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Datum: 09. November 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Nora John Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken

Mit Laufschuhen durch 2000 Jahre Geschichte

Tausend Mal vorbeigefahren, aber nie wirklich wahrgenommen: die Schönheiten und historischen Bauten in Trier. Für manch einen, der täglich in der ältesten Stadt zu tun hat, sind der Anblick von Kaiserthermen, Moselkränen oder Basilika vertraut. Aber wer weiß schon wirklich viel darüber? Bei einer Stadtführung im Laufschritt kann sich das ändern.
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Treffpunkt zur sportlichen Stadtführung ist der Fuß des Konstantin bei den Kaiserthermen. Es ist Samstagmorgen, 8 Uhr. Die römische Ruine liegt noch im Nebel, es ist kalt. Lauftrainer Jens Nagel gibt zu Beginn der Führung leichte Übungen zum Aufwärmen vor, während Stadtführerin Marita Kohl ihre Fähigkeiten zum Multitasking unter Beweis stellt. Während sie die Arme oder Beine kreisen lässt, erzählt sie von der langen Geschichte Triers.

Sie beginnt bei den Römern, die hier die Stadt gegründet haben. Rund 80 000 Menschen sollen damals in den ersten Jahrhunderten der modernen Zeitrechnung in Trier auf engem Raum gelebt haben. Die damalige Ansiedlung erstreckte sich zu dieser Zeit nur auf das Gebiet der ehemaligen Innenstadt. Dann trabt die Läufergruppe los. In gemächlichem Tempo geht es nach links bis zu einer Stelle, die einen guten Blick auf die Kaiserthermen ermöglicht. Der erste Zwischenstopp. Marita Kohl erklärt, dass damals in den Thermen Politik gemacht beziehungsweise unter den Mächtigen beim geselligen Baden gemauschelt worden ist.

Es geht weiter entlang der Südallee, dort wo zur Römerzeit die südliche Stadtmauer stand. Kleine Anekdoten bereichern die geschichtlichen Fakten. So soll es damals eine Familie gegeben haben, die ständig für Ärger sorgte. Diese wollte man nicht in der Stadt haben. Deshalb machte die Stadtmauer in der Nähe der Barbarathermen einen Knick, damit die Querulanten außen vor blieben.

Am Ende der Südallee geht es nach rechts, entlang der Mosel. Ein weiterer Zwischenstopp an der Römerbrücke. Wie vieles in Trier ist auch sie ein Superlativ, nämlich der älteste römische Brückenbau jenseits der Alpen. Von den sieben Pfeilern gehen noch fünf auf die Römerzeit zurück, deren dritte Bauphase im Jahr 152 nach Christus endete.
Der nächste Halt ist bei den Mosel-
kranen. Diese technischen Bauwerke dienten früher als Hebekräne zum Entladen der Schiffe. Der erste näher an der Römerbrücke gelegene stammt aus dem 15. Jahrhundert, der andere fast baugleiche aus dem 18.
Im Inneren sind zwei große Laufräder zu sehen, die an Hamsterräder erinnern. Darin liefen früher Menschen, um die Drehkräne zu bedienen.

Auf der weiteren Strecke sehen die Läufer auf der anderen Straßenseite alte kirchliche Einrichtungen wie zum Beispiel St. Irminen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war hier ein Nonnenkloster. An der Kaiser-Wilhelm-Brücke verlässt die Läufergruppe das Moselufer und läuft in Richtung Innenstadt vorbei an schönen Wohnhäusern. Entlang der Nordallee geht es zur Porta Nigra.
Marita Kohl hat auch hier Wissenswertes mitzuteilen. Zum Beispiel, dass schon zu früheren Zeiten Metall ein begehrtes Diebesgut war. Zahlreiche Löcher in dem Gemäuer zeugen davon, dass die Eisenklammern, die zur Befestigung der Steinquader dienten, geraubt wurden.

Der weitere Weg führt im Laufschritt durch die Trierer Einkaufstraße.

Nach wenigen Hundert Metern erneut ein kurzer Stopp. Die Fassade eines Hauses im maurischen Stil zeugt nach Aussage von Marita Kohl von der Geltungssucht seines damaligen Besitzers, der mit dieser Bauweise zeigen wollte, wie weit er herumgekommen war.

Im Stadtkern von Trier gibt es so viel Geschichte, dass die die Läufergruppe mehr steht und lauscht als sich bewegt. Auf dem Marktplatz erzählt Marita Kohl von den dreihundertjährigen Kämpfen der Trierer Bürger mit der Kirche um die Stadtherrschaft. Brunnen, Dom und auch Steipe sind Zeugen dieses Machtkampfes.
Jetzt geht es auf die letzten Meter. Vorbei an Liebfrauenkirche und Basilika geht es weiter Richtung Palastgarten. An der Basilika eine kleine Enttäuschung für die Jogger an diesem nebeligen Samstagmorgen. Die Mariensäule, die von hier aus normalerweise gut zu sehen ist, verschwindet im Herbstnebel. Schade!

Gut zu sehen sind dagegen das Kurfürstliche Palais und der schön angelegte Garten. Eine letzte Anekdote gibt es beim Relief an der Mauer des Palastgartens. Hier ist Peter Franz Weißebach (1860 bis 1925) abgebildet, dem eine Vorliebe für Wein und eine gewisse Schalkhaftigkeit nachgesagt wurde. Er war der Stifter des Palastgartens. Allerdings setzte er als Bedingung, dass sich der Stadtrat fünf Jahre lang mit dem Bau eines Krematoriums beschäftigte, im damaligen katholischen Trier undenkbar. Erst nachdem dies fünf Jahre lang abgelehnt wurde, konnte das Geld für die Anlage eines Volksgartens verwendet werden.

Nach diesen Informationen laufen die Jogger langsam Richtung Kaiserthermen aus. Erschöpft ist niemand. Aber gelernt haben alle etwas bei dieser sportlichen Tour durch die Stadt. Nora John



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