt es Getränke und kleine Gerichte zur Stärkung zu kaufen.

Adresse: Naturerkundungsstation Teufelsschlucht: Ferschweilerstraße 50, Ernzen (zwischen Irrel und Echternach). Weitere Informationen unter Telefon: 06525/933930, E-Mail: info@teufelsschlucht. de oder im Internet unter www.teufelsschlucht.de

Kosten: Die Ausleihe der iPods kostet für den Einzelabenteurer 4,50 Euro, für Schulklassen 3 Euro pro Schüler. Ein Zusatzkopfhörer fürs Hören zu zweit kostet 1,50 Euro. Eine Anmeldung ist nur für Schulklassen und Gruppen notwendig.

Kindertauglichkeit: Der Rundgang mit den iPods ist für Kinder ab acht Jahren konzipiert. Ohne „Teufel" im Ohr können aber auch jüngere Besucher durch die Schlucht wandern.

Der iPod macht's möglich: Der Wanderer lässt sich über den Kopfhörer durch die Teufelsschlucht führen. Mit dem kleinen bunten Gerät wählt man die Stationen an. TV-Fotos: David Zapp (2), Ursula Quickert (1) Im Landschaftsmuseum wird der Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Epochen der Menschheitsgeschichte genommen. Auch die Römer dürfen da nicht fehlen.

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